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Kultur

Park der Ostalgie

"Auferstanden aus Ruinen" – 13 Jahre nach dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik soll in den Industrieruinen in Berlin-Oberschöneweide eine Mini-DDR wiederentstehen. Mit einem entscheidenden Unterschied.

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"Bei Rot bleibe steh'n, bei Grün darfst du geh'n!"

Das mit der Unterdrückung – das soll wegfallen. Sonst soll die Mini-DDR alles haben, was das Original auch hatte: Trabis, Spreewaldgurken und Volkspolizisten. Schließlich plant Peter Massine einen Erlebnispark DDR und keine Mini-Diktatur. Der Berliner Unternehmer, der bislang vor allem in der Musical-Branche aktiv war, will mit Hilfe von Geldgebern mehrere Millionen Euro investieren. Auf über 10.000 Quadratmetern Fläche sollen die Besucher der Mini-DDR erfahren können, wie es sich in der sozialistischen Wertegemeinschaft auf deutschem Boden so lebte.

Mit der Brigade in den Sobotnik

Vom Zwangsumtausch als Eintritt bis hin zur Einkaufstour durch den Konsum mit Ostprodukten ist alles drin. Für den wohligen Schauer über den Rücken sorgen die omnipräsenten Stasi-Spitzel und vielleicht auch der Anblick ostdeutscher Piefigkeit im original eingerichteten DDR-Wohnzimmer. Entspannung vom anstrengenden Alltag der sozialistischen Gesellschaft verschafft der Besuch des beliebtesten Ausflugsziels der echten DDRler – der Datsche. Und damit alle gemäß ihres Vorwissens genau die richtige Dosis real existierenden Sozialismus abbekommen, wird direkt nach dem Grenzübertritt jeder einer Brigade zugeteilt. Diese darf dann gemeinsam in den Sobotnik – zu deutsch: Arbeitseinsatz – ziehen, Arbeiterliedgut trällern und Rotkäppchensekt schlürfen.

Von Neuschwanstein in den Sozialismus

Angesprochen wird vor allem das deutsche Publikum. Dem Wessi wird vorgeführt, welchem eintönigen und unendlich langweiligem Grauen er gerade noch entronnen ist, und Ossipapa kann dem Sohnemann mal zeigen, wie sehr sie damals gelitten haben unter der Herrschaft von Sättigungsbeilagen der Mitropa, Plaste und Elaste aus Schkopau und des Dederon-Einkaufsbeutels.

Massine rechnet aber auch mit ausländischen Touristen. Gerade Amerikaner und Japaner dürften vom Erlebnispark DDR begeistert sein. Die Mini-DDR könnte somit ein Highlight diverser Busreisen werden – von Neuschwanstein über Heidelberg direkt in den Sozialismus – marvellous and so authentic!

Den Hintergrund deutlich machen

Ein DDR-Disneyland haben die Erlebnispark-Entwickler aber nicht im Sinn, wie Peter Massine betont. Vielmehr gehe es darum ein Stück Alltag zu zeigen. Alles soll so authentisch wie möglich werden, deshalb werde gründlich recherchiert – auch mit wissenschaftlichem Beistand. Den braucht der Erlebnispark auch, meint jedenfalls Kornelia Lobmeier vom Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig. Die Sachsen haben sich ganz der Aufarbeitung der DDR-Geschichte verschrieben. "Grundsätzlich ist der Erlebnispark keine schlechte Sache, wenn er dazu beiträgt, dass sich die Menschen mit der DDR-Geschichte auseinander setzen", so Lobmeier. Wenn es aber nur beim Aha-Erlebnis bleibe und einfach nur das nostalgische Element befördert würde, dann sei die Gefahr der Verharmlosung der DDR groß. "Die Hintergründe müssen erläutert werden, es geht nicht, einfach nur Alltag zu zeigen und alle sagen dann, ja das kenne ich."

Ostalgie als Trend

Die DDR ist zur Zeit wieder "in" – jedenfalls teilweise. Ostalgie ist Trend: Der Ossi-Versand in Sachsen-Anhalt verkauft sehr erfolgreich Ostprodukte und der Erfolg des Filmes "Good Bye Lenin!" spricht Bände. Da kommt Peter Massine mit seinem Erlebnispark DDR gerade zur rechten Zeit. Wenn er und seine Geldgeber das Geld aufbringen können, kann es wirklich bald heißen "Auferstanden aus Ruinen".

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