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Aktuell Afrika

Parolen gegen die Tristesse in Siliana

In der tunesischen Provinzhauptstadt treiben Armut und Arbeitslosigkeit die Menschen zu Tausenden auf die Straße. Der nordafrikanische Staat weiß ebenfalls nur mit Gewalt zu antworten.

Bei Protesten tausender Menschen gegen schlechte Lebensbedingungen sind in der nordtunesischen Provinzhauptstadt Siliana mindestens 265 Menschen verletzt worden. Dies wurde aus Krankenhäusern in der Region bekannt. Den ganzen Mittwoch lang gab es Straßenschlachten zwischen Polizisten und aufgebrachten Demonstranten. Diese errichteten Straßensperren aus brennenden Autoreifen und warfen Steine auf die Beamten, die mit dem Einsatz von Tränengas antworteten. Nach lokalen Medienberichten wurden mehrere Polizeistationen und der örtliche Sitz der islamistischen Regierungspartei Ennahda in Brand gesteckt.

Forderung nach mehr staatlichen Investitionen

Die Demonstranten verlangen mehr Jobs und staatliche Investitionen in Siliana, den Rücktritt von Provinzgouverneur Ahmed Ezzine sowie die Freilassung von Gefangenen, die seit April 2011 in Haft sind. Als Hintergrund der bereits seit mehreren Tagen anhaltenden Proteste gelten vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die Armut in der Region. Siliana liegt rund 120 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tunis. Soziale Unruhen hatten auch den Sturz des langjährigen tunesischen Machthabers Zine el Abidine Ben Ali Anfang 2011 ausgelöst.

Ein Demonstrant in Siliana zündet Autoreifen an (Foto: Reuters)

Verzweiflungstat: Mit brennenden Autoreifen gegen Armut und Arbeitslosigkeit in Siliana

"Maßlose Polizeigewalt"

Am Mittwochabend zog sich die Polizei weitgehend zurück, es herrschte eine angespannte Ruhe. Die Geschäfte in Siliana waren geschlossen, die Straßensperren machten viele Straßen unpassierbar. Eine Gruppe Jugendlicher blockierte die größte Zufahrtsstraße zur Stadt, damit keine Verstärkung der Polizei anrücken konnte.

Der tunesische Gewerkschaftsverband UGTT verurteilte eine "maßlose Polizeigewalt" und rief zu neuen Demonstrationen an diesem Donnerstag auf. In seiner einzigen Reaktion auf die Proteste sagte Ministerpräsident Hamadi Jebali im Fernsehen, dass Ezzine "nicht gehen wird". Zuvor hatte die Regierung ein Gerücht dementiert, wonach der Gouverneur mit Jebali verwandt ist.

sti/rb (afp.dapd, dpa)