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Wissen & Umwelt

Pariser Abkommen: Rettung für das Weltklima?

Am heutigen Freitag tritt das Pariser Abkommen zum globalen Klimaschutz in Kraft. 97 Länder haben es schon ratifiziert. Die Staaten müssen nun beginnen, die Weichen für den Klimaschutz zu stellen. Was wird sich ändern?

Frankreich Cop21 Klimagipfel in Paris Klimaabkommen beschlossen (Reuters/S. Mahe)

Jubel in Paris: Auf dem Klimagipfel wurde vor einem Jahr das Abkommen beschlossen

Es ist kaum ein Jahr her, da verständigten sich bei der UN-Klimakonferenz in Paris 195 Staaten auf ein globales Klimaabkommen: Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden, möglichst auf unter 1,5 Grad.

An diesem Freitag ist das UN-Abkommen in Kraft getreten. 97 Staaten haben es bislang ratifiziert, unter ihnen sind die größten Klimasünder USA, China, die EU und Indien. Die Mindestanforderungen für das Inkrafttreten des globalen Vertrags wurden somit erfüllt. Die Ratifizierung in so kurzer Zeit von so vielen Ländern gilt als historisch und dokumentiert einen Wendepunkt in der Klimapolitik.

Was ist Ziel des Abkommens?

Um die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen die Emissionen von Treibhausgasen sehr schnell sinken. Das Klimagas Kohlendioxid wird bei der Verbrennung von fossilen Energien und durch Abholzung von Wäldern freigesetzt. Es ist hauptverantwortlich (72 Prozent) für den Treibhauseffekt. Um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, muss die Energieversorgung mit Kohle, Öl und Gas bis 2050 beendet werden - zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels noch eher.

Die Treibhausgase Methan und Lachgas (N2O) tragen zu rund einem Viertel zur Erderwärmung bei und werden vor allem in der industriellen Landwirtschaft freigesetzt. Methan entsteht in den Mägen von Kühen und Schafen und Lachgas durch die Düngung. Eine geringere Fleisch- und Milchproduktion und eine geringere Düngung helfen, die Emissionen zu senken. 

Ausgeglichen werden sollen die Treibhausgase zunehmend auch durch Aufforstungen. Bäume holen CO2 aus der Luft und binden es wieder im Holz. 

Ausgeklammert bleibt beim Pariser Klimaabkommen jedoch der internationale Flug- und Schiffsverkehr. Der Anteil des Flugverkehrs am Treibhauseffekt liegt derzeit bei über fünf Prozent. Und da alle Prognosen mit steigenden Flugverkehr rechnen, sind die Aussichten trotz effizienterer Flugzeuge nicht gut. Der Anteil des internationalen Schiffsverkehrs an den globalen Treibhausgasemissionen liegt bei etwa drei Prozent. 

Wozu haben sich die Länder verpflichtet?

Mit dem UN-Klimavertrag verpflichten sich alle Staaten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen. Im Vorfeld der Pariser Konferenz reichten sie die Entwürfe für ihre nationalen Klimaziele ein. Die sind je nach Land und Entwicklungsstand sehr unterschiedlich: So verpflichtet sich beispielsweise die EU, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Die USA sagten eine Reduktion um 26 bis 28 Prozent bis 2025 im Vergleich zu 2005 zu.

Länder wie Marokko und China verpflichten sich, den Anstieg der Emissionen zu bremsen. Deshalb bauen beide Länder die erneuerbaren Energien stark aus. Marokko will bis 2030 einen erneuerbaren Stromanteil von 52 Prozent in seinem Strommix. Chinas Ziel ist es, dass der Ausstoß von Treibhausgasen spätestens 2030 nicht weiter ansteigt.

Hauptverursacher für den Klimawandel sind die Industriestaaten. Ab 2020 sollen sie jährlich 100 Milliarden Dollar (92 Milliarden Euro) an ärmere Länder zahlen, damit diese Klimaschutzmaßnahmen und eine saubere Energieversorgung aufbauen können.

Um die Erderwärmung auf 1,5 oder zwei Grad zu begrenzen, reichen nach Angaben des UN-Klimasekretariats die eingereichten Reduktionsziele der Länder jedoch nicht aus. Selbst wenn alle Ziele erreicht werden, würde nach Berechnungen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die Erdtemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit großer Wahrscheinlichkeit um 2,4 bis 2,7 Grad ansteigen. 

Wendepunkt für den Planeten?

Die schnelle Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens von vielen Ländern gilt als Wendepunkt in der globalen Klimapolitik. Sie sei "historisch im Kampf für den Erhalt unseres Planeten für zukünftigen Generationen", sagte US-Präsident Barack Obama. UN-Klimasekretärin Patricia Espinosa sieht in dem Abkommen den Grundstein für einen nachhaltigen Wandel: "Es ist eine andere Welt als wir sie heute kennen", so Espinosa im DW-Interview.

Primäre Herausforderungen sind nun der schnelle Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien, der Umstieg auf saubere Technologien und die Energieeffizienz. Das UN-Klimasekretariat ist optimistisch, dass in den kommenden Jahren weltweit eine Dynamik entsteht, die die Länder ermutigt, noch ehrgeiziger beim Klimaschutz zu werden.

Infografik Wie schafft die Welt den CO2-Ausstieg? Deutsch

Fossile Energien verursachen die meisten Treibhausgase. Sauber Technologien könnten die Energieversorgung übernehmen.

Mit entsprechendem Ehrgeiz könnten nach Prognosen von Klimaforschern die vereinbarten Klimaziele noch erreicht werden. Bei einer Temperaturerhöhung um 1,5 Grad könnten nach Angaben von PIK noch einige Korallenriffe in den Meeren überleben und der Meeresspiegel würde bis zum Jahr 2100 um wahrscheinlich "nur" 40 Zentimeter steigen.

Eine Temperaturerhöhung um zwei Grad könnte dagegen schon das Ende aller Korallenriffe bedeuten. Zudem gäbe es noch mehr Dürren, extreme Starkregen und Ernteausfällen. Der Meeresspiegel wäre nach Berechnung von PIK im Jahr 2100 rund 50 Zentimeter höher als heute und durch das weitere abschmelzende Eismassen im Jahr 2300 1,5 bis vier Meter höher.

Das hätte verheerende Konsequenzen für die Küstenregionen in der Welt. Besonders betroffen wären die Niederlande, Bangladesch, Venedig, New York, Tokio, Sydney, Mumbai und London. Heute leben weltweit 46 Millionen Menschen weniger als einem Meter oberhalb des Meeresspiegels.  

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