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Politik

Partner gewünscht, aber nicht benötigt

Deutschland und die USA liegen über einen Angriff gegen den Irak im Streit. Politisch ist der Disput erklärbar, militärisch nicht: Denn die USA könnten einen Krieg auch im Alleingang führen.

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Prestigeobjekt der Bundeswehr: der Spürpanzer Fuchs

Aus politischer Sicht ist der deutsch-amerikanische Disput angesichts einer unterschiedlichen Einschätzung des von Saddam Hussein ausgehenden Bedrohungspotentials, der Situation im Nahen Osten sowie der bevorstehenden Bundestagswahl verständlich. Aus rein militärischer Perspektive ist der Konflikt um eine deutsche Beteiligung dagegen unnötig.

Denn um einen Krieg gegen den Irak zu führen, benötigen die USA keine militärische Unterstützung anderer Länder. Die Fähigkeit einen Krieg - oder sogar zwei Konflikte gleichzeitig - allein bestehen zu können, ist seit langem Teil der amerikanischen Militärstrategie. Daher verfügen die USA auch in allen Bereichen – Heer, Marine, Luftwaffe und Spezialtruppen, über ausreichende personelle und technische Kapazitäten um einen Krieg gegen Saddam Hussein alleine zu führen.

US-Version des Spürpanzers Fuchs

Auch auf den hochspezialisierten deutschen Spürpanzer Fuchs zur Erkennung von atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffe sind die Vereinigten Staaten im Ernstfall nicht angewiesen. Denn die US-Armee hatte schon vor dem Golfkrieg mehr als 50 Exemplare des Fahrzeugs bestellt und dürfte inzwischen über mehr als 100 eigene Spürpanzer des Typs "Fox" verfügen.

Fremde Hilfe braucht das amerikanische Militär lediglich in Form von logistischer Unterstützung, etwa die Erlaubnis Luftwaffen-Stützpunkte zu nutzen. Auch wenn ein Großteil möglicher Luftangriffe voraussichtlich von einem von vier Flottenverbänden in der Region erfolgen würde. Dennoch dürften die USA die Nutzung von NATO-Stützpunkten etwa in Kuweit, der Türkei, Italien und Deutschland anstreben. Eine Weigerung Deutschlands, den USA diese Nutzung zu erlauben – wie derzeit diskutiert - ist kaum denkbar. Denn erstens sind die Nutzungsrechte vertraglich zugesichert und müssten erst gekündigt werden. Zweitens wäre dies ein politischer Affront, der die deutsch-amerikanischen Beziehungen dauerhaft schwer beschädigen würde.

Kommandozentrale in Florida

Bei einem Angriff auf den Irak werden mindestens 200.000 Soldaten zum Einsatz kommen. Dazu käme noch ein Kontingent zur Unterstützung der Truppen von rund 25.000 Soldaten. Die Koordination und Leitung einer Militäraktion gegen den Irak dürfte bei der U.S. Central Command (CENTCOM) in Tampa im Bundesstaat Florida liegen, in deren Zuständigkeitsbereich der Nahe Osten fällt. CENTCOM-Oberbefehlshaber General Tommy Franks kommandiert derzeit bereits die US-Truppen der Operation "Enduring Freedom" in Afghanistan und ist direkt Verteidigungsminister Donald Rumsfeld unterstellt.

Während die militärischen Planungen hinter den Kulissen offenbar schon weit fortgeschritten sind, kursieren noch immer unterschiedliche Termine für einen möglichen US-Angriff. Einem Szenario zufolge könnte ein Angriff nach den amerikanischen Kongresswahlen im November beginnen. Doch auch ein Termin Anfang 2003 gilt als denkbar. Gut möglich, dass bereits am Mittwoch alle Spekulationen ein Ende haben. Dann nämlich wird Präsident George W. Bush seine Irak-Pläne vor den Vereinten Nationen erläutern.