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Kultur

Perfekt inszenierter religiöser Event

Mit einer von Papst Benedikt XVI. geleiteten Messe ist am Sonntag (21.8.) der XX. Weltjugendtag zu Ende gegangen - ein fröhlicher religiöser Event mit Signalwirkungen. Carola Hoßfeld kommentiert.

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Der Weltjugendtag war die größte religiöse Veranstaltung, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Ein Festival der Begegnungen, über alle Gesinnungs- und Nationengrenzen hinweg. 400 000 Dauerteilnehmer feierten ausgelassene Partys und besinnliche Gottesdienste. Sie diskutierten über Gerechtigkeit in der einen Welt und über Visionen für eine friedliche Zukunft. Vor allem aber feierten sie ihren Glauben. Mit frommen Liedern und Jubel für den Papst. Er ist ihr Star.

Begeisterung der Jugend für alte Kirche

In Köln hat sich das Phänomen wiederholt, das die Medien bereits beim Pontifikats-Wechsel im April sprachlos werden ließ: die Begeisterung der Jugend für eine alte Kirche, deren Lehren sie keineswegs kritiklos übernimmt. Und die Begeisterung für den neuen Papst, der mit 78 Jahren zwei bis drei Generationen älter ist. Das katholische Mammuttreffen war ein rundum fröhliches Familienfest mit bombastischen Zügen, ein perfekt inszenierter religiöser Event.

Mehr als 800.000 Jugendliche feierten mit Papst Benedikt XVI. eine beeindruckende Nachtwache auf dem Marienfeld. Rund eine Million Teilnehmer aus 197 Staaten fanden sich zur Abschlussmesse zusammen. Eine Zahl, mit der selbst die Veranstalter kaum gerechnet hatten.

Unaufdringlicher Papst

Die Einladung zum Weltjugendtag hatte noch der verstorbene Papst Johannes Paul II. ausgesprochen. Der charismatische Pole auf dem Stuhl Petri verfügte bis zuletzt über einen besonderen Zugang zur Jugend. Mit Spannung wurde daher verfolgt, wie sich der eher scheue, fast schüchtern wirkende intellektuelle Benedikt XVI. bei seiner ersten Auslandsreise in der Öffentlichkeit und vor allem bei seinen Begegnungen mit der Jugend bewegt. Sein Auftreten prägte bescheidenes Verhalten. Er wirkte gelockert und unaufdringlich. Vereinnahmung ist seine Sache nicht.

Gesten der Höflichkeit zeichneten auch seine Treffen am Rande des Weltjugendtags mit der politischen Prominenz und Vertretern anderer christlicher Kirchen aus. Ebenso wenig spektakulär war sein Auftreten in der Synagoge in Köln. Ein Besuch, von dem die größte Signalwirkung ausging.

Zeichen der Versöhnung

Nicht nur, dass erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Kirche ein Papst ein jüdisches Gotteshaus betreten hat. Vor allem der kulturelle Kontext war bedeutsam. Ein deutscher Papst besucht eine Synagoge in dem Land, das im vergangenen Jahrhundert unendliches Leid über das Judentum gebracht hat. Damit setzte Benedikt ein deutliches Zeichen der Versöhnung zwischen Juden und Christen im 21. Jahrhundert.

Auch sein Empfang für Vertreter muslimischer Organisationen hatte vor dem Hintergrund des fundamentalistischen Terrors mehr als nur symbolische Bedeutung. Damit machte der neue Papst klar, dass der Vatikan bei seiner Haltung zum Islam keinesfalls die Thesen von einem "Kampf der Kulturen" übernimmt, sondern Terrorakte als Taten Einzelner wertet. Die großen Religionen Judentum, Christentum und Islam, so die Botschaft, müssen miteinander sprechen, damit die Welt friedlicher wird.

Benedikt XVI. hat auf dem XX. Weltjugendtag in Köln politische und pastorale Zeichen gesetzt. Die Kirche lebe und die Kirche sei jung, appellierte er an die jubelnde Jugend aus aller Welt. Für den säkularisierten Westen bleibt diese Aussage allerdings frommer Wunsch. Hier ist die Kirche längst nicht mehr der Ort, an dem die Jugend nach Antworten sucht. Daran wird auch dieser Weltjugendtag kaum etwas ändern.

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