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Sport

Pawel Janas: Das Pech hat uns verlassen

Polen gilt als der schwerste Vorrundengegner der deutschen Nationalmannschaft. Und wie sieht man das in Polen? Ein Interview mit Nationaltrainer Pawel Janas.

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Der polnische Nationaltrainer Pawal Janas

DW-WORLD.DE, Herr Janas, 1974, als die WM ebenfalls in Deutschland ausgetragen wurde, schaffte Polen mit dem dritten Platz das bis dato beste Ergebnis in der Geschichte des polnischen Fußballs - ist eine Wiederholung realistisch?

Pawel Janas: Zunächst muss ich ergänzen, dass Polen bei der WM 1982 in Spanien auch den dritten Platz errungen hat. Ich persönlich habe dabei alle Spielen durchgespielt. Es zeugt glaube ich davon, dass die polnische Mannschaft die Möglichkeit hat, sehr gute Leistungen zu erzielen.

Nur England konnte Ihr Team in der Qualifikation nicht schlagen, die restlichen Spiele wurden allesamt gewonnen - ein Warnsignal an die drei Vorrundengegner Deutschland, Ecuador und Costa Rica?

PAWEL JANAS

Meine Mannschaft hat bei jedem Spiel nur eins im Kopf: zu gewinnen. Schlüsse sollten daraus eher die Trainer unserer Gegner ziehen.

Spielt es sich nicht leichter, wenn man unterschätzt wird?

Zwischen zwei Sachen müsste man hier unterscheiden. Wir sind kein Favorit bei dieser WM, aber die polnischen Fans setzten immer große Hoffnungen auf die polnische Elf, das heißt, wir sind gewissermaßen gewöhnt, unter Druck zu spielen.

Woher kommt die Stärke und das wieder gefundene Selbstbewusstsein . Was macht Ihre Mannschaft so stark?

Für die Leute, die die Geschichte des polnischen Fußballs kennen, ist klar, dass unsere Nationalelf in den letzten Jahren gar nicht so schlechte Ergebnisse hatte. Wir durften auch an der vorigen Weltmeisterschaft teilnehmen, aus der Qualifikation für die EM in Portugal schieden wir nur unglücklich aus. Der Grund, dass wir unsere Leistungen immer wieder verbessern, ist eher nicht, der Zufluss neuer Kräfte. Sondern ich würde scherzhaft sagen: Das Pech hat uns endlich verlassen!

Hat das Land Ihrer guten Trainingsarbeit den Aufschwung der Nationalmannschaft zu verdanken, oder woran liegt es? Das wiedergekehrte Glück? Gute Nachwuchsarbeit?

Die Frage umfasst einen weiten Bereich. Um mich kurz zu halten, will ich vor allem betonen, dass sowohl die Trainingarbeit der Vereinstrainer in Polen und im Ausland, als auch die Nachwuchsarbeit zweifellos zu den Erfolgen der polnischen Nationalmannschaft beigetragen haben.

Speziell in der Offensive ist Polen derzeit stark. Maciej Zurawski und Tomas Frankowski haben zusammen 14 Treffer in der Qualifikation erzielt. Haben diese Beiden das Zeug, zu den Großen der WM zu zählen?

Ich glaube ja. Aber man muss betonen, dass keiner der Spieler bisher bei einer Weltmeisterschaft dabei war.

Wie weit kommt das polnische Team?

Die nächste Frage bitte.

Wie stark schätzen Sie die deutsche Mannschaft ein?

Die deutsche Mannschaft ist sehr ausgeglichen. Deutschland ist einer der Kandidaten für den Titel. Ich würde mir wünschen, dass unsere Mannschaften sich bei diesem Turnier zwei Mal treffen.

Verfolgen Sie den deutschen Fußball?

Ich und meine Mitarbeiter haben immer den deutschen Fußball aufmerksam verfolgt, schon wegen der polnischen Spieler in der Bundesliga.

Was meinen Sie, wird Deutschland als Turnier-Ausrichter der WM-Gastgeberrolle in Punkto Offenheit, Toleranz und Freundlichkeit gerecht?

Die Deutschen gelten weltweit als Meister der Organisation. Und die deutsch-polnischen Beziehungen sind seit vielen Jahren schon wirklich freundschaftlich - und dieses Wort benutze ich bewusst. Außerdem spielt Deutschland eine bedeutende Rolle in Europa, es ist Stamm-Land der EU. Somit hoffe ich, Ihre Frage beantwortet zu haben.

Ihre Tipps für die polnischen Spieler?

Gute Stimmung im Team, großes Engagement der Mitspieler am ständigen Verbessern ihrer technischen Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft bei den Spielen sowie Neigung zur Improvisation und Fantasie.

Und wer wird Weltmeister?

Mein Favorit ist Brasilien, aber Deutschlands Chancen etwas zu holen sind auch nicht so schlecht.

Paweł Janas, 53, spielte in seiner aktiven Laufbahn als Innenverteidiger bei Widzew Łódż, Legia Warschau und AJ Auxerre. In Frankreich wurde er 1986 zum besten ausländischen Spieler der französischen Liga gewählt. 1982 ereichte er mit der polnischen Nationalmannschaft (54 Einsätze) den dritten Platz bei der WM in Spanien.

1993 übernahm er Legia Warschau als Cheftrainer und wurde 1994 und 1995 zweimal polnischer Meister. Sein größter internationaler Erfolg war das Erreichen des Viertelfinales der UEFA Champions League 1995/1996 mit Legia. Im Dezember 2002 löste er überraschend Zbigniew Boniek als Nationaltrainer ab, konnte sich jedoch nicht für die Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal qualifizieren.