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Alltagsdeutsch – Podcast

Partnersuche

Da der Mensch ein soziales Wesen ist, fühlt er sich meist wohler, wenn er nicht alleine ist. Doch die Zahl der Ein-Personen-Haushalte nimmt in Deutschland zu, und so floriert auch das Geschäft mit der Partnersuche.

Musik: Conny Froboess/Peter Alexander
"Verliebt, verlobt, verheiratet,
So heißt das Spiel zu zweit"

Sprecher:
Früher war alles ganz einfach: Man kannte sich, man ging zum Tanztee oder zu einem Dorffest. Danach wurde geheiratet. Heutzutage ist die Partnersuche eine Wissenschaft für sich. Es gibt hundert und eine Möglichkeit, den oder die Richtige fürs Leben zu finden – ob mit oder ohne Trauschein. Und davon wollen wir gleich einige vorstellen. Die Anzeige in einer Zeitung ist dabei nur eine Möglichkeit.

O-Ton:
"Fröhliche Sie, 23, 173, langes, dunkles Haar, Kindergärtnerin, praktizierende Katholikin mit einwandfreier Vergangenheit, sucht einen netten, treuen Partner bis 28 Jahre." / "Pensionär, 75, 180, verwitwet, ehemals Ingenieur, humorvoll und zuverlässig, motorisiert, möchte nicht mehr alleine sein, eine warmherzige, natürliche Dame sollte den Mut haben zu antworten."

Sprecherin:
So ähnlich sollte eine seriös formulierte Anzeige lauten, wenn Sie einen Partner oder eine Partnerin fürs Leben suchen. Alle wichtigen Informationen wie Alter, Geschlecht, Hobbys oder Familienstand sind angegeben. Und wenn Ihnen die Anzeige gefällt, melden Sie sich zum Beispiel bei Robert Goertz von einer Kölner Partnervermittlung. Der prüft Sie dann auf Herzen und Nieren, das heißt, er testet Ihre Glaubwürdigkeit und Seriosität. Erst nach einem persönlichen Gespräch erhalten Sie schließlich die Telefonnummer seines Klienten. Robert Goertz schwört auf diese Methode, und seine Partnervermittlungsagentur besteht seit immerhin 25 Jahren.

Robert Goertz:
"Ich weiß, dass ich da größere Erfolge mit erziele, wenn Leute hier bei mir vorstellig werden, die eben diese Grundeinstellung haben. Und die Erfolgsquote beweist auch, dass ich mit diesen Leuten auch mehr anfangen kann. Die reagieren auf diese Anzeigen, die rufen an bei mir oder schreiben, ich schreibe zurück und lade die zu einem persönlichen Gespräch ein, und dann erfahre ich natürlich auch, was Sache ist und was die Leute für Vorstellungen haben."

Sprecherin:
Vorstellig werden
, diese Redewendung passt zu dem seriösen Herrn Goertz. Gemeint ist, dass sich jemand bei ihm vorstellt. Doch das Wort vorstellig klingt ungleich gespreizter, ist auf jeden Fall etwas altmodisch und vermittelt zudem einen Hauch von Überheblichkeit, so dass derjenige, der vorstellig wird, als eine Art Bittsteller auftritt, der sich der Begutachtung durch den Vermittler unterwirft.

Sprecher:
Der Vermittler behauptet, mit bestimmten Leuten etwas anfangen zu können, mit anderen wiederum nicht. Anfangen hat in diesem Sinne nur bedingt etwas mit "beginnen" zu tun. Wenn Sie mit einem Menschen etwas anfangen können, dann kann das der Beginn einer jahrelangen Freundschaft sein. Es heißt aber nicht, dass die Freundschaft zu einem ganz genau festgelegten Zeitpunkt beginnt oder anfängt, so wie eine Oper Punkt acht Uhr beginnt. Mit einem Menschen etwas anfangen können heißt etwa, ähnliche Interessen zu haben oder ein gemeinsames Hobby. Wenn Robert Goertz das alles weiß, weiß er also, was Sache ist. Eine Sache kann ein Gegenstand oder ein Ding sein, eine Angelegenheit oder eine Aufgabe; auf jeden Fall ist es eine recht undurchsichtige Sache mit der Sache. Früher wurde das Wort "Sache" in der Rechtssprache verwendet, eine Sache war zuerst einmal eine Rechtssache, eine Rechtsangelegenheit. Im Laufe der Zeit wird der Begriff allgemeiner benutzt. In vielen Redewendungen taucht die Sache auf, und in allen bedeutet sie etwas anderes. Man handelt in eigener Sache, wenn man den eigenen Interessen folgt, oder man geht einer Sache nach, wenn man etwas herausfinden möchte. Oder aber man will wissen, was Sache ist, also, was eigentlich los ist.

