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Politik

Pazifik-Polizei im Einsatz

Im Schatten amerikanischer Interventionen versucht sich nun auch die australische Armee als Friedensbringer. Als Teil einer internationalen Eingreiftruppe will sie auf den Salomonen-Inseln einen blutigen Konflikt lösen.

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Kurs auf Honiara: australische Soldaten landen auf den Salomonen

Schon zum zweiten Mal gerät die Inselgruppe der Salomonen mit ihren knapp 500.000 Einwohnern in diesem Jahr in die Schlagzeilen. Bereits zum Jahreswechsel hatte der tropische Sturm "Zoe" auf den Inseln im Pazifik Verwüstungen angerichtet. Aufgrund maroder technischer Einrichtungen waren die Inseln eine Woche lang von der Außenwelt abgeschnitten, bis australische und neuseeländische Schiffe zur Hilfe eilten.

Ethnische Konflikte

So erinnerte sich die Welt an die Existenz eines Staates, der sich kaum noch Staatlichkeit bewahrt hat. Die Salomonen sind Teil des Commonwealth und unterstehen damit der englischen Krone, haben aber 1978 ihre politische Unabhängigkeit erhalten. Etwa 2000 Kilometer nordöstlich von Australien gelegen, werden auf den 992 Inseln Dutzende verschiedener einheimischer Sprachen gesprochen. Die meisten der Einwohner halten sich mit Landwirtschaft für den Eigenbedarf und zum Verkauf auf regionalen Märkten am Leben. Die Zugehörigkeit zu den einzelnen Inseln prägt den Umgang miteinander und birgt zugleich dauerhaftes Konfliktpontenzial.

Australische Soldaten landet auf Salomonen

Soldaten der Friedenstruppe auf dem Weg zum Einsatzort

Schon 1998 eskalierten die jahrzehntelangen Spannungen zwischen den Bewohnern der Hauptinsel Guadalcanal und den Zuwanderern der Nachbarinsel Malaita. Gewaltsame Kämpfe und Vertreibungen waren die Folge. Auch ein vor drei Jahren unterzeichnetes Friedensabkommen brachte nur wenig Abhilfe. Die Milizen behielten ihre Waffen und zettelten immer wieder Unruhen an.

Staat außer Kontrolle

Die Staatsgewalt auf den Salomonen liegt indes am Boden. Der Konflikt zwischen den Inseln Malaita und Guadalcanal, von denen jeweils fünf Minister der demokratisch gewählten Koalitionsregierung stammen, überschattet die Regierungsarbeit. Die Staatsgeschäfte sind außer Kontrolle geraten, eine Hoheitsgewalt gibt es faktisch nicht mehr.

Nicht nur die Hauptstadt Honiara, auch ganze Landstriche sind unter der Kontrolle bewaffneter Milizen. Manche kämpfen für die Unabhängigkeit von Guadalcanal, andere verfolgen weniger ideologische Ziele. Sie bestreiten mit Erpressungen und Überfällen ihren Lebensunterhalt oder gehören zu internationalen Banden von Drogenhändlern und Geldwäschern. Ihren Höhepunkt erreichten die grausamen Ereignisse, als kürzlich ein australischer Missionar am helllichten Tag geköpft wurde. Der Ministerpräsident Sir Allan Kemakeza ist längst aus der Hauptstadt geflüchtet und verlässt sich auf die Schlagkraft der Eingreiftruppen.

2300 Soldaten sollen Frieden bringen

Die Bewohner der Salomonen haben seine Sehnsucht offenbar geteilt. Hunderte Schaulustige beobachteten am Donnerstag (24.7.2003) die Ankunft der Soldaten und Polizisten, die aus Australien und Neuseeland, aber auch aus Papua-Neuguinea, Samoa und von den Fidschi-Inseln stammen. 2300 Soldaten sollen im Rahmen der größten Militäraktion in der Region seit dem zweiten Weltkrieg Frieden bringen und einen Neuaufbau des Staates ermöglichen.

Australische Soldaten Henderson Flugfagen Salomonen

Recht und Ordnung im Blick: australische Soldaten bei der Ankunft in Honiara

In Australien selbst ist der Einsatz umstritten. "Das beste, was wir tun können, ist einzugreifen", verteidigte der australische Regierungschef John Howard seine Entscheidung. Bisher hatte sich Australien bewusst nicht in die Angelegenheiten seiner Nachbarn eingemischt. Jetzt scheint sich das Land in Anlehnung an die US-amerikanische Außenpolitik als Polizist im Pazifik hervortun zu wollen. Für Howard steht dabei das Interesse seines Landes im Vordergrund: "Wenn ein Staat vor unserer Haustür versagt, gefährdet das unsere eigene Sicherheit".