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Kultur

Parlament sucht architektonischen Königsweg

Seit mehr als einem Jahrzehnt scheiden sich die Geister an der Neugestaltung des Schlossplatzes in Berlin. Jetzt hat das Parlament entschieden: Die barocke Fassade des Hohenzollernschlosses soll rekonstruiert werden.

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Schlossplatz ohne Schloss

Während in Berlin seit 1990 ganze Quartiere neu errichtet wurden, pfeift über den ehemaligen Schlossplatz der Wind. Beinahe unmerklich hat sich die innerstädtische Brache zu einer städtebaulichen wie geschichtspolitischen Projektionsfläche entwickelt. An einem Ort, an dem so viele Erinnerungs- und Bedeutungsschichten einander durchdringen, scheint vieles denkbar und möglich. Neben einem rekonstruierenden Wiederaufbau stand auch ein offener
Architektenwettbewerb zur Diskussion oder eine interpretierende Rekonstruktion mit neuen und historischen Substanzen.

Verlust von DDR-Geschichte?

Über die verschiedenen Varianten der Schlossplatzbebauung wurde ebenso heftig debattiert wie über den Umgang mit geschichtsbedingten Verlusten, über unbequeme Denkmäler wie den ‚Palast der Republik', über Denkmäler als Wohlfühlkulissen der Gegenwart und die Rekonstruktion barocker Schlossfassaden als Zeugnis der geistigen Armut unserer Zeit. Die Diskussion, was mit der historischen Mitte
Berlins geschehen soll, währt nun schon mehr als 12 Jahre.
Schließlich geht es auch um die Frage, wie mit Kulturgut der DDR umgegangen wird. "Viele Ostdeutsche fühlen sich vor den Kopf gestoßen, wenn ein Stück DDR-Geschichte und damit auch ein Teil ihres Lebens einfach so entsorgt wird", kritisiert Rudolf Denner, Sprecher der Initiative "Rettet den Palast der Republik".

Als rastloser Befürworter einer Wiederherstellung der historischen Hohenzollern-Residenz misst Wilhelm von Boddien vom "Förderverein Berliner Stadtschloss" dem Schloss eine deutlich größere geschichtliche Tragweite bei als dem 14 Jahre lang genutzten Palastes der Republik. Vom Schlossplatz aus habe sich die Stadt entwickelt, ohne ihn und ohne die mächtige Residenz der preußischen Regenten
wäre Berlin über Jahrhunderte hinweg nicht vorstellbar gewesen.

Asbest im “Palast der Republik”

Das Schloss der Hohenzollern prägte das Berliner Stadtbild bis 1950 die DDR-Regierung die vom Krieg gezeichnete Ruine sprengen ließ. Die junge DDR favorisierte einen gewaltigen Aufmarschplatz im Zentrum der sozialistischen Stadt - flankiert vom neu errichteten Palast der Republik. Die erste frei gewählte Volkskammer musste das Gebäude 1990 jedoch wegen Asbestverseuchung schließen.

Anfang des Jahres 2000 beriefen der Bund und das Land Berlin die Expertenkommission “Historische Mitte Berlin“ ein. Sie empfahl: Auf dem Platz soll ein Neubau in Schlossdimension entstehen, mit barocken Fassaden an Nord-, West- und Südseite sowie einer modernen Variante Richtung Osten. Der Palast der Republik könne somit nicht
erhalten werden und müsse abgerissen werden.

Die Parlamentarier haben mit ihrer Entscheidung am Donnerstag das Ende vom Palast der Republik besiegelt
Bei der Abstimmung im Bundestag, für die der Fraktionszwang aufgehoben wurde, votierten die Abgeordneten für die originalgetreue Rekonstruktion.

Der Schlossplatz soll überwiegend öffentlich genutzt werden. Geplant ist ein "Humboldt-Forum" mit Museum, Bibliothek und einem Veranstaltungsbereich. Die Regierung hofft auf eine Wiederbelebung des historischen Zentrums in Berlin. Die Kosten für das Projekt von rund 700 Millionen Euro sollen sowohl durch öffentliche Mittel als auch durch private Anleger bereitgestellt werden.
  • Datum 05.07.2002
  • Autorin/Autor Silke Bartlick /Jessica Sturmberg
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2SjC
  • Datum 05.07.2002
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