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Kultur

Patientin mit neuem Gesicht tritt vor die Öffentlichkeit

Die Französin, der erstmals in der Medizingeschichte ein Teil eines fremden Gesichts verpflanzt wurde, hat sich erstmals vor den Medien gezeigt. Die schwierige Operation hat sie gut überstanden.

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Isabelle Dinoire

Mit dem Anflug eines Lächelns hat sich am Montag (6.2.2006) die erste Frau mit einer Gesichtstransplantation der Öffentlichkeit gestellt. "Meine Operation kann anderen Menschen helfen, wieder zu leben", erklärte die Französin Isabelle Dinoire. Die 38-Jährige trat am Mittag in der Universitätsklinik im nordfranzösischen Amiens zusammen mit den behandelnden Ärzten an die Öffentlichkeit. Sichtbar beeindruckt angesichts des Empfangs durch Medienvertreter aus der ganzen Welt, las sie ein Statement vor. Sie dankte ihren Ärzten und Psychologen und versicherte: "Seit der Operation habe ich ein Gesicht wie alle anderen." Sie wolle jetzt "wieder ein normales Leben aufnehmen".

Auf dem Weg der Besserung

Dinoire sprach mühsam, weil sie ihren Mund noch nicht schließen kann. Sie wirkte anfangs etwas verunsichert, sprach dann aber mit fester, wenn auch schwer verständlicher Stimme. Die Frau aus der Stadt Valenciennes nahe der belgischen Grenze hatte im vergangenen Mai durch einen Biss ihres Hundes beide Lippen, ihre Nase und das Kinn verloren. Seither konnte sie weder sprechen noch richtig essen. Bei der Operation am 27. November erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. Sie kann bereits wieder essen, aber ihre Unterlippe noch nicht beherrschen.

Schwierige Operation

Der Chirurg Bernard Devauchelle verteidigte die Operation gegen Kritiker. Er zeigte ein Foto der Patientin vor der Operation, das ihr Gesicht ohne Lippen und Nase mit offen liegenden Zähnen zeigt. "Wir waren gleich von der Notwendigkeit des Eingriffs überzeugt", sagte er. Dann beschrieb der Chirurg die Operation, die Rekonstruktion des Gesichts des Spenders und die stundenlange Übertragung der Nerven, Muskeln und Gefäße. "Das war kein Vergnügen für die Patientin, sagte Devauchelle.

Trotz einer zwischenzeitlich eingetretenen Abwehrreaktion nahm ihr Körper das fremde Gewebe den Ärzten zufolge gut an. Devauchelle sagte Ende Januar, sie könne immer besser sprechen und inzwischen normal essen und trinken. Sie stricke ohne Unterlass und halte sich auf einem Heimtrainer fit, habe aber auch bereits wieder angefangen zu rauchen. (stu)

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