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Kultur

Partnerschaften statt Patenschaften

Patenschaften für die von der Flut betroffenen Regionen - diesem Vorschlag von Bundeskanzler Schröder sind viele Kommunen gefolgt. Doch Hilfsorganisationen warnen vor überstürztem Handeln und Unterstützung im Alleingang.

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Soforthilfe für Sri Lanka - deutsche Städte wollen langfristig helfen

Bei seiner Neujahrsansprache bat Bundeskanzler Gerhard Schröder, ganz gezielt für den Wiederaufbau der von der Flutwelle zerstörten Gebiete in Asien zu spenden: "Ich stelle mir vor, dass sich die Industrieländer für jeweils ein Land verantwortlich fühlen. Auch Deutschland." Daran sollten sich auch die Bundesländer, Städte und Gemeinden beteiligen. Die Resonanz ist groß und viele Großstädte kündigten im Rahmen des Deutschen Städtetages bereits Patenschaften oder die Unterstützung konkreter Projekte an.

Man muss einen langen Atem haben

So sammelt die Stadt Duisburg bereits Spendengelder und unterstützt damit die von der Katastrophe betroffenen Familien in der Region Kalmunai an der Ostküste Sri Lankas. Zwar pflegt Duisburg keine offiziellen Kontakte vor Ort, arbeitet aber mit der Kindernothilfe zusammen, die seit über 40 Jahren von Duisburg aus Hilfsprojekte organisiert. "An den Wiederaufbau ist allerdings noch nicht zu denken", sagt Josip Sosic, stellvetretender Leiter des Presse- und Kommunikationsamtes der Stadt Duisburg. "Die Soforthilfe sowie die Notfallseelsorge und Betreuung ist das, was im Moment vor Ort dringend gebraucht wird."

Aceh

Eine leere Moschee bei Banda Aceh - der Wiederaufbau wird dauern

Hilfe müsse dabei auch mit den Regierungen der betroffenen Gebiete zusammen organisiert werden. "Frühestens in einem halben Jahr ist es möglich, Projekte zum Wiederaufbau konkret werden zu lassen. Den Atem muss man haben", so Sosic weiter. Bei einem Alleingang der Stadt wäre es ein zu langwieriger Prozess gewesen, um Kontakte vor Ort zu knüpfen. Zudem sei es sinnvoller, das Geld den Organisationen zukommen zu lassen, als es für die Vorbereitung einer eigenen Hilfsaktion auszugeben.

Sosic ist daher froh, dass die Strukturen und die Erfahrungen der Kindernothilfe genutzt werden können, um die Spendengelder in ein konkretes Zielgebiet zu lenken: "Wir verlassen uns auf die Kindernothilfe und konzentrieren uns darauf, die Hilfe über einen längeren Zeitraum lebendig zu halten."

Ohne Know-How ist es nicht zu machen

"Wir reden im Zusammenhang mit der Hilfsbereitschaft auch nicht von Patenschaften, sondern von Partnerschaften", erklärt Kathrin Bremer, Koordinatorin der Projektgruppe "Fluthilfe" bei der Deutschen Welthungerhilfe. Ein Alleingang der Städte ist aus ihrer Sicht nicht erstrebenswert: "Ohne Know-How ist es nicht zu machen. Wir haben langjährige Erfahrung in diesem Bereich und entscheiden mit unseren Ansprechpartnern vor Ort, was die Menschen brauchen." Erst dann sei man in der Lage, in einem langen Abstimmungsprozess Hilfsprojekte zum Wiederaufbau zu realisieren.

Die Welthungerhilfe sei durchaus erfreut, dass das Interesse seitens der Kommunen so stark ist, aber nicht alles lasse sich verwirklichen. Viele Städte haben Interesse an Projekten bekundet, mit der Stadt Bonn und der Stadt Bielefeld hat die Hilfsorganisation die Planungsphase schon länger verlassen. So sammelt die Stadt Bonn bereits Spendengelder für die Aktion "Bonn hilft", in der die Stadt gemeinsam mit der Welthungerhilfe den Wiederaufbau in Südindien unterstützt.

Spendenbereitschaft ist überwältigend

Wolf-Christian Ramm, Pressesprecher von "terre des hommes", freut sich über die große Bereitschaft zur Hilfe, bittet die Kommunen und Städte aber, sich den bereits geplanten Programmen der jeweiligen Hilfswerke anzuschließen. "Die Betreuung von Einzelpatenschaften würde zusätzliche Kosten verursachen und Personal binden, um spezifische Anfragen zu beantworten und einen Austausch zu organisieren“, erklärt Ramm.

Die Hilfsorganisationen betonen jedoch, dass die Spendenbereitschaft der Städte überwältigend sei. Vielleicht helfen die noch frischen Partnerschaften dabei, dass es nicht nur bei der Soforthilfe bleibt.

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