Sprecherin:
Zurück zur Sache
, zu unserem Thema. Das Büro von Robert Goertz ist geradezu spärlich eingerichtet. Es gibt kein Bild, kein Möbelstück, das seinen persönlichen Geschmack erahnen ließe. Sachlich präsentiert sich diese Schaltstelle des privaten Glücks; hier geht es nicht um die große Liebe, sondern um Vertrauen und solide Partnerschaft. Herr Goertz glaubt, dass Menschen mit einer positiven religiösen Grundeinstellung leichter zu vermitteln sind. Seine Vermittlungsquote von 60 bis 70 Prozent mag ihm da Recht geben. Niemals haben so viele Menschen wie heute über Dritte – seien es Agenturen, Zeitungen oder elektronische Medien – versucht, den oder die Richtige zu finden. Beatrix Keller ist eine erfahrene Suchende. Sie hat viele Höhen und Tiefen des Partnerschaftsgewerbes durchlebt und beklagt die Unverbindlichkeit vieler Menschen in der heutigen Gesellschaft. Mit einem Mann, der auf ihre eigene Annonce geantwortet hatte, verbrachte sie einen unterhaltsamen Abend im Restaurant. Er bat um ihre Telefonnummer – und meldete sich nie wieder.

Beatrix Keller:
"Dann habe ich zwei Wochen später angerufen und habe einfach gesagt, dass ich das nicht gut fand und dass er das ... ich meine, ich hätte ihn jetzt abgehakt, bei mir hätte er so viele, ja, so viele Negativpunkte, dass ich keine Basis für ‘ne Freundschaft finden würde dabei."

Sprecher:
Abhaken
, keineswegs "abhacken": ein Häkchen hinter seinem Namen machen, von der Liste der in Frage kommenden Männer fürs Leben streichen. Wenn man einen Menschen oder eine Sache abhakt, ist sie für einen selbst bedeutungslos geworden. Da die Bedeutung des Wortes "Haken" etymologisch nicht ganz geklärt ist, könnte es auch sein, dass jemand, den man abhakt, einen Haken hat. Und wenn eine Sache einen Haken hat, dann hat sie einen Fehler.

Sprecherin:
Wer einen Partner sucht, muss also Ausdauer und ein gesundes Selbstbewusstsein mitbringen, um Niederlagen wegzustecken. Erfolge stellen sich in den meisten Fällen nicht sofort ein. Verwunderlich, wenn man die Palette an Angeboten betrachtet. Es fängt an mit den "Lonely-Hearts-Partys" – das, was Opa und Oma früher als "Ball der einsamen Herzen" kannten –, auf denen sich die Singles, die Alleinstehenden von heute, näherkommen können. Eine weitere Möglichkeit sind Freizeittelefone und so genannte Blind-Date-Agenturen. Dort kann man sich – gegen eine Gebühr – Leute heraussuchen, die gemeinsam ebenfalls ihre Freizeit mit Fahrradfahren, Theaterbesuchen oder Ausflügen verbringen wollen, anstatt alleine zu Hause zu sitzen.

