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Aktuell Deutschland

Pegida: Fast 8000 blieben daheim

Bislang hatte Pegida bei jeder Demonstrantion mehr Menschen mobilisiert. Doch zur 13. Kundgebung in Dresden kommen weniger als zuvor. Ist das eine Trendwende?

Vor der Semperoper in Dresden schwenkten die Anhänger der Bewegung "Pegida" ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") wieder schwarz-rot-goldene Fahnen. Laut Polizei kamen 17.300 Anhänger. Vor zwei Wochen hatten die Veranstalter 25.000 Menschen mobilisert.

Das Motto der Kundgebung lautete "Jetzt erst Recht". Die Organisatoren wollten Stärke demonstrieren, nachdem die Polizei die für vergangenen Montag geplante Veranstaltung wegen Anschlagsdrohungen gegen den Mitbegründer Lutz Bachmann aus Sicherheitsgründen untersagt hatte. Und nachdem der 41-jährige Bachmann am Mittwoch alle Ämter bei Pegida niedergelegt hatte.

Zeitungen zeigen Lutz Bachmann mit Hitler-Bart (Foto: dpa)

Lutz Bachmann Hitler-"Scherz", wie er sagt

Zuvor war bekannt geworden, dass Bachmann auf seiner Facebook-Seite ein Selfie mit "Hitler-Bärtchen" und menschenverachtenden Kommentare geposted hatte.

Pegida stemmt sich gegen Untergangsgerüchte

Überraschend hatten die Pegida-Organisatoren um Sprecherin Kathrin Oertel die Kundgebung auf Sonntag vorgezogen. Offiziell begründet wurde dies mit der "Sicherheit" und einem geplanten Großkonzert: Am Montagabend ist in der Dresdner Innenstadt ein großes Fest für Toleranz und Weltoffenheit geplant, initiiert vom Verein "Dresden - Place to be". Zahlreiche Musiker haben ihr Kommen zugesagt, darunter Herbert Grönemeyer, BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken und Adel Tawil.

Jetzt würden schon Stars nach Dresden geholt, "damit die ersehnte Schlagzeile kommt: 'Pegida verliert im direkten Vergleich'", rief Oertel bei aufgeheizter Stimmung in die Menge.

Kathrin Oertel, Pegida-Sprecherin (Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Kathrin Oertel, Pegida-Sprecherin

Die Pegida-Frontfrau wies bei der Kundgebung Berichte über eine Zusammenarbeit mit der Partei "Alternative für Deutschland" zurück. Sie betonte erneut, dass "Pegida" eine Bürgerbewegung bleibe.

Die Bewegung sucht nun demonstrativ den Schulterschluss mit ihrem deutlich radikaleren Leipziger Ableger Legida. Deren Organisator Silvio Rösler erklärte in Dresden die Differenzen mit Pegida für beendet. "Dresden und Leipzig marschieren in Zukunft Schulter an Schulter".

Gegner bieten "Pegida" die Stirn

Nur wenige Meter von der Pegida-Kundgebung entfernt, demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 5000 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit. Es kam zu kleineren Rangeleien zwischen Anhängern beider Lager. Am Montag werden zu der Gegenveranstaltung "Offen und bunt - Dresden für alle!" erneut tausende Menschen erwartet.

In Gießen demonstrierten am Sonntag rund 700 Menschen gegen Rassismus und Ausgrenzung. In Hagen, Erfurt und Wolfsburg versammelten sich bereits am Samstag jeweils mehrere hundert Menschen zu Anti-"Pegida"-Kundgebungen. In Freiburg hatten am Freitagabend rund 20.000 Menschen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit protestiert.

Politiker, Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften und Wissenschaftler sind besorgt über die Folgen der islam- und fremdenfeindlichen Demonstrationen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht Deutschlands Ansehen in der Welt durch "Pegida" beschädigt. Es werde unterschätzt, welchen Schaden die Sprüche und Plakate der Organisation schon jetzt angerichtet hätten, sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag".

nem/rb (dpa, epd, afp)