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Asien

Parks Schein-Offerte an Pjöngjang

Eine koreanische Wiedervereinigung nach deutschem Vorbild – davon schwärmte Park Geun Hye bei ihrem Deutschland-Besuch. Experten allerdings üben jetzt Kritik an der Rede der südkoreanischen Präsidentin.

Am Ende sprach die südkoreanische Präsidentin deutsch. Und bediente sich eines geflügelten Wortes aus der Zeit nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. "Wir sind ein Volk", sagte Park Geun Hye Ende März bei ihrer

Rede

in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Und weiter: "Der Tag wird kommen, an dem diese mächtigen Worte, die die Menschen im Osten und Westen Deutschlands vereinten, auf der Koreanischen Halbinsel widerhallen."

Insgesamt sechs Seiten lang war das Rede-Manuskript, das die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap im Internet veröffentlichte. Sechs Seiten, auf denen Park die deutsche Wiedervereinigung pries und eine mögliche koreanische Version skizzierte. Koreanische Medien hatten die Rede im Vorfeld als bahnbrechend bezeichnet. Nordkorea-Experten allerdings teilen diese Auffassung nicht.

Kein Dialog mit der Gegenseite

Um die Lage auf der Koreanischen Halbinsel zu entspannen, hatte Park drei konkrete Angebote an die Adresse der nordkoreanischen Regierung im Gepäck: Finanzielle Unterstützung bei der Bewältigung der humanitären Probleme, Hilfe beim Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur und zivilgesellschaftliche Projekte, um eine kulturelle Wiederannäherung der Menschen auf beiden Seiten der Grenze zu ermöglichen.

Kim Jong Un auf einer Parteikonferenz in Pjöngjang am 25. Februar 2014 (Foto: dpa)

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un holte wenige Tage nach der Park-Rede zu einer neuen Verbal-Attacke aus

Das klinge erst einmal vielversprechend. Doch die Art und Weise, wie sie ihre Botschaft vorbringe, komme beim Norden nicht an, meint Aidan Foster-Carter, freier Nordkorea-Experte an der britischen Universität Leeds, gegenüber der Deutschen Welle. "Sie macht zwar eine Reihe von Vorschlägen, 'feuert' sie regelrecht ab. Aber ein Dialog mit der nordkoreanischen Führung – so schlimm diese auch sein mag – findet nicht statt."

Unsensible Wortwahl?

Aus Sicht Pjöngjangs sei die Rede in mehrfacher Hinsicht kein Zeichen für eine Kooperationsbereitschaft Seouls auf Augenhöhe gewesen, schreibt auch Rüdiger Frank, Professor am Institut für Ostasienkunde an der Universität Wien, am Donnerstag (03.04.) in einem Artikel für das US-Nordkorea-Portal

38north.org

. Mehrfach thematisierte Park die gemeinsame Geschichte, die die Bundesrepublik und Südkorea seit dem Zweiten Weltkrieg miteinander verbindet: Sie erwähnte beispielsweise die mehreren zehntausend Gastarbeiter aus Südkorea, die in den 60er und 70er Jahren in die damalige Bundesrepublik kamen und als Bergarbeiter und Krankenschwestern arbeiteten. Dass es zeitgleich auch einen regen Austausch zwischen der DDR und Nordkorea gab – das sprach Park Geun Hye dagegen nicht an.

Nordkorea-Experte Rüdiger Frank, Universität Wien (Foto: privat)

Rüdiger Frank gilt als einer der führenden deutschen Nordkorea-Experten

"Die Tatsache, dass Park sich komplett auf die Süd-West-Beziehungen beschränkt hat, wird in Nordkorea dahingehend interpretiert, dass der Norden nach einer Wiedervereinigung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen würde", so Rüdiger Frank. Die koreanische Geschichte nach 1945 wäre demnach eine rein südlich dominierte. Auch Errungenschaften Nordkoreas beispielsweise im technologischen Bereich würden dann möglicherweise keine Würdigung erfahren. "Für Nordkorea liest es sich so: Es ist egal, was ihr erreicht habt. Euer Ansatz war einfach falsch, daher ist er wertlos."

