1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Pegel sinken, Kurse steigen

Die Hochwasserkatastrophe schadet der deutschen Wirtschaft. Doch einige Branchen könnten von dem Unglück auch profitieren.

default

Baut auf, baut auf: Nach dem Hochwasser boomt die Baubranche

Im Mittelpunkt des Aktienmarkt-Interesses steht dabei die Baubranche. Notwendige Investitionen in die Erneuerung von Infrastruktur sowie in Neubauten lassen auf steigende Umsätze hoffen. Unternehmen wie Hochtief und Bilfinger Berger haben in den vergangenen Tagen Kursgewinne von über 20 Prozent verbuchen können und befinden sich weiter im Aufwind. Auch das Straßenbauunternehmen Strabag hat kräftige Zugewinne verzeichnet. Strabag wird als der heißeste Anwärter auf den Wiederaufbau des Straßennetzes in Ostdeutschland angesehen.

Impulse nicht überschätzen

Die Hochwasserkatastrophe bringt der seit langem in der Krise befindlichen Baubranche erstmals wieder positive Impulse. Im Gespräch mit DW-WORLD warnt Michael Grömling vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft davor, diese Entwicklung überzubewerten. "Man darf nie vergessen, dass bei dem Unglück ein immenser Kapitalstock verloren gegangen ist. Die Produktionsausfälle, die auf breiter Basis aufgetreten sind, können durch einzelne Branchen nicht aufgefangen werden." Stefan Müller, Fondsmanager bei Activest, gab DW-WORLD gegenüber zu bedenken, dass vor allem mittelständische Unternehmen in Ostdeutschland an dem Neuaufbau beteiligt seien. "Nur bei komplexen infrastrukturellen Maßnahmen sind die Großunternehmen gefragt", prognostiziert Müller.

Zerstörte Bahngleise auf der Strecke Dresden Felsenkeller

Allein in Sachsen sind 580 Kilometer Gleise beschädigt

Doch nicht nur mit den Bauaktien geht es aufwärts. Durchweg positiv bewerten Marktteilnehmer die Aussichten für den Bahntechnik-Zulieferer Vossloh. Die Papiere des MDax-Unternehmens stiegen am Wochenanfang um über 10 Prozent. Analysten führen dies auf den enormen Reparaturbedarf zurück. Mit Hilfe von Bundeszuschüssen soll nach Angaben von Bahnchef Hartmut Mehdorn zügig mit dem Wiederaufbau der Gleisanlagen begonnen werden. Allein in Sachsen wurden 538 Kilometer Bahngleise ganz oder teilweise zerstört.

Mitleidsrabatte statt Geschäftemacherei

Auch Möbelindustrie, Firmen der Fertigbaubranche und Baumärkte rechnen mit einem Nachfrageschub. Allerdings wehren sich die Unternehmen gegen den Vorwurf, aus dem Leid der Menschen Profit schlagen zu wollen. Ihre Hilfsbereitschaft dokumentieren sie durch drastische Preisreduzierungen. So gewähren die führenden Baumärkte Kunden aus den betroffenen Gebieten Preisnachlässe von bis zu 20 Prozent. Zudem stellen sie Geräte und Werkzeuge kostenlos zur Verfügung.

Die tatsächlichen Folgen der Katastrophe und somit auch die Verteilung von Verlusten und etwaigen Gewinnen lässt sich noch längst nicht abschätzen. "Noch ist die Flutwelle nicht überstanden," erklärt Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft. Und auch danach könne es geraume Zeit dauern, bis alle Auswirkungen sichtbar werden. "Auch die positiven Effekte müssen sich erstmal tatsächlich in den Auftragsbüchern der Unternehmen niederschlagen."

Experten mahnen Zurückhaltung an

Ein ähnliches Fazit zieht Fondsmanager Müller: "Es wird bis zu sechs Monate dauern, bis die Investitionen umgesetzt werden." Gerade bei den öffentlichen Aufträgen sei mit einer solchen Vorlaufzeit zu rechnen. Zudem mahnt Müller grundsätzlich zur Skepsis: "Bei derart großzügigen Kursaufschlägen ist es zumindest fraglich, ob diese auch mit dem zu erwartenden Zusatzertrag im Einklang stehen." Zwar sei es möglich, dass in der jetzigen Situation interessante Wertpapiere wiederentdeckt würden. Langfristig stünden aber ohnehin allgemeine Fragen wie etwa die konjunkturelle Entwicklung im Fokus der Aktienbewertung.

WWW-Links