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Nahost

Partnerschaft in schwierigen Zeiten

Zwischen Freiburg und Isfahan existiert die bislang einzige deutsch-iranische Städteparterschaft. Doch die Krisen im Iran stellen diese Parterschaft immer wieder auf eine harte Probe, Gegner fordern die Aussetzung.

Ein Straßenschild der Isfahanallee in Freiburg weist auf die Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und der iranischen Stadt Isfahan hin (Foto vom 12.01.2006, Foto: dpa)

Nicht immer eine einfache Partnerschaft: Freiburg Isfahan

Das gibt es vermutlich nur in Freiburg: Beim traditionellen Markt der Partnerstädte präsentiert sich der Stand von Isfahan direkt neben dem Informationstisch von Tel Aviv. Gisela Schwarzwälder vom deutsch-iranischen Freundeskreis findet das großartig: "So müsste es überall auf der Welt sein, auch zwischen Iran und Israel", sagt sie. Die resolute Freiburgerin ist davon überzeugt, dass das auch die Meinung der Mehrheit in den Ländern ist, wenn es nicht immer "Machtbesessene an der Spitze" gäbe, die das anders wollten, fügt sie hinzu.

Es war die erste und bislang einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft überhaupt, die am 27. Oktober 2000 im Freiburger Rathaus unterschrieben wurde. Getragen durch bürgerschaftliches Engagement gibt es zwischen Freiburg und dem 430 Kilometer südlich von Teheran gelegenen Isfahan mittlerweile vielfältige Kontakte, wie etwa Bürgerreisen, Kunstausstellungen, interkulturelle Dialoge, Vorträge oder Workshops. Aber immer wieder wird die Städtepartnerschaft in Frage gestellt – besonders in politisch schwierigen Zeiten.

Partnerschaft in der Krise

Irans umstrittene Atompolitik und vor allem die zahlreichen antiisraelischen Äußerungen von Präsident Mahmud Ahmadinedschad haben die Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan bereits auf eine harte Probe gestellt. Die Gewaltexzesse gegen Demonstranten nach der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinedschads lieferten den Gegnern der Städtepartnerschaft zahlreiche Argumente.

Der alte Königsplatz Meidan-e Imam mit der Imam Moschee in Isfahan, Foto: dpa

Der alte Königsplatz Meidan-e Imam mit der Imam Moschee in Isfahan



Treibende Kraft ist vor allem die Junge Union in Freiburg: "Im Umgang mit dem islamistischen Regime in Teheran kann nur Konsequenz das Mittel der Wahl sein", ist auf ihren Seiten im Internet nachzulesen: "Das heißt: Es darf keine offiziellen Kontakte welcher Art auch immer geben, solange es im Iran kein politisches Tauwetter gibt." Vor allem der ihr Kreisvorsitzender Daniel Sander hatte mehrfach gefordert, die Städtepartnerschaft auszusetzen und anstehende Reisen abzusagen. Zugleich ist Sander aber auch Mitglied in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und im Freundeskreis Städtepartnerschaft Freiburg-Tel Aviv, der sich seit Jahren um eine offizielle Partnerschaft mit der israelischen Mittelmeermetropole bemüht.

Dialog mit den Reformern

Günter Burger, Referent für Städtepartnerschaften im Freiburger Rathaus unterstreicht hingegen, dass mit der Wahl Isfahans als Partnerstadt ganz bewusst die Reformkräfte im Iran unterstützt werden sollen. "Beim Abschluss der Partnerschaft war Isfahan eine Reformerstadt und wir haben bis heute den Dialog zu den Gruppen aufrecht erhalten und möchten das weiter tun", sagt er. Ein Abbruch der Kontakte, glaubt Burger, wäre das falsche Signal, weil man die Menschen nur unterstützen könne, wenn man mit ihnen im Dialog bleibe: "Wir haben die Partnerschaft mit Isfahan und nicht mit dem Iran", stellt er klar, das müsse man voneinander trennen.

Der iranische Künstler Mahmoud Bakhshi Moakhar vor seiner Installation Anonymus Martryr, Air Pollution (2006) mit iranischen Nationalflaggen. 2007 zeigte das Museum für Neue Kunst in Freiburg eine der umfangreichsten Ausstellungen aktueller iranischer Kunst. Foto: dpa

Kunstaustausch: der iranische Künstler Mahmoud Bakhshi Moakha in Freiburg


Bislang war die ungewöhnliche Städtefreundschaft eine Erfolgsgeschichte. Wenn Freiburg jetzt den Dialog abbräche, würde dies den Reformkräften mehr schaden als den Machthabern, glaubt auch Gisela Schwarzwälder. Im Jahr 2004 hat sie an einer Bürgerreise nach Isfahan teilgenommen. Seitdem engagiert sie sich für den Fortbestand der Städtepartnerschaft. "Ich habe im Iran erlebt, wie ungeheuer offen und begeistert die Menschen sind, weil es diese Möglichkeiten des Austausches gibt", erinnert sie sich.

Solidaritätsaktionen

Als das Teheraner Regime nach dem höchst umstrittenen Wahlsieg von Präsident Mahmud Ahmadinedschad Demonstranten verprügeln ließ, demonstrierten Freiburger und Exil-Iraner gemeinsam in der Innenstadt. Für die Deutschen war es ein Zeichen der Solidarität, für die Iraner war es wichtig zusehen, dass sie nicht alleine sind.

Auch auf höherer politischer Ebene engagieren sich die Freiburger für ihre Partnerstadt. Etwa der Freiburger SPD- Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler hat sich mit dem Rektor der Freiburger Universität, Hans-Jochen Schiewer besprochen, woraufhin letzterer einen Brief an seinen Kollegen in Isfahan schrieb. "Wir haben einfach nachgefragt, was da passiert ist, weil wir gehört haben, dass es auch in Isfahan zu Gewalttaten gegen Studenten gekommen sein soll", berichtet Erler. Allerdings sei es im Augenblick sehr schwierig, mit Einzelnen Kontakt zu bekommen, weil alle sehr vorsichtig geworden seien. "Wir wissen ja, dass nachgespürt wird und dass die Leute Schwierigkeiten bekommen, wenn sie Kontakt zu Ausländern haben", so der Politiker. Er hofft, dass sich die Lage in Isfahan beruhigt, in den letzten Tagen habe er auch keine Nachrichten mehr von gewalttätigen Übergriffen bekommen.

Auch Professor Mohamad Salavati, der Initiator der Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan, informiert sich täglich per Telefon über die Situation in seiner Heimat. Der Deutsch-Iraner ist in Isfahan aufgewachsen 1974 nach Deutschland gekommen und hat kurz vor der Jahrtausendwende die Idee zur Partnerschaft vorangetrieben. "Auch in Isfahan gab es Tote bei den Protestaktionen gegen das Teheraner Regime", sagt der pensionierte Informatiker. "Auch wenn die Lage zur Zeit ruhig ist - es gibt Feuer unter der Asche."

Autor: Sebastian Bargon
Redaktion: Ina Rottscheidt

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