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Kultur

Peitsche und Zuckerbrot

Die Musikindustrie steckt in der Krise. Denn immer mehr Fans kopieren Musik aus dem WWW. Jetzt will die Branche die Szene mit ihren eigenen Waffen schlagen: Eine Woche lang verschenkt sie ihre Songs im Web.

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Shakira geschenkt

Eigentlich verschenken die Plattenfirmen ihre Songs ja schon seit Jahren über das Internet - allerdings unfreiwillig. Nahezu jedes veröffentlichte Album kann man heute nicht nur im Laden kaufen, sondern auch im Internet über Musiktauschbörsen wie "KaZaA" oder "E-Donkey" auf den heimischen Computer herunterladen und dann auf eine CD brennen. Millionen Musikfans machen das so und sorgen damit für schlechte Laune bei den Musikmanagern. Ende Februar legte etwa die deutschen Phonoverbände neue, für sie ernüchternde Zahlen vor: 11,3 Prozent Umsatzrückgang bei Tonträgern waren für 2002 zu vermelden und damit schon das zweite zweistellige Jahresminus in Folge.

Hits inklusive

Mit dem "Digital Download Day" am 9.4.2003 ergriff die Branche jetzt die Flucht nach vorne: Eine Woche lang können Internetsurfer ganz legal über kommerzielle Download-Dienste Musik auf ihre Computer laden. Rund 160.000 Titel aus dem Repertoire fast aller Major-Labels und der wichtigsten Independent-Labels stehen dafür zur Verfügung, aktuelle Charthits eingeschlossen. Für die Musikindustrie geht es dabei letztlich um nicht weniger, als endlich auch einen Fuß in die Tür des Internet-Geschäftes zu bekommen. Christoph Schick, einer der Initiatoren des Download-Tages: "Das Internet ist ein zukünftiges Geschäftsfeld, wir müssen da jetzt investieren, wenn wir in Zukunft partizipieren wollen."

Klagen statt Konzepte

Bei Thema Internet hat die Musikindustrie bisher eher wenig Phantasie bewiesen. Statt die Potenziale des Internet-Vertriebs von Musik auszuloten und die Nutzer als Kunden zu gewinnen, hatte man dem neuen Medium und seinen Protagonisten lange den Krieg erklärt: Anbieter von Internet-Tauschbörsen wurden mit Klagen überhäuft, ihre Webseiten wurden zur Abschaltung gezwungen, zum Teil mit beschädigten Dateien und gefälschten Liedern sabotiert.

Erfolgreich war das nicht: Die Umsatzzahlen sanken trotzdem und die Webtauschbörsen sind beliebter denn je. Auf die Peitsche folgt daher jetzt das Zuckerbrot: Immer mehr Labels arbeiten an der Entwicklung eigener kommerzieller Download-Dienste. Und die haben durchaus ein paar Vorteile gegenüber den populären illegalen Börsen: einheitliche Qualität, redaktionelle Betreuung und etwa eine kostenlose Vorhörmöglichkeit.

Breitband im Blick

Jetzt müssen die Musikfans die angeblichen Vorteile des legalen Kopierens nur noch merken. Der "Digital Download Day" ist daher mehr als ein Versöhnungsgeschenk an die verprellten Musikhörer: Er soll sie vor allem auf die Webseiten der kommerziellen Dienste locken. Dort - so hoffen die Label - werden sie dann von Qualität und Service so begeistert, dass sie zukünftig wieder gern für die Musik bezahlen und nicht wieder zu den kostenlosen Börsen zurückkehren. Damit Musik-Portale auch Umsätze generieren, fehlen laut Christoph Schick lediglich noch einige technische Details. Vor allem: "Ich muss im Internet eine Möglichkeit haben, leicht zu bezahlen."

Außerdem sollen in Zukunft die Anbieter von breitbandigen Internetzugängen stärker einbezogen werden - etwa indem diese Portale Breitband-Zugänge künftig im Paket mit dem Zugang zu einem kommerziellen Musikdienst verkaufen. Alternativ könnten sie verpflichtet werden, eine pauschale Kopierabgabe abzuführen. Das würde aber die Online-Gebühren verteuern.

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