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Wirtschaft

Partylaune statt Weltuntergangsstimmung an den Börsen

Zu Tode betrübt, himmelhoch jauchzend: Die Börsen fallen derzeit von einem Extrem ins nächste. Der Dow-Jones-Index hat den größten Tagesgewinn aller Zeiten verzeichnet. Und auch beim Dax geht der Freudentaumel weiter.

Aktienhändler an der Börse in New York (Quelle: AP)

Glückliche Händler an der Wall Street

Die US-Börsen haben am Montag (13.10.) mit Rekordgewinnen auf die staatlichen Rettungspläne in Europa und den USA reagiert. So verbuchte der Dow-Jones-Index der Standardwerte den höchsten Punktzuwachs seiner Geschichte: Er kletterte um 936,42 Punkte auf 9.387,61 Zähler. Der bisherige Rekord wurde im März 2000 mit 499,19 Punkten aufgestellt.

Auch der marktbreite S&P-500-Index verzeichnete mit einem Plus die höchsten Punktzuwächse ihrer Geschichte. Die Technologiewerte an der Computerbörse Nasdaq gewannen mit 12,6 Prozent so viel wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Bankenkonsolidierung schreitet voran

Dabei nutzten offenbar nicht nur private und professionelle Investoren, sondern auch ganze Unternehmen die niedrigen Kurse zur Schnäppchenjagd. Die spanische Bank Santander will das angeschlagene US-Institut Sovereign Bancorp für 1,9 Milliarden Dollar zu übernehmen. Der Banco Santander war bisher schon mit 25 Prozent an Sovereign beteiligt.

Mit dieser Übernahme schreitet die Konsolidierung der Branche weiter voran. Diese ist im Moment in vollem Gange. So sprangen am Montag die Aktien von Morgan Stanley sprangen um rund 87 Prozent in die Höhe, nachdem die japanische Großbank Mitsubishi UFJ (MUFG) Anteile im Wert neun Milliarden Dollar gekauft hatte.

USA nehmen sich an Europa ein Beispiel

Doch auch andere Finanztitel verzeichneten extreme Kursgewinne. Die von zahlreichen Regierungen und Notenbanken beschlossenen Hilfsmaßnahmen würden das gegenseitige Vertrauen im Bankensektor wieder herstellen, erklärten Händler die Kursexplosion bei den Bankaktien.

So will sich die US-Regierung an den neun größten Banken des Landes beteiligen, um diese vor dem drohenden Zusammenbruch zu bewahren. Nach einer Krisensitzung mit führenden Managern der Branche beschloss das Finanzministerium in Washington eine entsprechende Neufassung des 700-Milliarden-Rettungspakets. Zudem soll die staatliche Einlagensicherung FDIC den Kreisen zufolge über drei Jahre bestimmte Verbindlichkeiten der Finanzinstitute garantieren, um damit den eingefrorenen Interbankenhandel zu enteisen.

Partylaune auch in Europa

Bislang war vor allem geplant, dass die Regierung den Banken wertlos gewordene Hypothekenpapiere abkauft. US-Präsident George W. Bush will die Beschlüsse am Dienstag in Washington vorstellen.

Zuvor hatte nach britischem Vorbild auch eine ganze Reihe von Regierungen in Europa angekündigt, den angegriffenen Banken mit Garantien, Kapitalspritzen und neuen Bilanzstatuten unter die Arme zu greifen. Die Bundesregierung will das 500 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für den Finanzsektor noch in dieser Woche durch die parlamentarischen Gremien boxen. Das hatte an den europäischen Börsen für Partylaune gesorgt: Der Dax verzeichnete am Montag mit einem Kursplus von über elf Prozent den höchsten prozentualen Anstieg aller Zeiten.

Mieser ZEW-Index kann Dax nichts anhaben

Am Dienstag kann der Dax mit einem Anstieg von bis zu 5,4 Prozent auf 5.333 Punkte in der Spitze daran anknüpfen; erneut legen vor allem Finanzwerte zu. "Trotz aller denkbaren Probleme bei der Umsetzung der Rettungsmaßnahmen im Detail geben die letzten Tage Anlass zur Hoffnung, dass das Schlimmste vorüber ist", stellte LBBW-Analyst Alexander Groschke in einem Kurzkommentar fest, den er mit "Silberstreif am Horizont" überschrieb.

Die neue Monatsumfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das rund 300 Analysten und Finanzmarktspezialisten zu ihren Konjunkturerwartungen in den kommenden sechs Monaten befragt, stand dagegen noch ganz im Zeichen der Finanzkrise: Das um 11 Uhr veröffentlichte ZEW-Barometer brach im Oktober von minus 41,1 auf minus 63,0 Punkte ein. Volkswirte hatten lediglich mit einer weiteren Eintrübung auf minus 51,1 Zähler gerechnet. Doch an der Börse lässt sich davon im Moment niemand die gute Laune verderben.

Extreme Kursgewinne in Asien

Zumal nicht nur die Vorgaben aus den USA, sondern auch die aus Asien berauschend sind. Der Nikkei-Index der Börse in Tokio schnellte am Dienstagmorgen um mehr als 14 Prozent nach oben und durchbrach dabei auch die psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten nach oben, nachdem er in der vergangenen Woche noch um 24 Prozent in die Tiefe gestürzt war. Am Freitag hatte der Nikkei den drittgrößten Verlust seiner Geschichte erlitten.

Die Japaner haben allerdings auch einiges nachzuholen. Schließlich war die Börse in Tokio am Montag wegen eines nationalen Feiertags geschlossen geblieben. , sodass die japanischen Anleger die guten Vorgaben der europäischen Politiker vom Wochenende erst am Dienstag in Kursgewinne ummünzen konnten.

Ölpreis wieder im Aufwind

Von den staatlichen Rettungsplänen profitiert derweil auch der Ölpreis, der am Dienstag im asiatischen Handel erneut gestiegen ist. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI mit Auslieferung im November wurde mit 83,27 Dollar gehandelt. Das sind 1,59 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag.

Marktbeobachter begründen den wieder erstarkenden Ölpreis damit, dass sich durch die politischen Maßnahmen auch die konjunkturellen Aussichten und damit auch die Aussichten für die Ölnachfrage etwas verbessert hätten. Die Krisenwährung Gold stürzte dagegen dramatisch um knapp 100 US-Dollar auf 830 Dollar je Feinunze ab. Der Euro kann leicht zulegen und verbessert sich auf 1,3652 Dollar. (ag)

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