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Amerika

Parteitag der US-Republikaner: Zwischen Rebellion und Pragmatismus

Normalerweise sind Nominierungsparteitage fröhliche Feste mit Krönungsmesse. Bei den US-Republikanern ist die Stimmung diesmal getrübt. Und trotzdem steht die Mehrheit klar zu Trump. Ines Pohl aus Cleveland.

Die Quicken Loans Arena ist das Zuhause der "Cleveland Cavaliers"-Basketballer, die gerade zum ersten Mal seit 52 Jahren die NBA-Meisterschaft gewonnen haben. Kenner nennen die überdachte Halle cool "The Q". Stars und Sternchen sind hier zu sehen, Paul McCartney wird im August auftreten, im September AC/DC (ja, die gibt es noch!). Über den Eingängen hängen Fotografien von vor Kraft strotzenden Sportlern, daneben Eisprinzessinnen in Glitzerkostümen. Darunter Sinnsprüche. Beispielsweise: "Im Nordosten von Ohio wird Dir nichts geschenkt. Alles ist verdient. Du arbeitest für das, was Du hast." (In Northeast Ohio nothing is given. Everything is earned. You work for what you have.)

In diesen Tagen dominiert ein anderes Motiv die blankgewienerten Gänge. Der Elefant ist das Symbol der Republikanischen Partei in den Vereinigten Staaten. Und weil Cleveland Heimat der RockNRoll Hall of Fame ist, spaziert er hier auf einer halben Gitarre. Daneben hängen eilig aufgeklebte Plakate auf den gelben Kacheln: "Trump - Pence - Make America great again!" in blauen und roten Lettern auf weißem Papier.

Donald Trump (Foto: Reuters)

Wurde am Dienstag offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt: Donald Trump

In diesem Jahr sind die Republikaner in Cleveland zusammengekommen, um ihren Präsidentschaftskandidaten zu küren. Normalerweise verlaufen diese Familientreffen genau nach Skript, von der Parteispitze alle vier Jahre genauestens vorbereitet. Die knapp 2500 Delegierten tun - normalerweise - was sie tun sollen. Sie applaudieren brav bei den Reden des Spitzenpersonals, den ehemaligen Präsidenten und hohen Funktionsträgern. Die Inszenierung hat ein einziges Ziel. Am Ende der Veranstaltung steht der frenetische Applaus für den Präsidentschaftskandidaten, der mit einem herausragenden Ergebnis nominiert und damit - gestärkt und von der breiten Parteibasis getragen - gegen den Kandidaten der Demokraten antritt im Kampf um das Weiße Haus.

Amerika an erster Stelle

Normalerweise. In diesem Jahr ist freilich alles anders.

Marc Hader (Foto: DW)

Delegierter aus Oklahoma: Marc Hader

In diesem Jahr bestimmt ein einzelner Mann nicht nur die Regie. Er ist der Grund, warum viele Abgeordnete mit sehr gemischten Gefühlen zu diesem Parteitag gereist sind. Marc Hader, ein Abgeordneter aus Oklahoma fragt sich, wie der "opportunistische Geschäftsmann" als Präsident tatsächlich regieren würde. Ist er den Anforderungen wirklich gewachsen?

Völlig ohne Zweifel hingegen ist Alice Butler-Short, Mitbegründerin der "Frauen für Trump". Sie sagt, jeder Parteitag sei aufregend. Aber dieser Parteitag sei der wichtigste Parteitag ihres Lebens. Für Vivian Childs aus Georgia zählt vor allem, dass Trump etwas für die Kinder und deren Ausbildung tun werde. Und dass er Amerika an die erste Stelle stellt.

Vivian Childs (Foto: DW)

Delegierte aus Georgia: Vivian Childs

Viele sehen das weniger entspannt, sind sogar mit dem festen Vorhaben nach Cleveland gereist, um Trump in letzter Sekunde doch noch zu verhindern. Aber die Rebellen sind gescheitert. Manche, wie Sondra Ziegler aus Texas, sagen, es sei dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen. Aber es gebe keine Beweise. Und niemand würde sich trauen, zuzugeben, dass Druck ausgeübt wurde. Die Trump-Gegner wollten durchsetzen, dass alle Delegierten frei über den Kandidaten entscheiden können und nicht an Vorwahlergebnisse in ihren Bundesstaaten gebunden sind.

Große Namen fehlen

Schwarz auf weiß belegt ist, dass im Programmheft viele große Namen fehlen auf diesem Parteitag 2016. Beispielsweise sind weder die beiden Bush-Präsidenten noch ehemalige Präsidentschaftskandidaten wie John McCain zur Krönungsmesse von Donald Trump gekommen. Dafür Komödianten und TV Sternchen. Jeb Bush hat in einem Interview mit der Washington Post sogar gesagt, dass er den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nicht wählt, wenn Trump nominiert wird. Harsche Worte eine Mannes, dessen Vater und Bruder einst die Geschicke der Welt vom Weißen Haus aus bestimmt haben.

Es ist schwer zu sagen, wie sehr dieser Boykott den Narzissten Trump tatsächlich trifft. Die Lücken auf der Rednerliste hat er in jedem Fall geschickt mit den Namen seiner eigenen Familie gefüllt. Seinen Söhnen und Töchtern und natürlich seiner Frau. Fast als wolle er zeigen: Was brauche ich die Parteifamilie, wenn ich meine eigene habe. Royal statt loyal.

Von Michelle abgeschrieben

Anstand und ein gebotenes Maß an Zurückhaltung und Respekt vor den Regeln spielen für ihn auch bei dem Parteitag keine Rolle. Noch nie hat ein Kandidat auf einem Parteitag schon vor seiner Nominierung gesprochen. Trump war das egal. Schon am ersten Tag ergriff er das Wort, um seine Frau Melania vorzustellen, deren Rede noch in derselben Nacht als eindeutiges Plagiat entlarvt wurde. Ausgerechnet abgeschrieben von Michelle Obama.

Ein gefundenes Fressen für die Medien, das allerdings in den Reihen der Delegierten nur wenig Beachtung fand.

Melania Trump und Michelle Obama (Fotos: picture alliance)

Melania Trump (l.) - Sie möchte First Lady Michelle Obama nachfolgen

Für viele darf Donald Trump einfach alles. Sie verzeihen ihm Halbwahrheiten und Lügen, weil sie an seine Versprechungen glauben wollen. Oder weil sie auf jeden Fall Hillary Clinton verhindern wollen. Oder erfolgreiche, pragmatische Geschäftsleute, die vor allem wollen, dass ein Republikaner im Weißen Haus sitzt, wenn vielleicht sogar drei neue Richter des Obersten Gerichtes bestimmt werden. Wissend, dass nicht dort die grundsätzlichen Richtungsentscheidungen getroffen werden, sondern dass diese Positionen auf Lebenszeit besetzt werden. Ein Präsident aber erst mal nur für vier Jahre. Und daran wird auch ein Donald Trump nichts ändern können.

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