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Asien

Pekings Aufrüstung, Washingtons Sorge

In den vergangenen Monaten sorgten Fotos aus China für Schlagzeilen: Bilder eines neuen Flugzeugträgers und eines neuen Kampfjets. In Washington beobachtet man das militärische Muskelspiel Pekings mit Argusaugen.

Chinas erster Tarnkappenbomber, der Chengdu J-20 (Foto: Ap)

Dieses Foto sorgte im Januar 2011 für Schlagzeilen: China präsentierte seinen ersten Tarnkappenbomber

Dass China seine militärischen Kapazitäten nach Kräften ausbaut, ist ein offenes Geheimnis und lange bekannt. In diese Kategorie fällt auch der Bau des ersten eigenen Flugzeugträgers, dessen Bilder im Januar 2011 um die Welt gingen. Die chinesischen Aktivitäten werden unter anderem in den USA genau verfolgt. Die Meinungen darüber allerdings gehen auseinander. Während das amerikanische Online-Streitkräftejournal "DoDBuzz" den chinesischen Flugzeugträger lediglich als "symbolische Bedrohung" bezeichnete, sind andere US-Medien der Auffassung, sowohl Pentagon als auch einige Experten würden das Wachstum des chinesischen Militärs "unterschätzen". Seitdem steht für die Amerikaner die Frage im Raum, inwieweit China künftig eine militärische Bedrohung für US-Interessen darstellen könnte.

Chinas erster Flugzeugträger Varyag (Foto: dpa)

Chinas erster Flugzeugträger "Varyag"

Nan Li vom "China Maritime Studies Institute" des "US Naval War College" vertritt beispielsweise die Meinung, dass die Expansion der chinesischen Militärkapazitäten allein noch nicht unbedingt Anlass zur Sorge gäben. Das gelte insbesondere für den noch unfertigen Flugzeugträger "Varyag" – den China 1998 von der Ukraine gekauft hatte. "Momentan muss niemand Angst haben, dass ein alter russischer Flugzeugträger wieder voll funktionsfähig zum Einsatz wird gebracht wird."

Weit hinter der USA

Li geht vielmehr davon aus, dass der Flugzeugträger zu Übungszwecken genutzt werden soll. "Bis China über das nötige Knowhow – also die Technologie, die Erfahrung und das Training – verfügt, um den Flugzeugträger einzusetzen, wird es Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte dauern", so Li. Dieser Zeitraum könnte sich sogar noch verlängern, wenn "er tatsächlich für die Seestreitkräfte eingesetzt werden soll".

Die Volksrepublik verfüge bei weitem nicht über die Kapazitäten des US-Militärs. Und Peking sei vielmehr daran gelegen, sich als regionale Seemacht aufzustellen, ist der China-Experte überzeugt. "Diese russischen Träger sind nicht wirklich für globale Einsätze gebaut, sondern hauptsächlich für die regionale Machtausübung konzipiert." Was die langfristigen Perspektiven angeht, ist Nan Li vom "US Naval War College" etwas vorsichtiger. Momentan sei einfach noch nicht klar, "ob China zielstrebig genug ist, um den Amerikanern einen Flugzeugträger nachzubauen, der Peking einen internationalen Ausbau seiner Macht ermöglichen würde". Man wisse nicht, ob es China gelingen könnte, an die nötige Technologie zu gelangen.

Amerikanische und chinesische Flagge vor Himmel-Hintergrund (Foto: AP)

Die chinesischen Aktivitäten werden von Washington aus mit Sorge verfolgt

Auch wenn das chinesische Militär noch keine unmittelbare Bedrohung für die USA darstelle, sollte das Pentagon die Modernisierung des chinesischen Militärs nichtsdestotrotz aufmerksam verfolgen, meint Gabe Collins, Mitgründer des auf militärische Analysen spezialisierten Internetangebots "chinasignpost.com". Das sei nicht deshalb wichtig, "weil China morgen auf einmal als Weltmacht aufblüht, sondern weil Militärplanung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und lange im Voraus gemacht wird – solche Prozesse dauern Jahre."

Regionale Macht

Über den noch nicht einsatzfähigen Flugzeugträger hinaus gibt es auf chinesischer Seite noch weitere, aus US-Sicht alarmierende Entwicklungen. So absolvierte Anfang 2011 der "Chengdu J-20", Chinas erster Tarnkappenjet, seinen Jungfernflug. Darüber hinaus gelang es Peking, die ballistische Rakete "Dongfeng 21 D" entscheidend weiterzuentwickeln – sie soll in der Lage sein, Flugzeugträger zu versenken und könnte die Machtbalance im Pazifikraum entscheidend verschieben.

Zwar gehen unter Experten die Meinungen über die Einsatzfähigkeit der "Dongfeng 21 D" auseinander. Gabe Collins glaubt aber, dass sie durchaus eine entscheidende Bedeutung für amerikanische Interessen in der Region haben könnte. "Diese Rakete könnte US-Einsätze mit Flugzeugträgern oder an Land erschweren, auch wenn sie tausend Meilen oder mehr von der chinesischen Küste entfernt stattfinden." Von einem Wettrüsten auf Augenhöhe mit den USA sei China derzeit aber trotz aller technologischen Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts noch weit entfernt.

Konfliktpotential Dennoch sind sich Beobachter einig: Das Konfliktpotenzial wächst mit der wachsenden regionalen und militärischen Macht Pekings. So glaubt der politische Analyst Gabe Collings, dass es vor allem im Südchinesischen Meer zu Auseinandersetzungen kommen könnte. "In China glauben einige, das Meer sei chinesisches Territorium und kein internationales Gewässer."

Militärparade zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China (Archivfoto vom 01.10.2009) (Foto: picture alliance / dpa)

Der chinesische Militäretat steigt in diesem Jahr um 12,7 Prozent

Das derzeit größte Konfliktpotenzial stellt nach Ansicht von Experten der Status Taiwans dar. "Dieses Thema könnte zweifellos einen militärischen Konflikt zwischen den USA und China auslösen", sagt Nan Li vom "China Maritime Studies Institute" des "US Naval War College". Peking betrachtet das nach Unabhängigkeit strebende Taiwan als abtrünnige Provinz und hat über 1000 Raketen auf die Insel gerichtet, um diese Überzeugung notfalls militärisch zu untermauern. Taiwan seinerseits bekommt strategische Unterstützung wie auch Waffen von seinem großen Beschützer, den USA. Das amerikanische Gesetz schreibt der Regierung in Washington vor, Taiwan bei der Verteidigung gegen einen möglichen chinesischen Einmarsch zu unterstützen. Für Li ist eine mögliche militärische Eskalation vor allem mit der Haltung Taiwans verknüpft. "So lange Taiwan seine Unabhängigkeit nicht offiziell ausruft, ist das Risiko eines Krieges vergleichsweise gering."Autorin: Sarah Berning
Redaktion: Adrienne Woltersdorf / Esther Felden