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Politik

Peking bezeichnet Vorwürfe des Dalai Lama als Unsinn

Peking hat die Kritik des Dalai Lama wegen der Niederschlagung der Proteste in Tibet zurückgewiesen. Es sei nicht mit Waffengewalt vorgegangen worden. Die Angaben widersprechen Berichten von Augenzeugen.

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Aus Lhasa gelangen nur wenige Bilder nach außen

Eine "Herrschaft des Terrors in Tibet" sei "absoluter Unsinn", sagte ein führendes Mitglied des von Peking kontrollierten Regionalparlaments in Tibet, Legqog, am Montag (17.3.2008) laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Zugleich machte die Regionalregierung die Demonstranten in der Hauptstadt Lhasa für den Tod von 13 Menschen verantwortlich. Die "Aufrührer" hätten bis Mitternacht (17 Uhr MEZ) Zeit, sich zu stellen. Ein Bewohner von Lhasa berichtete der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, die Lage sei weiterhin gespannt. "Panzer sind auf den Straßen."

Auf den Vorwurf des Dalai Lama, dem geistigen Oberhaupt der Tibeter, Peking betreibe einen "kulturellen Völkermord", erwiderte Legqog, die tibetische Kultur gedeihe in der Region. Es seien die "Separatisten", die die Entwicklung in Tibet hemmten, sagte der Bürgermeister der Hauptstadt Lhasa, Doje Cezhug, laut Xinhua. Berichte, wonach Ausländer zum Verlassen Tibets gezwungen worden seien, wies der Präsident der autonomen Region Tibet, Qiangba Puncog, vor Journalisten in Peking zurück. Wegen "Brandstiftung und Morden raten wir ausländischen Nachrichtenfirmen und Ausländern aus Sicherheitsgründen vor Reisen nach Tibet ab", sagte er.

Peking: "Keine Waffengewalt gegen Demonstranten"

Bei der Niederschlagung der Proteste in Lhasa seien die chinesischen Sicherheitskräfte nicht mit Waffengewalt gegen die Demonstranten vorgegangen, sagte Qiangba weiter. Von Seiten der Sicherheitskräfte habe es in Lhasa "keine Schüsse gegeben". Die chinesische Volksarmee sei nicht an der Niederschlagung der Proteste beteiligt gewesen, sondern sei erst nach den Unruhen eingesetzt worden, um die Stadt aufzuräumen und die Ordnung aufrecht zu erhalten, fügte er hinzu. Die Angaben stehen im Widerspruch zu Berichten von Augenzeugen und ausländischen Touristen, die sich am Freitag in Lhasa aufgehalten hatten.

So sollen die chinesischen Sicherheitskräfte bei Razzien in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Hunderte von Tibetern festgenommen haben. Wie das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) am Montag aus Indien berichtete, gibt es solche Razzien seit Sonntag. Die Sicherheitskräfte gingen von Haus zu Haus und nähmen alle verdächtigen Tibeter, insbesondere junge Leute fest. Dabei würden die Tibeter auch geschlagen. Es seien bereits alle früheren politischen Häftlinge aufgegriffen und wieder in Haft genommen worden.

Ausweitung der Proteste

Die Proteste hatten am Wochenende von Lhasa aus auch auf andere Orte sowie auf Klöster in anderen Regionen des alten tibetischen Territoriums in den angrenzenden Provinzen Gansu, Sichuan und Qinghai übergegriffen. Nach einer Demonstration in Aba (Ngaba) in Sichuan seien acht Tote in das Ngaba Kirti Kloster gebracht worden, berichtete das TCHRD-Zentrum. Bewaffnete Sicherheitskräfte hätten "wahllos in die friedlich protestierenden Tibeter geschossen".

Auch in der Provinz Gansu sei es zu weiteren Protesten gekommen, wie erst am Montag bekannt wurde. Rund 500 tibetische Studenten an der North Western Nationality University in der Provinzhauptstadt Lanzhou hätten auf dem Universitätsgelände demonstriert und Flugblätter verteilt, berichtete das exiltibetische Zentrum. Sicherheitskräfte seien gegen die Demonstranten vorgegangen und hielten 300 von ihnen auf dem Gelände fest.

Am Freitag waren tagelange Proteste in der Altstadt von Lhasa gewaltsam eskaliert. Anlass der Proteste ist der 49. Jahrestag eines Aufstandes in Lhasa gegen die chinesischen Besatzer am 10. März. Tibet wird seit dem Einmarsch der chinesischen Armee 1950 von Peking regiert. Nach dem fehlgeschlagenen Aufstand flüchtete der Dalai Lama nach Indien. China lehnt eine Autonomie der Himalaya-Region strikt ab. (stl)

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