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Sprachbar

Partikel-Winzlinge mit Wirkung

Sie machen nicht viel her, die drei Partikel Ja – Nein – Aber. Dennoch können sie eine weit reichende Wirkung haben: In der Politik, der Wirtschaft, bei der Trauung …

Kleine Worte, große Bedeutung. Zum Beispiel "Nein". Von einem politischen Erdbeben war 2005 die Rede, als die Franzosen in einem Referendum "Nein" zu der neuen EU-Verfassung gesagt hatten. Kaum hatten die bekennenden Europäer nach diesem Schock Atem holen können, zogen die Niederländer nach und ließen dem "Non" aus Frankreich ihr "Nee" folgen. Auf einmal rückte ein Wort ins öffentliche Bewusstsein, das normalerweise kein so großes und schon gar nicht internationales Aufsehen erregt.

Sehr folgenreich

Ein Plakat mit einer Sonne und dem Schriftzug: Atomkraft - Nein danke

Ein bekanntes"Nein"

"Nein" ist eine Negation. Klarer Fall. Aber an diesen "Neins" als Ergebnis zweier Referenden kann man sehen, dass Grammatik zwar die Bedeutung, aber so gut wie nie die Wirkung von Worten beschreiben kann. Wenn man in einer Bar von der Bedienung gefragt wird, ob man noch einen Espresso oder sonst irgendetwas trinken möchte, wäre ein "Nein" als Antwort völlig harmlos. Es hätte keinerlei weit reichende Folgen. Allerdings wäre das pure "Nein" unhöflich. Ein "Nein, danke" wäre da eher angebracht. Höfliche Frage, höfliche Antwort.

Apropos Fragen: Was, wenn Braut oder Bräutigam auf die entscheidende Frage nicht mit dem zu erwartenden "Ja", sondern mit einem klaren "Nein" antworten? Wenn er oder sie es sich in allerletzter Sekunde anders überlegt haben und einer plötzlichen Eingebung folgen, die alle Beteiligten in große Verwirrung stürzt?

Sehr bedeutsam

"Nein" ist nicht gleich "Nein". Gleiches gilt für sein positives Gegenüber, das "Ja". Es schlägt den Bogen von einer harmlosen Verstärkung, "das schmeckt ja richtig gut" bis zum "Entscheidungs-Ja" auf dem Standesamt oder dem erhofften aber ausgebliebenen "Ja" der Franzosen und Niederländer. Nee, nee, das ist alles gar nicht so einfach mit den "Jas" und "Neins".

Wie auch immer: Streng genommen darf man "Ja" und "Nein" gar nicht in den Plural setzen. Partikel haben keinen Numerus und sind darüber hinaus geschlechtslos. Dennoch sind sie häufig im wahrsten Sinne des Wortes von entscheidender Bedeutung. Manchmal allerdings scheinen sie sich in gewisser Weise gegenseitig aufzuheben.

Viele Zwischentöne

Wie war das doch gleich bei einigen Wahlen? Die große Mehrheit des deutschen Wahlvolks befürwortet einen politischen Wechsel. Klares "Ja". Ebenso deutliches "Nein" allerdings auf die Frage, ob sich die vor allem wirtschaftliche Lage in Deutschland denn durch diesen Wechsel bessern würde.

Ob "Ja" oder "Nein" zum politischen Wechsel – zwischen eindeutiger Zustimmung, beziehungsweise eindeutiger Ablehnung, dem entschiedenen "Ja" oder dem entschiedenen "Nein" – gibt es die Zwischenwelt der Nuancen und Mischungen. "Ja und nein…" – so werden unzählige Antworten eingeleitet. "Ja, nee" ist eine der umgangssprachlichen Floskeln, die oft unbewusst verwendet werden, um Zeit zu gewinnen, denn eines ist klar: Aus einem unumwundenen "Ja" herauszukommen ist ebenso schwer wie aus einem eindeutigen "Nein" den Notausgang zu finden.

Und das "Aber"?

Ein Päckchen Kaffee mit der Aufschrift Ja

Raffinierte Werbung

Deshalb erst mal vorsichtshalber ein Zwischending, das "Ja" mit Ausrufezeichen. Klein geschrieben, blaue Buchstaben, dahinter der Name des Produkts und der Preis: Die Werbung einer Lebensmittelhandelskette. Ziemlich raffiniert. Die Zustimmung wird uns abgenommen, alles hinter dem "Ja!" ist so überzeugend, dass wir einfach nur noch kaufen müssen. Außerdem suggeriert dieses "Ja!" so etwas wie ein Abstimmungsergebnis, durch das Votum ungezählter Kunden zustande gekommen, dem wir uns getrost und völlig bedenkenlos anschließen können.

Jetzt fehlt nur noch das "aber". Immerhin zählt es zu den am häufigsten benutzten Partikeln der Umgangssprache. Außerdem wird es gerne mit "Ja" und "Nein" verwendet. Wie oft am Tag sagen wir "Ja, aber" und nehmen dadurch das "Ja" ein Stück weit zurück. Umgekehrt ist "Aber ja!" – mit Ausrufezeichen – eine Verstärkung des "Ja". Dasselbe gilt übrigens auch für "Nein".

"Aber ja doch"

Bei der Trauung hat das Brautpaar also mehrere Möglichkeiten: Ein klares "Ja", ein klares "Nein", ein "Jein", ein "Ja, Nein, aber…". Am besten wäre natürlich ein "Aber ja doch"! Aber darüber sollten sich Braut und Bräutigam eigentlich im Vorfeld schon einig sein.

Fragen zum Text

Ein Referendum ist …

1. eine Lehrerausbildung.

2. eine Volksabstimmung.

3. ein Vortragstext.

Die Redewendung einen Bogen schlagen bedeutet, dass …

1. man auf einen Bogen einschlägt.

2. man von einem Thema zu einem anderen überleitet.

3. man sich beim Turnen verbiegt.

Wenn jemand "Ja, aber" sagt, dann will er …

1. etwas besonders betonen.

2. etwas verneinen.

3. eine Aussage einschränken.

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich über die beiden 2005 gescheiterten Referenden in Frankreich und den Niederlanden. Schreiben Sie ein Kurzreferat darüber, was danach geschah.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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