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Kultur

Pazifisches Klimaphänomen - Teil des Klimawandels?

El Nino und La Nina. So nennt man die sich abwechselnden Warm- und Kaltphasen im tropischen Pazifik. Die beiden Wetterdämonen sind im 20. Jahrhundert extremer denn je gewesen, zeigt eine neue Studie.

Klimaflüchtlinge auf einer dünnen Insel (AP Photo/ Juan Karita)

La Nina sorgte dieses Jahr für verheerende Überschwemmungen in Bolivien

Drei Jahre hat die Australierin Joelle Gergis in die neue Studie investiert. Die junge Forscherin von der Universität Melbourne hatte sich eine Menge vorgenommen: Sie durchforstete mehr als ein Dutzend sogenannte Klimaarchive aus dem pazifischen Raum, die ältesten reichen bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück.

Überflutungen in Bolivien(AP Photo/Juan Karita)

Besonders betroffen sind Entwicklungsländer

Heraus kam eine fast 500-jährige Geschichte von El Nino und La Nina. So nennt man die sich abwechselnden Warm- und Kaltphasen im tropischen Pazifik. Es handelt sich um die stärkste natürliche Klimaschwankung, die die Erde kennt. Joelle Gergis erklärt, dass sie für ihre Studie vor allem Baumring-Archive herangezogen hätte, aber auch Daten von Korallen, einen Eisbohrkern aus den Anden und historische Dürre-Aufzeichnungen aus Indien und China: "Nehmen wir zum Beispiel eine alte Baumart aus Neuseeland, von der es lange Datenreihen gibt. Immer dann, wenn es kalt und trocken war, produzierte sie weite Jahresringe in ihrem Holz. Das galt für alle El-Nino-Jahre." Wenn La Nina dagegen vorherrschte und Neuseeland wärmer und feuchter war, seien die Jahresringe schmaler ausgefallen. Mit dieser Hilfe hat die Forscherin versucht, Klimaereignisse zu rekonstruieren.

Erstaunliches Ergebnis

Das Ergebnis der mehrjährigen Fleißarbeit ist bemerkenswert. Es gab über 90 El Ninos und über 80 La Ninas seit dem Jahr 1525, und die Klimaarchive zeigen, dass sie sich die intensivsten unter ihnen zuletzt häuften, wie Gergis erläutert: "In meiner Studie habe ich die Klimaereignisse eingeteilt: in schwache, moderate, starke und extreme. Interessanterweise ergab sich dabei: 43 Prozent aller extremen El Ninos und La Ninas traten im 20. Jahrhundert auf." Rund 30 Prozent sind laut der Studie erst nach 1940 zu beobachten und wenn man nur auf El Nino schaue, sehe man, dass sogar 55 Prozent aller extremen Ereignisse in das 20. Jahrhundert fallen.

Demolierte Autos in zerstörten Appartmentanlagen

Das Wetterphänomen El Nino löste 1998 zahlreiche Naturkatstrophen aus

Wozu ein El-Nino-Ereignis führen kann, ist noch aus den Jahren 1998 und ’99 in Erinnerung. Damals spielte das Wetter auf der ganzen Südhalbkugel verrückt. Es kam zu extremen Dürren in Australien und Südafrika. Über Ostafrika und Südamerika gingen dagegen sintflutartige Regenfälle nieder. Weltweit starben 8000 Menschen, die Schäden beliefen sich auf um die 10 Milliarden Dollar.

Klimawandel oder natürliches Phänomen?

Werden sich solche extremen Ereignisse weiter häufen? Und steckt womöglich der Klimawandel dahinter - und damit der Mensch? Der Verdacht liegt nahe. Und die Studie der australischen Klimatologin scheint ihn zu erhärten. Doch Gergis selbst wiegelt ab: "Ich denke, es ist noch zu früh, um das zu sagen. Es gibt zwar einige Studien, die nahelegen, dass sich diese Klimaschwankung infolge der Erderwärmung stärker aufschaukeln könnte. Aber noch gibt es keinen Konsens darüber." So lange der nicht erzielt sei, könne niemand behaupten, es gebe da einen direkten Zusammenhang.

eine vollkommen ausgetrocknete Landschaft(AP Photo/Gaurav Tiwari)

El Nino und La Nina können lange Dürreperioden verursachen

So weit würde auch Rob Allan nicht gehen. Der Geowissenschaftler arbeitet und forscht im Klimazentrum des britischen Wetterdienstes in Exeter. Rob Allan hat schon diverse Studien über das El-Nino-Phänomen veröffentlicht. Er weiß, wie launisch die pazifische Klimaschaukel von Natur aus ist. Deshalb fällt es so schwer zu bestimmen, ob und wie stark das System durch den gegenwärtigen Klimawandel beeinflusst wird.

Mangelnde Forschung

Solche Befürchtungen, sagt der Brite, würden schon seit gut und gerne zehn Jahren geäußert: "Es gab seither keinen so großen Fortschritt, wie man ihn sich erhofft hatte. Wir wissen immer noch nicht genug über El Nino." Allan räumt zwar ein, dass der Klimawandel ein aussichtsreicher Kandidat sei, wenn es darum gehe, die aktuellen Veränderungen im System zu erklären. "Aber es gibt Phasen, da ist es einfach aktiver, und andere, da wird es schwächer. Das sind natürliche Schwankungen auf Zeitskalen von Jahren oder Jahrzehnten", so der Klimaforscher.

Drei Männer helfen einer Frau, einen über die Ufer getretenen Fluss zu überqueren (pixel)

Der bisher entstandene wirtschaftliche Schaden durch das Wetterphänomen ist kaum zu beziffern

Die neue Studie von Joelle Gergis unterstreicht das sogar noch einmal. Und zwar am Beispiel der La-Nina-Ereignisse, also der kühlen Extremphasen im tropischen Pazifik: "Auch La Nina kann schwerwiegende Folgen haben – zum Beispiel Überschwemmungen hier bei uns in Australien. Meine Analyse hat ergeben, dass es schon im 16. und 17. Jahrhundert eine sehr ausgeprägte La-Nina-Periode gab, ohne menschliches Zutun." Dementsprechend glaubt Joelle Gergis, dass es sein könne, dass auch El Nino zurzeit schlicht eine Phase erhöhter Aktivität durchläuft.

Die Wetterdämonen aus dem Pazifik bleiben also bis auf weiteres undurchschaubar – und auf jeden Fall gefährlich. Ganz gleich, ob der Treibhauseffekt nun eine Rolle spielt oder nicht: Sollte die Phase extremer El Ninos andauern, ist mit weiteren Wetterkatastrophen auf der Südhalbkugel zu rechnen. Wann, kann allerdings niemand genau sagen.

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