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Kultur

PEN-Kongress in Mexiko-Stadt eröffnet

Mit einem Appell zur Verteidigung des freien Wortes ist am Sonntagabend (23.11.2003) in Mexiko der internationale PEN-Kongress eröffnet worden. Die Veranstalter setzen sich für eine Stärkung indianischer Sprachen ein.

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PEN setzt sich für mehr Meinungsfreiheit ein

Der 69. Weltkongress der 1921 gegründeten Schriftstellervereinigung tagt bis zum Freitag und steht unter dem Motto "Kulturelle Vielfalt und Meinungsfreiheit". Während der Tagung wird auch ein neuer Präsident gewählt. Einziger Kandidat für die Nachfolge des Mexikaners Homero Aridjis ist der tschechische Schriftsteller Jiri Grusa.

Die Veranstalter erwarten zu dem Kongress 155 Delegierte aus mehr als 90 Ländern. Es liegt eine Anzahl von Resolutionsentwürfen vor, mit denen einzelne Länder wegen der Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit verurteilt oder gerügt werden sollen. Auf der Liste befinden sich in diesem Jahr auch Italien wegen des Medienmonopols von Ministerpräsident Silvio Berlusconi sowie die USA, denen die Einschränkung der Pressefreiheit im Irak vorgeworfen wird.

Leiden für die Meinungsfreiheit

"Die Meinungsfreiheit wurde vom PEN verteidigt als sie am meisten bedroht war", betonte die südafrikanische Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer bei der Eröffnungsfeier. Viele Schriftsteller seien in den vergangenen Jahrzehnten für ihr Recht, frei zu sprechen, Risiken eingegangen und hätten dafür gelitten.

Gordimer, der die Delegierten nachträglich zum 80. Geburtstag gratulierten, warnte zugleich, dass das geschriebene und gedruckte Wort von den elektronischen Medien herausgefordert werde. "Das gedruckte und gebundene Buch ist aber ein Medium, das von keinem elektronischen System und keiner Batterie abhängig ist und bei einem Stromausfall nicht verstummt. Sie können es auf einem Berggipfel genießen oder in einem Bus oder in einer Schlange, ohne irgend jemanden zu stören, und Sie sind von nichts anderem abhängig als von Ihren eigenen Augen", sagte Gordimer.

Neue Quellen der Gewalt

Ihr peruanischer Kollege Mario Vargas Llosa, PEN-Präsident von 1976 bis 1979, sagte, es sei für ihn eine große Befriedigung, dass der PEN heute eine viel breitere Organisation sei als zu den Zeiten, in denen kommunistische Diktaturen in Osteuropa die Gründung nationaler PEN-Zentren verhinderten. "Aber leider hat der Fall der Berliner Mauer und das Verschwinden eines der großen totalitären Imperien keine universelle Brüderlichkeit geschaffen", bedauerte Vargas Llosa. Neue Fanatismen, neue absolute Wahrheiten und extreme Nationalismen hätten neue Quellen der Gewalt geschaffen.

Der scheidende PEN-Präsident Aridjis sagte, dass Mexiko der bestmögliche Sitz für einen Kongress zum Thema "Kulturelle Vielfalt" sei. Denn sein Land umfasse zwei kulturelle Traditionen: diejenige der vorspanischen, und die der europäischen Sprachen. Die mexikanische Kulturministerin Sari Bermúdez versicherte, dass es die Politik ihrer Regierung sei, die sprachliche Vielfalt zu fördern. Allein in Mexiko gibt es noch 62 indianische Sprachen.

Überlebenskampf der Sprachen

An dem Kongress nehmen Schriftsteller in indianischen Sprachen aus Mexiko, Guatemala, Kanada, Chile und einigen weiteren Ländern des amerikanischen Kontinentes teil, um von ihrer Arbeit und dem Überlebenskampf ihrer Sprachen zu berichten. Ein weiteres Thema ist die "Kampagne gegen die Straflosigkeit", die der PEN bei einem Treffen seines Komitees für gefangene Schriftsteller ("Writers in Prison Commitee") vor einem Jahr gestartet hatte. Nach PEN-Angaben wurden seit 1992 weltweit mehr als 400 Schriftsteller oder Journalisten getötet, 78 davon in Lateinamerika. Ziel der Kampagne ist es, dass keiner der Täter straffrei ausgeht. (ali/dpa)

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