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Wirtschaft

Peking befürchtet extremes Wachstum

Die chinesische Zentralbank hat beschlossen, die Mindestreserve der Geschäftsbanken zu erhöhen. Ziel ist es, die Investitionen zu zügeln und damit stabiles Wachstum zu ermöglichen.

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Droht eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft?

Ab 25. April müssen alle Geschäftsbanken und Finanzinstitutionen ihre Mindestreserve von derzeit sieben auf 7,5 Prozent erhöhen. Ein Sprecher der Zentralbank erklärte, damit wolle man den zu schnellen Zuwachs der Kreditvergabe verhindern. Denn eine zu hohe Steigerung der Kredite werde einerseits zu Inflation führen, andererseits wachse das Risiko von Krediten, die zum Finanzrisiko werden.

Der China-Experte der DeKa Bank, Nicolas Schlotthauer, sieht darin die Sorge der chinesischen Regierung vor einer Überhitzung der Wirtschaft, die teilweise durch die lockere Kreditpolitik der Banken zustande gekommen ist: "Es kann auf keinen Fall die einzige Maßnahme bleiben. Man muss den Hebel an verschiedenen Stellen ansetzen, beispielsweise auch bei den Provinzregierungen, die für einen Teil der Überinvestition verantwortlich sind. Aber es ist zumindest ein erster Schritt um zu zeigen, dass die Zentralbank auch bemüht ist, die Überhitzung in der Wirtschaft zu bremsen."

Bremse durch Wachstum?

Kürzlich wurde auf einer Fachkonferenz in Peking bekannt gegeben, dass die Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft im ersten Quartal bei 9,5 Prozent liege. Im zweiten Quartal könnte es sogar mehr als zehn Prozent sein. Durch Gegenmaßnahmen der Regierung werde das Wachstum in der zweiten Hälfte des Jahres auf acht Prozent zurückgehen. Da die offiziellen Angaben in den letzten Jahren häufig das reale Niveau unterschreiten, bleibt abzuwarten, wie viel diese Zahlen aussagen.

Aber wenn es der Regierung nicht gelingt, die Wirtschaft zu bremsen, könnte es gefährlich werden, so Schlotthauer. "Das ist das große Risiko, dass die Wirtschaft weiter zu stark wächst, dass durch die aggressive Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken sich diese Finanzinstitute mittelfristig wieder ein höheren Bestand an notleidenden Krediten einhandeln, und dass es dadurch zu einem abrupten Bremsen der Wirtschaft kommt."

Unterschiede zwischen Stadt und Land

Ausgenommen von der Zwangserhöhung der Mindestreserve sind die ländlichen Kreditgenossenschaften. Die Überinvestitionen kommen vorwiegend in den Städten und Küstenregionen vor - und die Bauern wurden bei der Kreditvergabe schon immer benachteiligt. Diese Situation will die Regierung ändern, um den Einkommensunterschied zwischen städtischer und ländlicher Bevölkerung nicht weiter wachsen zu lassen. "Man wird es nur in einzelnen Teilen spüren", sagt Finanzexperte Schlotthauer zu den Auswirkungen der neuen Maßnahmen auf die Industrie. Er ergänzt: "Man hat schon spezielle Sektoren in China erkennen können, wo es zu dieser Überhitzung kam. Insbesondere der Automobilsektor, auch das Baugewerbe, und alle ausländischen Firmen, die in diesen Sektoren investieren." Grundsätzlich gelte, dass die Rohstoffmärkte durch die Regierungsintervention in diesem und dem nächstem Jahr nur wenig gebremst würden, weil hier die Nachfrage weiterhin sehr hoch sei.

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