Sprecher:
Blind Date
ist ein Wort aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt: "blinde Verabredung". Tatsächlich kennt man die Person, mit der man sich über eine Agentur zu einem Abendessen verabredet, nicht. Ein Blind Date ist also wie ein Sprung ins kalte Wasser, angenehm erfrischend oder einfach nur ernüchternd. Beatrix Keller hat sich eine Erklärung für Fehlschläge zugelegt:

Beatrix Keller:
"Und ich glaube auch, für manche Leute ist das einfach, die nehmen sich einfach gar nicht so ernst, oder das, was sie so sagen. Das ist so vielleicht, die reden sich irgendwelchen Frust von der Seele auch, und man denkt gleich, oh, man ist Vertrauensperson für die und fühlt sich irgendwie geehrt, dass wildfremde Menschen einem Vertrauen entgegenbringen. Aber dann passiert nichts, vielleicht ist das einfach ein Ersatz für einen Psychologen oder einen Psychiater. Ich weiß es nicht."

Sprecherin:
Die einen benutzen also ihre Mitmenschen, um ihren so genannten Seelenmüll abzuladen, andere dagegen sind regelrechte Glücksritter, die eine ganze Reihe gebrochener Herzen hinter sich lassen. Einen nicht mehr jugendlichen Charmeur brachte der Partnervermittler Robert Goertz hinter Gitter, ins Gefängnis nämlich.

Robert Goertz:
"Ich hatte tatsächlich auch schon mal einen Heiratsschwindler. Den hab‘ ich aber selbst nachher entlarven können. Der hat auch mich versucht reinzulegen, aber das war nur die ersten drei Wochen, danach konnte ich den schon anhand seiner Art und Taktik, die er an den Tag legte, um Frauen kennenzulernen, konnte ich den schon drankriegen."

Sprecher:
Unser Vermittler hat den Heiratsschwindler also drangekriegt – was ist das bloß für ein Wort! Wo dran, wie dran, und was hat "kriegen" damit zu tun? "Etwas kriegen" bedeutet in der Alltagssprache "etwas bekommen". Kinder, die Fangen spielen, rufen einander zu: "Dich krieg‘ ich gleich". "Kriegen" lässt sich natürlich auch von dem Substantiv "der Krieg" und dem Verb "kriegen", "bekriegen" ableiten – doch zurück zu drankriegen: Nimmt man nun von all diesen Erklärungen einen kleinen Teil, dann erhält man die Bedeutung von jemanden drankriegen, keinesfalls "daran kriegen" – nämlich "jemanden an der Nase rumführen", "ärgern", "jemandes Pläne durchkreuzen".

Sprecherin:
Um die heiratsschwindlerischen Pläne des alten Herrn zu durchkreuzen, musste der Vermittler sicherlich detektivische Beharrlichkeit an den Tag legen. Er musste zwar keinen Krieg gegen den Herrn führen, aber immerhin fühlte er sich verantwortlich, die Kriminalpolizei einzuschalten, um weitere Damen vor diesem charmanten Betrüger zu schützen.

Robert Goertz:
"Das war ein 73-jähriger Diplomingenieur, ein ganz galanter Mann, allerdings vom Äußeren her nicht so ‘ne tolle Erscheinung. Aber der hatte so eine unwahrscheinlich liebenswürdige Art, die Damen um den Finger zu wickeln, dass ich als erfahrener Anbahner hier schon da drauf reingefallen bin, aber, wie gesagt, nur die ersten drei Wochen, danach wusste ich schon Bescheid, und ich hab‘ auch die entsprechenden Damen gewarnt und hab‘ auch die Kriminalpolizei eingeschaltet, und er ist aufgrund meiner Initiative auch, wie gesagt, in Fesseln gelegt worden."

Sprecher:
In Fesseln legen
ist natürlich bildlich gemeint. Zwar legte man früher jemanden, den man bestrafen wollte, in Fesseln, indem man ihn mit einem Strick an Händen und Füßen fesselte, also festbindet, so dass er sich nicht mehr frei bewegen konnte. Heute jedoch ist mit diesem Ausdruck nicht das tatsächliche Fesseln mit einem Strick gemeint. Die Fesseln symbolisieren die Gefangenschaft, den Entzug der Freiheit. Zwar nicht gefesselt, aber in gewisser Hinsicht auch ihrer freien Entscheidung beraubt, hat der Heiratsschwindler einige Damen. Er wickelte sie um den Finger. Das ist natürlich nicht wörtlich zu verstehen, denn anatomisch wäre das schlecht möglich, eine andere Person um einen Finger zu wickeln. Es bedeutet vielmehr, jemanden mit schmeichlerischen Worten gefügig zu machen. Töchter schaffen es immer wieder, ihre Väter um den Finger zu wickeln. Im Falle des Heiratsschwindlers war es sicher so, dass die Damen zwar glaubten, einen charmanten Herrn kennengelernt zu haben, er aber hatte seine wahren Beweggründe, vielleicht das Vermögen einer wohlhabenden Witwe, absichtlich verschleiert.

