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Politik

Pentagon-Mitarbeiter unter Spionageverdacht

Ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums soll Medienberichten zufolge für Israel spioniert haben. Der Mann habe zudem die Möglichkeit gehabt die Irak- und Iranpolitik des Pentagons zu beeinflussen.

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Im Pentagon wird ermittelt


Wegen mutmaßlicher Spionage für Israel hat das US-Bundeskriminalamt FBI die Ermittlungen gegen einen Iran-Spezialisten im Pentagon aufgenommen. Der Beamte stehe unter dem Verdacht, geheimes Material über eine pro-israelische Lobbyorganisation in den USA an Israel weitergegeben zu haben, berichten die US-Medien übereinstimmend am Samstag (28.8.2004). Das Verteidigungsministerium bestätigte die Ermittlungen. Die israelische Botschaft in Washington wies die Berichte als falsch und empörend zurück.

Iran-Spezialist unter Verdacht

Bei dem Beamten soll es sich nach Angaben der "Washington Post" um einen auf Iran spezialisierten Analysten aus der Nahost- und Südasien-Abteilung des Pentagons handeln. Der vor der Pensionierung stehende Mitarbeiter soll vor drei Jahren zu der politischen

Abteilung gestoßen sein und Zugang zu Material gehabt haben, das an Staatssekretär Douglas Feith ging.

Der Mitarbeiter stehe unter Verdacht, unter anderem den Entwurf einer Präsidentendirektive zur Iran-Politik weitergegeben zu haben und werde seit sieben Monaten

observiert, heißt es weiter. Nach Informationen des Blattes steht noch nicht fest, ob der Beamte wegen Spionage oder unsachgemäßem Umgang mit Geheimdienstmaterial belangt wird.

Noch viele Unklarheiten

Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN hatte der Analyst die Möglichkeit, die Irak- und Iranpolitik des Pentagons zu beeinflussen. Dagegen schreibt die "Washington Post" unter Berufung auf Pentagon-Mitarbeiter, dass der Beamte nicht in der Position gewesen sei, bedeutenden Einfluss auf die US-Politik zu nehmen. Er habe aber in einem Büro gearbeitet, in dem die frühen Pläne für den Krieg zum Sturz des irakischen Regimes erarbeitet wurden.

Der Mann habe seine Informationen über eine in Washington ansässige pro-israelische Lobbygruppe weitergegeben, hieß es. Senderangaben zufolge dementierte die Gruppe namens Kommission für Maßnahmen in der amerikanisch-israelischen Politik (AIPAC) die Vorwürfe. Sie seien "'falsch und entbehren jeder Grundlage", hieß es in einer Erklärung. CNN berichtete unter Berufung auf einen FBI-Mitarbeiter, es würde weiter in dem Fall ermittelt. Bisher sei noch niemand festgenommen worden.

Israel weist Vorwürfe zurück

Hochrangige israelische Politiker wiesen die Spionagevorwürfe am Samstag zurück. Der israelische Rundfunk zitierte sie mit den Worten: "Wir wissen nicht, um was es dabei geht." Israel betreibe "'seit Jahren" keine Geheimdienstaktivitäten auf amerikanischem Boden. Ein Sprecher der israelischen Botschaft in Washington sagte CBS, es handele sich um "falsche und empörende Behauptungen".

Obwohl Israel einer der engsten Verbündeten der USA ist, ist es bereits in der Vergangenheit zu Spionagefällen gekommen. Israel hatte sich nach einem größeren Skandal Ende der 1980er-Jahre verpflichtet, künftig auf Spionage in den USA zu verzichten. John Pollard, ein ehemaliger Mitarbeiter für die US-Marine, hatte von Mai 1984 bis zu seiner Festnahme im November 1985 tausende Geheimdokumente des Verteidigungsministeriums an Israel weitergegeben. Dabei handelte es sich vor allem um Unterlagen zu der Spionagetätigkeit der USA in den arabischen Ländern. Pollard wurde 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt. (ali)

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