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Digitales Leben

Paul Taylor: Es wird schwierig, sich über Macron lustig zu machen

In seiner Youtube-Serie "What the Fuck France" nimmt der britische Comedian französische Eigenarten aufs Korn. Im DW-Interview spricht der Wahlfranzose über die Präsidentschaftswahlen und Humor in der Politik.

DW: Emmanuel Macron ist als Frankreichs neuer Präsident vereidigt. Sein Vorgänger François Hollande war während seiner Amtszeit immer wieder Zielscheibe spöttischer Kommentare. Glauben Sie, dass es Emmanuel Macron ähnlich ergehen wird?

Paul Taylor: Ich habe letztens eine Dokumentation über Macron gesehen. Er wirkt wie ein ganz normaler Typ mit gutem Humor, was mich ein wenig an Barack Obama erinnert hat. Ich denke nicht, dass er soviel Comedy-Potential hat wie François Hollande. Es wird also schwieriger, sich über den neuen Präsidenten lustig zu machen.

Haben Sie den Präsidentschaftswahlkampf intensiv verfolgt?

Ehrlich gesagt habe ich den Wahlkampf erst zum Ende hin verfolgt. Ich bin generell kein allzu politischer Mensch. Ich finde Politik nicht sonderlich interessant, und außerdem habe ich in vielen verschiedenen Ländern gelebt, weshalb ich nie die Zeit hatte, mich in das Thema zu vertiefen. Die Franzosen sind nun froh, dass der Wahlkampf vorbei ist, weil in den vergangenen sechs Monaten über nichts anderes mehr gesprochen wurde.

Wenn sie den britischen und den französischen Wahlkampf vergleichen, gab es für Sie irgendwelche Überraschungen?

Ich weiß nicht, ob mich irgendetwas sonderlich überrascht hat. Ich war schon während der letzten Wahl 2012 in Frankreich, habe sie aber überhaupt nicht verfolgt. Dieses Mal habe ich ein wenig genauer hingeguckt. Ich hatte das Gefühl, dass dieses Mal viel mehr passiert ist. Die größte Überraschung war sicherlich, dass die beiden großen Parteien nicht in den zweiten Wahlgang gekommen sind. Niemand hatte anfangs geahnt, dass sich am Ende Macron und Le Pen gegenüberstehen würden.

Vor einigen Wochen haben Sie ein Video veröffentlicht, in dem Sie sich über französische Politik lustig machen. Was amüsiert Sie an der politischen Debatte in Frankreich?

Ich finde es witzig, weil das alles ein bisschen absurd ist. Deshalb verfolge ich Wahlkämpfe auch nicht. Wir machen diese komische Sache alle vier oder fünf Jahre mit. Allein die Tatsache, dass Menschen das immer wieder verfolgen, ist amüsant. Es wird viel gelogen, Versprechen werden gemacht, die nicht gehalten werden. Jedes Mal tun alle überrascht nach dem Motto: "Oh, wir haben diesen Typ gewählt, er hat dies und jenes gesagt, aber seine Versprechen nie eingehalten." Aber das läuft doch immer so. Ich finde es lustig, dass die Leute immer noch überrascht sind. Und natürlich gibt es auch immer wieder Skandale rund um den Wahlkampf, wie dieses Mal bei François Fillon.

Apropos Skandale: Der Fall François Fillon hat wieder gezeigt, dass man als Politiker in Frankreich trotz aller Skandale seinen Wahlkampf fortführen kann. Sind Skandale wie dieser eine gute Vorlage für Comedians?

Diese Skandale bieten eine Menge Material für Leute, die politische Comedy machen. Die müssen nicht einmal Witze schreiben. Es ist wieder eine dieser Geschichten, in denen ein Typ sagt: "Also wenn man gegen mich ermittelt, ziehe ich mich aus dem Wahlkampf zurück." Und dann passiert es - und er tritt natürlich nicht zurück. Das alleine ist schon witzig.

Es scheint so, als sei politischer Humor in Frankreich weiter verbreitet als in Großbritannien. Empfinden sie das auch so?

Das stimmt. Ich denke, der Unterschied ist, dass es in Großbritannien auch andere Arten von Humor gibt. Stand-Up-Comedy ist ein riesiges Ding in Großbritannien. Es ist wohl auch die Art von Humor, die die Menschen dort am meisten anspricht, egal ob in Shows, im Fernsehen oder sonst wo. Als ich nach Frankreich kam, realisierte ich schnell, dass die Comedy-Landschaft hier sehr viel politischer ist. Ob in Fernsehformaten wie "Canteloup", das auf TF1 nach den Nachrichten läuft, oder in Sketchen. Es hat mich damals erstaunt, wie häufig die Franzosen sich über Politik lustig machen. Wenn man allerdings weiß, wie gerne die Menschen in Frankreich über Politik reden, überrascht diese Tatsache nicht.

Ihre Videos werden auf Youtube millionenfach geklickt. Sind die Franzosen besonders empfänglich für Ihre Witze und mögen sie es vielleicht sogar, kritisiert zu werden?

Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, waren es 23 Millionen Klicks - eine wahnsinnige Zahl. Die Franzosen sind sehr empfänglich, 80 Prozent unserer Zuschauer sind aus Frankreich. Ich denke, ich bewege mich auf einem schmalen Grat. Einerseits mache ich mich über Frankreich lustig, andererseits wissen die Leute ja, dass ich hier lebe, gutes Französisch spreche und eigentlich einer von ihnen bin. Es wäre sicherlich anders, wenn ein Brite, der hier erst seit sechs Monaten lebt, dasselbe machen würde. Dann würden die Menschen hier sagen: "Okay, wenn du hier nicht glücklich bist, geh doch zurück nach England." 

Hatten Sie nie die Befürchtung, dass die Franzosen Ihre Witze falsch verstehen könnten?

Der Gedanke beschäftigt mich ab und zu. Wir schmeißen mit Witzen um uns, und letztendlich mache ich Notizen und schreibe eine Show daraus. Während des Brainstormings kommen natürlich auch Witze auf, die wir dann nicht in die Videos aufnehmen, weil sie zu kontrovers sind. Die Witze, die es in die Videos schaffen, sind meistens nicht allzu anstößig.

Paul Taylor wurde in England geboren, wuchs in Frankreich, Spanien, der Schweiz und Großbritannien auf und lebt seit acht Jahren in Paris. Seine Videos sind auf seinem Youtube-Kanal zu sehen. Außerdem ist Taylor in Frankreich mit seinem zweisprachigen Stand-Up-Comedy-Programm "Franglais" auf Tour.

Das Gespräch führte Fabien Jannic-Cherbonnel.