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Politik

Peru wählt das "kleinere Übel"

Bei der Stichwahl um das peruanische Präsidentenamt konnte sich der frühere sozialdemokratische Präsident Alan García gegen den Ex-Militär Ollanta Humala durchsetzen. Was verspricht der neue alte Präsident?

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Bekommt eine zweite Chance: Alan García

Wer es etwas polemisch mag, der wird sagen, die Peruaner hatten am Sonntag die Wahl zwischen Pest und Cholera. Etwas diplomatischer drückt sich der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa aus: "Humala wäre das Ende der Demokratie in Peru, García ist das kleinere Übel". Vargas Llosa - selbst schon mal Präsidentschaftskandidat 1990 - hatte zur Wahl seines alten Widersachers García aufgerufen, "auch wenn man sich dabei die Nase zuhalten muss".

Dass García von vielen Peruanern als "Übel" gesehen wird, hängt damit zusammen, dass er schon einmal an der Spitze des Landes stand. 1985 wurde er mit 36 Jahren der jüngste Staatschef Lateinamerikas. Der wortgewandte und durchaus charismatische Garcia galt zunächst Hoffnungsträger, manche nannten ihn gar den sozialdemokratischen "Kennedy Lateinamerikas". Doch von dem Glanz blieb nach seiner Amtszeit 1990 nichts übrig. Viele Peruanern stehen stattdessen noch heute die Haare zu Berge, wenn sie sich an die Regierungszeit von Garcias sozialdemokratischer APRA Partei erinnern. Die Inflation stieg in ungeahnte Höhen, Peru durchlebte eine seiner schwersten Wirtschaftskrisen und es tobte ein blutiger Kampf mit den Guerilla-Organisationen Sendero Luminoso und Tupac Amaro.

Schwere Korruptionsvorwürfe gegen García

Garcia konnte bei keinem der Probleme des Landes Fortschritte erzielen. 1990 verlor er und seine Partei die Macht an Albert Fujimori. Als der seinen Vorgänger wegen Korruptionsverdacht festnehmen lassen wollte, flüchtete García nach Kolumbien und ging dann später nach Frankreich. In Paris hatte García als Student gelebt und sich dort seinen Lebensunterhalt unter anderem dadurch verdient, dass er peruanische Volkslieder in den Bars und Restaurants des Quartier Latin in Paris sang.

Angeblich soll García 50 Millionen US-Dollar aus dem Land geschafft haben. García hat die Vorwürfe stets bestritten und als Verleumdungskampagne seiner politischen Gegner abgetan. Dass García jetzt doch noch einmal eine zweite Chance bekommt, hat er vor allem seinem direkten Rivalen Ollanta Humala zu verdanken. Der hatte in der ersten Wahlrunde im April zwar noch vor García die meisten Stimmen erhalten, danach jedoch viele Sympathien verspielt.

Rhetorische Ausfälle

Der frühere Offizier Humala, der sich selber "Comandante" nennt, propagiert einen aggressiven Nationalismus und schürte nach Kräften den Hass auf die reiche Oberschicht. Das kam zwar bei der verarmten Bevölkerung gut an. In Misskredit geriet Humala jedoch zunehmend durch die unbedachten Äußerungen seiner Familienmitglieder. Humalas Mutter will Homosexuelle erschießen lassen, der Vater alle Weißen außer Landes jagen und der nach einer Militärrebellion mit fünf Toten inhaftierte Bruder Antauro den scheidenden Präsidenten Alejandro Toledo nebst Ehefrau und Kabinett hinrichten lassen.

Da half es auch nichts mehr, dass Humala immer wieder betonte, dass er ja nicht mit seiner Familie regieren will. Viele trauten Humala auch schlicht nicht zu, Präsident zu sei. Noch nie hat er ein öffentliches Amt bekleidet, verfügt auch über keine gewachsene Partei.

García gegen Chávez

Sicher wäre Humala die Unterstützung von Hugo Chávez gewesen, der neuen Führungsperson der populistischen Linken in Lateinamerika. Chávez wetterte wortgewaltig gegen García. Der seinerseits hielt lautstark dagegen. "Die Leute haben die Wahl - zwischen Peru und Hugo Chávez", so García. So sehr García die Distanz zu Chávez betont, so sehr hebt er seine Bewunderung für die pragmatischen sozialistischen Staatschefs von Brasilien und Chile, Lula da Silva und Michelle Bachelet hervor.

García steht jetzt unter Erfolgsdruck. Sein scheidender Vorgänger Alejandro Toledo hat die Hoffnungen auf einen demokratischen Neuanfang enttäuscht. Fast die Hälfte aller 28 Millionen Peruaner lebt in Armut. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind extrem. So wie sein Amtskollege in Bolivien, Evo Morales, ist auch García der Meinung, dass die Peruaner künftig mehr von den Ressourcen des Landes - vor allem Erdgas- und Goldvorkommen - profitieren sollen. Die Verträge mit den Unternehmen, die die Rohstoffe fördern, will er neu aushandeln. Eine Verstaatlichung à la boliviana strebt er aber nicht an. Er ist auch dafür, das vor kurzem ausgehandelte Freihandelsabkommen mit Washington fortzuführen. "Wir müssen mehr Produkte in die USA exportieren, nicht, wie jetzt, Menschen", hatte er im Wahlkampf gesagt.