Sprecherin:
Ein Schuft also, wie er im Buche steht. Und glaubt man den Worten des Vermittlers, dann wimmelt es auf dem Partnerschaftsmarkt nur so von unehrenhaften Angeboten.

Robert Goertz:
"Ich schaue natürlich auch die Anzeigen von Privatkunden, und man muss auch zwischen den Zeilen lesen. Und wenn viele auch private Anzeigen aufgeben, dann können Sie davon ausgehen, dass 20 Prozent davon verheiratet sind."

Sprecher:
Zwischen den Zeilen
ist leerer, unbeschriebener Raum. Es geht natürlich nur im übertragenen Sinne um diesen unbeschriebenen Raum; in Wirklichkeit geht es um die Wortwahl. Was will der- oder diejenige eigentlich sagen? Wer sich als Mann für bestimmte Stunden anpreist, will mit Sicherheit nicht zum Kaffeekränzchen auffordern. Die Dame, die sich selbst als kultiviert bezeichnet, will damit zum Ausdruck bringen, dass der Gesuchte einen Opernbesuch nicht schnarchend hinter sich bringen sollte und außerdem genug Anstand und Geld haben sollte, sie anschließend in ein ansprechendes Restaurant zu führen. Es empfiehlt sich also, jedes Wort einer Anzeige genau zu lesen.

Sprecherin:
Die Suche nach einem Partner oder einer Partnerin muss sich aber nicht immer so kompliziert gestalten. Es mag schon stimmen, dass es heutzutage schwieriger geworden ist, jemanden kennenzulernen, vor allen Dingen in einer Großstadt. Doch gibt es immerhin noch eine ganze Reihe von Menschen, die sich auf ganz unspektakuläre Weise kennen lernen oder kennengelernt haben.

O-Töne:
"Ja, ich hab' meinen Mann mit 13 Jahren kennengelernt, das ist schon lange her, auf 'nem Klassentreffen unserer Eltern. Mit Familie wurde jedes Jahr ein Klassentreffen veranstaltet, und da haben wir uns kennengelernt. Wie gesagt, vor vielen Jahren." / "Im Zug, unterwegs, auf 'm Urlaub." / "In Bus und Bahn, in Amerika im Urlaub." / "In der Disco." / "Meistens in der Schule." / "Im Café." / "Im Kindergarten." / "Ach Gott, bei irgendwelchen Veranstaltungen da, die halt waren da. Das war ja, laufend waren ja so Festlichkeiten. Da hat man sich ja getroffen, man hat sich ja gekannt, weil man vom selben Ort war. Da war das kein Problem."

Sprecherin:
Na also, von wegen Blind-Date und Freizeittelefonbuch. Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein, den Sitznachbarn im Bus mal anzusprechen. Und wer weiß, was daraus wird?

Musik: Conny Froboess/Peter Alexander
"Verliebt, verlobt, verheiratet,
Da sag ich dir nicht nein"


Fragen zum Text:

Hat eine Sache einen Fehler, so …

1. hat sie einen Haken.
2. wurde sie abgehakt.
3. wird sie abgehackt.

Jemanden durch Schmeicheleien veranlassen, etwas zu tun, nennt man auch …
1. in Fesseln legen.
2. um den Finger wickeln.
3. zwischen den Zeilen lesen.

Wenn man es sich bei einer Verabredung um ein Blind-Date handelt, dann …
1. sieht man den anderen nicht.
2. sieht man sich nur ein einziges Mal.
3. kennt man den anderen vorher nicht.


Arbeitsauftrag:
Verfassen Sie eine Partnersuchanzeige, in der Sie sowohl sich selbst als auch Ihren Wunschpartner beschreiben.

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