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Super Bowl

Patriots gewinnen Krimi-Super-Bowl

Ein historischer Abend in Houston: Erst in der Verlängerung entscheidet sich das Milliarden-Match - und wie. Die New England Patriots mit Tom Brady überrennen die Atlanta Falcons. Dabei lagen die bereits klar vorne.

Es gab diesen einen Moment, den man im Nachhinein vielleicht als Wendepunkt dieses Super Bowls bezeichnen kann. Wir schreiben das dritte Viertel und die New England Patriots liegen immer noch abgeschlagen zurück. Die Atlanta Falcons spielen souverän und vor allem in der Defense kaum überwindbar. Doch dann gelingt dem bis dahin wie neben sich stehenden Star-Quaterback Tom Brady ein guter Pass, endlich möchte man sagen, nach so vielen Fahrkarten. Der bis dahin viermalige Super-Bowl-Sieger hämmert sich gegen den Helm und schreit seine Mitspieler an. Es ist eine kurze aber wirkungsvolle Predigt des Granden dieses Sports. Denn ab jetzt ändert sich etwas im Spiel der Patriots - sie glauben wieder an sich. Stück für Stück arbeiten sie sich in die Partie, die schon verloren aussah. Und mit viel Durchsetzungskraft und Bradys Pässen holen sie auf: zunächst auf 20:28. Dann sind noch rund sechs Minuten zu spielen und den Patriots gelingt tatsächlich noch der Ausgleich - zum ersten Mal in der Geschichte des Super Bowl geht es in die Verlängerung.

Und dort haben die Favoriten aus New England auch noch das Losglück: Die Münze entscheidet zu ihren Gunsten - Ballbesitz. Auf einmal wirft und spielt Brady wie entfesselt. Seine Pässe kommen nun präzise und bringen Meter um Meter Raumgewinn. Der Quaterback setzt damit ein klares Zeichen: Die Patriots wollen die Partie per Touchdown beenden. Und der gelingt: Mit einem fulminanten Laufspiel setzt sich Runningback James White gegen drei Gegenspieler durch und macht die Patriots mit dem 34:28 zu Sieger des 51. Super Bowl.

Der Vergleich zur US-Wahl hinkt

Houston NFL Super Bowl New England Patriots vs Atlanta Falcons Robert Alford touchdown (USA Today Sports/Kevin Jairaj)

Lange sah es nach einem souveränen Start-Ziel-Sieg der Falcons aus. Doch dann dreht Brady auf...

Es ist eines der denkwürdigen Comebacks in der Sportgeschichte. Und wer weiß, welche Bedeutung der Super Bowl in der amerikanischen Gesellschaft hat, den wird auch nicht gewundert haben, dass prompt Vergleiche zu einer politischen Entscheidung der jüngeren Vergangenheit gezogen wurden: Ein klarer Sieger, ein offensichtlicher Verlauf, die Siegchancen über 90 Prozent - und dann kommt alles ganz, ganz anders: Sehr viele fühlten sich vom Verlauf des diesjährigen Super Bowls an die Nacht der US-Präsidentenwahl erinnert. Hillary Clinton war im November von fast allen als die klare Siegerin angesehen worden - im Lauf der Realität der Nacht aber schmolz ihr zuvor so klarer Vorsprung in den Umfragen rasant dahin, und Donald Trump gewann. Doch der Vergleich hinkt beim näheren Hinsehen. Denn im Vorfeld waren die Patriots der klare Favorit dieser mit Spannung erwarteten Partie.

Die Final-Nacht von Houston sah zunächst scheinbar uneinholbar die Atlanta Falcons in Front. Das Außenseiterteam leistete sich keine Fehler, ganz im Gegenteil zu den New England Patriots. Allen voran Quaterback Brady wirkte verunsichert, weil von den Falcons arg bedrängt und aus dem Konzept gebracht. Lange fanden die Patriots kein Rezept gegen diese rote Bollwerk von Atlanta. Doch dann startete Quarterback Tom Brady eine beispiellose Aufholjagd und krempelte das Spiel im vierten Abschnitt völlig um.

"Die Jungs haben nie aufgegeben" 

"Es ist unglaublich. Wir haben eine großartige Truppe. Es gibt heute eine große Feier", freute sich ein sichtlich gerührter Brady, der wegen seiner angeblichen Verwicklung in die Deflategate-Affäre (nicht regelkonform aufgepumpte Spielgeräte) in den ersten vier Saisonspielen gesperrt war. Die Gratulation von NFL-Boss Roger Goodell nahm der Spielmacher entsprechend kühl entgegen. Patriots-Coach Bill Belichik lobte die Moral seiner Mannschaft in gewohnt knapper Wortwahl: "Die Jungs haben nie aufgegeben." 

Das haben sie in der Tat nicht. Vor den 70.807 Zuschauern im NRG Stadium wurde das Spiel anfangs von den Defensivreihen beherrscht. Brady und Ryan kassierten frühzeitig Sacks, also heftige Treffer, die sie zu Boden warfen. Der Endzone kamen beide nicht nahe. Erst zu Beginn des zweiten Viertels gab es die ersten Punkte, Devonta Freeman gelang nach einem kurzen Lauf ein Touchdown für die Falcons. Doch erst in der Endphase entwickelte sich das Spiel zu einem Klassiker in der Super-Bowl-Geschichte. Und auch der US-Präsident hatte daran wohl nicht mehr geglaubt: Donald Trump hatte dem Vernehmen nach schon um kurz vor 21.00 Uhr Ortszeit die Übertragung des Spiels in seinem Golfclub in Florida verlassen - offensichtlich lustlos, dem sich anbahnenden Untergang seiner Patriots weiter zuzusehen. Als die dann doch gewannen, musste man auf den obligatorischen Trump-Tweet nicht lange warten: "Tom Brady, Bob Kraft und Coach B sind totale Gewinner. Wow!."

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