Zwischen den Zeilen stellt die zentrale Botschaft, die von der Park-Rede an die Adresse Nordkoreas ging, aus Sicht Pjöngjangs eine Bedrohung dar und ist potenziell existenzbedrohend, meint auch Aidan Foster-Carter. "Natürlich hört es sich erst einmal gut an, über Wiedervereinigung zu sprechen. Aber was bedeutet Wiedervereinigung denn konkret? Im Fall der Bundesrepublik war es doch auch so, dass die Gewichte ungleich verteilt waren, dass ein System das andere quasi geschluckt hat."

Dieselbe Rollenverteilung scheint auch der südkoreanischen Präsidentin vorzuschweben. Und ebenso klar ist, dass eine solche Vorstellung für Nordkoreas Elite ein völlig inakzeptables Szenario darstellen würde.

Vereinigung unter südkoreanischer Führung

Seit mehr als sechs Jahrzehnten sind Nord- und Südkorea mittlerweile getrennt. Und bis heute befinden sich beide Seiten völkerrechtlich betrachtet im Kriegszustand, ein Friedensvertrag wurde nie unterzeichnet, lediglich ein Waffenstillstandsabkommen beendete 1953 die Kampfhandlungen des Korea-Krieges.

Familientreffen im nordkoreanischen Ferienort Kumgang am 22. Februar 2014 (Foto: REUTERS/Lee Ji-eun/Yonhap)

Ende Februar fanden nach mehr als drei Jahren Pause erstmals wieder Zusammenführungen von im Krieg getrennten Familien statt

Das Thema Wiedervereinigung steht auf der politischen Agenda der 62jährigen Park – der ersten Frau an der Staatsspitze Südkoreas – ganz weit oben. Das betont sie selbst immer wieder, nicht nur in Dresden. Anfang April nahm eine neue Kommission unter ihrem persönlichen Vorsitz die Arbeit auf. Sie soll eine mögliche Wiedervereinigung prüfen und vorbereiten. Für Nordkorea-Experte Aidan Foster-Carter allerdings erschließt sich die Gründung dieser Kommission nicht. "So etwas gibt es in Südkorea bereits, und es gibt auch ein Wiedervereinigungsministerium. Warum braucht man jetzt noch etwas Neues?"

Unklarer Kurs des Südens, deutliche Antwort des Nordens

Insgesamt hat Park mit ihrer Nordkorea-Politik seiner Einschätzung nach bislang keine klare Linie gefunden, so Foster-Carter weiter. Vielmehr fahre sie einen Zickzack-Kurs, sende widersprüchliche Signale. Beispiel: die in Aussicht gestellte humanitäre Hilfe für Nordkorea. Tatsächlich gibt es in Südkorea NGO's, die bereits zur Zeit der Sonnenscheinpolitik unter Präsident Kim Dae Jung und seinem Nachfolger Roh Moo Hyun aktiv waren und ihre Arbeit nur zu gern wieder aufnehmen würden. Offiziell ist derartige Hilfe von Regierungsseite erlaubt. In der Praxis aber stellt sich die Sache komplizierter dar: Erst Mitte März wurde eine gemeinsame Kampagne, bei der es darum ging, Düngemittel zu liefern, vom südkoreanischen Wiedervereinigungsminister plötzlich gestoppt. Die Zeit "sei noch nicht reif für Düngemittel", hieß es zur Begründung. "Es ist einfach nicht klar, welchen Kurs die Präsidentin verfolgt", meint Foster-Carter.

Klar ist dagegen, was Pjöngjang von der Rede der südkoreanischen Präsidentin hält. Die Antwort des Nordens in den Tagen darauf kam prompt – und fiel aggressiv aus: Nordkorea drohte mit einer "neuen Form" von Atomtest und provozierte außerdem mit Schießübungen an der umstrittenen Seegrenze beider Länder.

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