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Fußball

Per Münze ins Finale

Fußball-Europameisterschaften werden seit 1960 ausgespielt. Sie produzierten Kuriositäten – und Rekordlisten, bei denen häufig Deutschland an der Spitze liegt.

Kinder spielen mit einem überdimensionalen Modell des EM-Fußballs 2012. (Foto: dapd)

Spielball - im engen wie übertragenen Sinne

Eine türkische Münze spielte eine entscheidende Rolle bei der Vergabe eines Fußball-Europameisterschaftstitels. Das Halbfinale der EM 1968 zwischen Gastgeber Italien und der Sowjetunion stand auch nach Verlängerung noch 0:0. Die Münze musste entscheiden – in der Kabine von Kurt Tscherner. Der Schiedsrichter aus Deutschland hatte eine türkische Spielmünze mit einem Ball auf der einen und einem Fußball-Tor auf der anderen Seite. Die UdSSR-Verantwortlichen baten um einen Probewurf, der zugunsten der Sowjets ausfiel. Als es aber wirklich ernst wurde, hatten die Italiener Glück. Kapitän Giacinto Facchetti wählte die Tor-Seite der Münze und lag richtig. "Ein Münzwurf war bei solch einem wichtigen Spiel mehr als unangemessen", fand Schiedsrichter Tscherner noch Jahrzehnte später. Italien holte sich 1968 den Titel – allerdings erst in einem Wiederholungsspiel, nachdem das erste Finale auch nach Verlängerung keinen Sieger gefunden hatte.

Zwei "Golden Goals" in Endspielen

Nicht per Münze oder Los, aber doch ebenfalls mit Glück wurden zwei spätere Europameisterschaften entschieden. Oliver Bierhoff gelang bei der EM 1996 in England in der Verlängerung des Endspiels gegen Tschechien das "Golden Goal" zum 2:1. Die Partie wurde sofort abgepfiffen, Deutschland war Europameister. 2000 beim Turnier in Belgien und den Niederlanden gelang dem Franzosen David Trezeguet mit seinem Tor zum 2:1 nach Verlängerung gegen Italien das letzte "Golden Goal" der EM-Geschichte. Die Regel wurde später wieder abgeschafft.

Oliver Bierhoff (l.) schießt das deutsche Team per Golden Goal zum EM-Titel 1996. Foto: picture-alliance/dpa

Oliver Bierhoff (l.) schießt das deutsche Team per Golden Goal zum EM-Titel 1996

Fünf verschossene Elfmeter

Das einzige Finale, das per Elfmeterschießen entschieden wurde, gewann 1976 die Tschechoslowakei gegen Deutschland. Uli Hoeneß verschoss in Belgrad im damaligen Jugoslawien den entscheidenden Elfer. Apropos Scheitern vom Punkt: Den EM-Rekord halten die Niederlande, die zusammen mit Belgien Gastgeber im Jahr 2000 waren. Im Halbfinale in Amsterdam gegen Italien verschossen die Oranje-Spieler fünfmal – zweimal in der regulären Spielzeit, dreimal im Elfmeterschießen. Als torreichste Partie ohne Elfmeterschießen wird das Halbfinale 1960 zwischen Gastgeber Frankreich und Jugoslawien in den EM-Annalen geführt, das 4:5 endete.

Toptorjäger Platini

Der treffsicherste Spieler bei Europameisterschaften kommt aus Frankreich. Michel Platini traf neunmal. Alle Tore erzielte der heutige Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) bei der Heim-EM 1984 in Frankreich. Der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten ist der Schweizer Johann Vonlanthen, der 18 Jahre und 141 Tage alt war, als er bei der EM 2004 in Portugal im Gruppenspiel gegen Frankreich ins Netz traf. Das schnellste Tor gelang, ebenfalls 2004, dem Russen Dmitri Kirichenko: nach 68 Sekunden im Gruppenspiel gegen den späteren Europameister Griechenland.

UEFA-Präsident Michel Platini. Foto: AP/dapd

UEFA-Präsident Michel Platini hält immer noch den EM-Torrekord

Lahm kann Klinsmann und Hässler überflügeln

In der deutschen EM-Torjägerliste führt Jürgen Klinsmann, der es bei drei Turnierteilnahmen (1988, 1992, 1996) auf insgesamt fünf Tore brachte. Klinsmann liegt gemeinsam mit Thomas Häßler auch in der Liste der Deutschen mit den meisten EM-Spielen vorn. Beide liefen 13 Mal auf. Der aktuelle Kapitän der Nationalmannschaft, Philipp Lahm (bisher neun EM-Spiele), kann allerdings vorbeiziehen, wenn Deutschland bei der EM in Polen und der Ukraine das Halbfinale erreicht. Selbst bei einem Finaleinzug würde Lahm jedoch die EM-Rekordspieler Lilian Thuram (Frankreich) und Torwart Edwin van der Sar (Niederlande) noch nicht abfangen. Beide wurden in 16 EM-Partien eingesetzt. Der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus gehört zu den sechs europäischen Spielern, die es auf vier EM-Endrunden brachten.

Herberger: EM "reine Zeitverschwendung"

Porträt Sepp Herberger. Foto: AP

Herberger hielt nichts von der EM

In der "ewigen" EM-Tabelle aller Turniere führt Deutschland vor den Niederlanden und Spanien. 38 Spiele haben deutsche Teams absolviert, so viel wie keine andere Nation. Mit 19 Spiel-Siegen liegt Deutschland ebenso in der Statistik vorn wie in der Zahl der EM-Titel (drei: 1972, 1980, 1996) und der Finalteilnahmen (sechs). Und das, obwohl Deutschland bei den ersten beiden Europameisterschaften 1960 und 1964 fehlte. Für den damaligen Bundestrainer Sepp Herberger waren EM-Turniere "reine Zeitverschwendung". In seinem Tagebuch schrieb der Trainer der Weltmeister-Elf 1954: "Zwischen zwei Weltmeisterschaften ist der Neuaufbau einer starken Nationalmannschaft die erste Aufgabe. Ein Europaturnier stört."