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Kunst

Parzinger: "Das Pergamonmuseum wird großartig"

Die Kosten für die Sanierung des Pergamonmuseums sind in die Höhe geschnellt. Und es wird noch Jahre dauern, bis das Museum wieder eröffnet. Doch das Warten lohnt sich, versichert Hermann Parzinger im DW-Interview.

Hermann Parzinger ist ein mehrfach ausgezeichneter Archäologe und seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zur Stiftung gehören zahlreiche Bibliotheken, Archive, Forschungseinrichtungen und Museen, darunter auch das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel, das aktuell saniert wird.

DW: Herr Professor Parzinger, Teile des Pergamon-Komplexes sollen in ein privates Übergangsquartier umziehen. Wie haben Sie dafür so schnell einen privaten Investor gefunden?

Hermann Parzinger: Es geht darum, dass ein privates Unternehmen für uns diesen Bau errichtet, finanziert und sich dann über einen Teil der Eintrittsgelder refinanziert. Aber es ist ein Gebäude der Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wir betreiben es auch. Wir arbeiten an dieser Lösung schon lange, denn auch ohne die Bauzeitveränderung, von der wir seit einigen Wochen wissen, ist klar, dass der Altar für einige Jahre nicht zu sehen ist.

Wir wollen unbedingt ein attraktives Angebot schaffen für die Berlin-Besucher, aber auch für die Berliner. Wir freuen uns, dass der temporäre Ausstellungsbau jetzt kommen wird. Es wird ein Gebäude an der Bahnlinie gegenüber der Museumsinsel sein, das ohne einen Cent aus öffentlichen Mitteln errichtet wird.

Pergamon-Altar (picture-alliance/D. Kalker)

Weltberühmt: Pergamonaltar im Berliner Pergamonmuseum

Was genau wird in dem Interimsbau zu sehen sein?

Dort wird der so genannte kleine Fries des Pergamonaltars im Original zu sehen sein, auch einige Abgüsse des großen Gigantenfrieses. Es wird das Pergamon-Panorama von Yadegar Asisi geben, was ja vor einigen Jahren so erfolgreich war, als es im Ehrenhof stand. Man wird eine 3D-Visualisierung des Pergamonaltars erleben können, also ein wunderbares Angebot an unsere Besucher.

Sie haben die beinahe Verdoppelung der Kosten und die Bauverzögerung scharf kritisiert. Hat Sie das wirklich überrascht?

Ja, das hat uns überrascht. Die Kosten haben sich doch erheblich erhöht in den letzten Monaten. Ich habe an das Bundesamt für Raumordnung und Raumwesen (BBR) appelliert, gemeinsam zu überlegen, wie man das Controlling auf der Baustelle, das ja in der Hand des BBR liegt, verbessert: Wie kann man auch bei einer so komplexen Baustelle mit so schwierigem Baugrund die Voruntersuchungen und auch das Management der Bauorganisation optimieren, um in der Zukunft solche Entwichlungen zu vermeiden? Man kann nie ganz präzise vorhersehen, was einen im Baugrund erwartet. Nicht jeder Quadratmeter kann vor den eigentlichen Bauarbeiten genauestens untersucht werden, zumal auch solche Probebohrungen Geld kosten. Aber wir müssen gemeinsam überlegen, ob es da noch Stellschrauben gibt, damit es in Zukunft besser läuft.

Warum wusste niemand von den ehemaligen Pumpenbauwerken im Baugrund?

Die waren offenbar in der historischen Baudokumentation nicht verzeichnet und sind erst in großer Tiefe zum Vorschein gekommen. Man nahm fälschlicherweise an, dass sie während der Entstehung des Hauses entfernt worden seien.

Rechnen Sie mit weiteren negativen Überraschungen?

Das möchte ich nicht hoffen. Aber es sind nicht nur die Überraschungen im Baugrund gewesen und schlechte Leistungen von Firmen. Wir müssen uns klar machen: Bei den Mehrkosten gehen nahezu 60 Millionen allein auf Baupreissteigerungen zurück. Die Zahl, mit der bisher operiert wurde, stammt aus dem Jahr 2007. Wir haben 2013 erst mit den Bauarbeiten begonnen und sind mittlerweile fast in 2017, das heißt, fast zehn Jahre später. Je länger Bauprojekte laufen und je älter die genehmigten und kommunizierten Zahlen sind, desto größer sind die Steigerungen, die gar nicht zu vermeiden sind. Darüber hinaus sind jetzt 45 Millionen Risikovorsorge eingepreist. Das hat man vorher nicht getan.

Baustelle Berliner Schloss Humboldtforum Berlin Deutschland (picture-alliance/dpa/G.Fischer)

Die zweite Kultur-Großbaustelle: Das Berliner Humboldtforum

Berlins Kultur hat momentan viele Baustellen. Stichwort: Humboldtforum. Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht das Pergamonmuseum für die deutsche Hauptstadt?

Das Pergamonmuseum gehört zu den am besten besuchten Museen Berlins und von ganz Deutschland. Wir hatten damals, als es noch komplett offen war, 1,4 Millionen Besucher im Jahr. Das ist ein Rekord. Es ist das Prunkstück und  das größte Museum in der Mitte des Weltkulturerbes Museumsinsel und letztlich auch für die Funktionalität der gesamten Insel enorm wichtig. Es wird künftig über die Archäologische Promenade mit dem Neuen Museum, mit der James-Simon-Galerie und dem Bode-Museum verbunden sein. Und es bietet auf der Hauptebene, wenn dann auch der vierte Flügel am Kupfergraben errichtet sein wird, einen einzigartigen Rundgang durch die Architekturgeschichte der Antike - von Alt-Ägypten, Vorderasien, über die griechisch-römische Welt bis zum Islam. Das wird schon ein großartiges Erlebnis, wenn es eines Tages fertig ist.

Das Gespräch führte Stefan Dege. 

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