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Kunst

Passt in keine Schublade: Rosemarie Trockel

Rosemarie Trockel gehört neben Richter und Baselitz seit Jahren zu den bekanntesten deutschen Künstlern weltweit. Sie machte schon Schweine und Herdplatten zu Kunstobjekten und sprengte sogar ein Haus in die Luft.

Ihre gestrickten "Wollbilder" haben Rosemarie Trockel in den achtziger Jahren berühmt gemacht. Doch wer glaubt, die Künstlerin, die nun 65 Jahre alt geworden ist, habe damals eigenhändig mit Stricknadeln und Wolle ihr Hobby zur Kunst gemacht, der irrt sich. Ihre Kunstwerke ließ sie maschinell stricken, die Vorlagen erarbeitete Trockel am Computer und hat so schon früh deutlich gemacht, was sie von überkommenen Rollenbildern hält.

Ein Mann betrachtet drei Bilder mit verschiedenen Karomustern (picture-alliance/dpa/F. Gambarini)

2005 auf der Kunstmesse Art Cologne: "Gestrickte Bilder" von Rosemarie Trockel

Zu ihren bekannten Werken gehören auch die immer wiederkehrenden Herdplatten-Objekte. Auf bunten Leinwänden sind runde grauschwarze Elektrokochplatten wie minimalistische schwarze Kreise platziert. Das Ganze ist nicht nur eine Anspielung auf die vermeintliche Rolle der Frau am Herd, sondern auch eine ironische Hommage an die Rasterpunkte, mit denen viele Künstler der sogenannten "Pop Art" arbeiteten. Mittlerweile sind die Herdplatten in der Neuzeit angekommen. Sie erinnern optisch an ein Induktionskochfeld. Rosemarie Trockel geht kritisch und augenzwinkernd mit der Zeit.

Die Wollbilder machten sie auch in den USA berühmt

Eine Frau betrachtet eine große dunkle Leinwand mit 15 weißen Kreisen (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Wie die Platten eines Induktionherdes wirken die Kreise auf diesem Kunstwerk ohne Titel

Am 13. November 1952 in Schwerte geboren, wuchs Rosemarie Trockel im ländlichen Leverkusen-Opladen auf. Im Museum Morsbroich in Leverkusen ist sie mit ihren Werken noch heute oft zu Gast. Schon früh interessierte sich Trockel für Film und Malerei, doch zunächst schrieb sie sich an der Pädagogischen Hochschule für die Fächer Anthropologie, Soziologie, Theologie und Mathematik ein. Letztlich siegte die Leidenschaft für die Kunst, und sie studierte Malerei an der Kölner Werkschule. Seit 1998 ist Trockel Professorin an der Kunstakademie in Düsseldorf.

Reisen in die USA brachten Rosemarie Trockel mit Künstlerinnen wie Jenny Holzer und Cindy Sherman zusammen. Bereits Ende der achtziger Jahre wurden ihre Werke im Museum of Modern Art in New York ausgestellt, später dann in Chicago und in Boston. Als erste Frau nahm sie 1999 im deutschen Pavillon an der Biennale von Venedig teil. Zuvor hatte sie 1997 zusammen mit dem Künstlerkollegen Carsten Höller auf der Documenta mit ihrem "Haus für Menschen und Schweine" für Aufmerksamkeit gesorgt. In einem Haus brachten sie eine lebende, artgerecht gehaltene Schweinefamilie unter. Dieses Projekt sollte im übertragenen Sinne das "Schwein" im Menschen zeigen. Dabei ging es längst nicht mehr um die Rolle der Frau, sondern um gesellschaftliche Fragen und um Fragen der Identität.

Fotografen machen Bilder von Schweinen im Stall für Schweine und Menschen auf der Documetna von Rosemarie Trockel (picture-alliance/dpa/Z. Uwe)

Ein Haus für Schweine und Menschen auf der Documenta 1997

Rosemarie Trockel meidet die Öffentlichkeit

Obwohl Trockel weltweit zu den bekanntesten Künstlern aus Deutschland zählt, dringt von ihr selbst kaum etwas an die Öffentlichkeit. Eine Homepage betreibt sie nicht und auch Interviews lehnt sie immer wieder ab. Dennoch bezieht Trockel nicht nur durch ihre Werke politisch und gesellschaftlich Stellung. Nach der Silvesternacht 2015 unterzeichnete sie einen Aufruf von Künstlern und Musikern aus Köln gegen sexuelle Gewalt und fremdenfeindliche Hetze. 

Große Puppe, schwarz gekleidet, balanziert Korb auf dem Kopf. Rosemarie Trockel (Rosemarie Trockel, Bildrecht Wien 2015 und Kunsthaus Bregenz/M. Tretter)

Lebensgroße Puppe mit schusssicherer Weste in der Werkschau in Bregenz

Ihre letzte große Werkschau war 2015 in Bregenz zu sehen unter dem Titel "Märzôschnee ûnd Wiebôrweh sand am Môargô niana më". Frei übersetzt: Die Schmerzen der Frauen sind wie der Märzschnee am nächsten Morgen verschwunden. Es ist eine alte Bregenzer Redensart, mit der man sich über das Leid von Frauen lustig macht. Rosemarie Trockel wählte selbst den Titel für diese Schau.

Besondere Aufmerksamkeit erregte in Bregenz ihre lebensgroße aufrechte Puppe mit Lockenwicklern, die teilweise mit dem schwarzen Leinenstoff Bregenzer Trachten bekleidet war. Dabei trug sie eine schusssichere Weste, auf dem Rücken Trophäen wie Gamsbärte und Hühnerfüße. Stärke und Verletzlichkeit in einer Person. Ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelte, das ließ Rosemarie Trockel bewusst offen.

Das Spiel mit der Erwartung des Betrachters

Trockel entwickelt immer wieder neue Ideen, seien es Bilder, Plastiken oder Installationen. Dabei überrascht sie das Publikum mit Fantasie, Humor und mit Gegensätzen: Sie modelliert Busen aus harter Keramik. Eine stabil wirkende Kiste dagegen besteht aus Schaumstoff. Weiches wird hart, Hartes wird weich. Das erinnert an den schwedischen Pop Art Künstler Claes Oldenburg.

Auch mit Fäden gestaltet Rosemarie Trockel weiterhin, nur anders als früher. So spannt sie bunte Acrylfäden über Leinwände, die aus der Ferne optisch zu Streifen und Flächen werden. Sozusagen malen mit Wolle. 2015 kündigte Rosemarie Trockel an, ihre große Schau in Bregenz sei für sieben Jahre die letzte gewesen.

Wer eins ihrer jüngsten Werke sehen will, der sollte dem Künstlerverein "Malkasten" in Düsseldorf einen Besuch abstatten, denn dort hat Rosemarie Trockel den gesamten Innenraum gestaltet, unter anderem mit einem 400 Quadratmeter großen, bunten Teppich.

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