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Aktuell Europa

Paris: Was wir bisher wissen - und was nicht

Nach den Terroranschlägen in der französischen Hauptstadt fügen Ermittler die Puzzleteile der Tatnacht zusammen. Fünf Täter sind identifiziert, ein mutmaßlicher Mithelfer ist auf der Flucht. Noch ist vieles unklar.

Sechs Tatorte, drei Kommandos, sieben getötete Terroristen. Aber wer sind die Täter wirklich? Allmählich gelingt es den französischen Ermittlern, ein klareres Bild der Vorgänge während der Terrornacht in Paris zu zeichnen. Drei Attentäter sprengten sich in unmittelbarer Nähe des Fußballstadions "Stade de France" in die Luft, nachdem sie Medienberichten zufolge daran gehindert wurden, das Stadion zu betreten.

Drei weitere Attentäter führten die Geiselnahme und das Massaker im Konzertsaal "Bataclan" aus. Von ihnen zündeten zwei ihre Sprengstoffgürtel, einer wurde vor der Zündung von der französischen Polizei erschossen. Das dritte Terror-Team führte Attentate auf verschiedene Restaurants und Bars in der Pariser Innenstadt aus.

Fünf der getöteten Attentäter sind inzwischen identifiziert. Ismael Omar Mostefai (29) und Samy Amomour (28), beide französische Staatsbürger, starben im "Bataclan". Auch die Franzosen Bilal Hadfi (20) und Brahim Abdeslam (31) wurden identifiziert. Sie sollen zuletzt in Belgien gelebt haben. Weltweit gesucht wird der 26-jährige gebührtige Belgier Abdeslam Salah, der an den Anschlägen beteiligt gewesen sein soll. Er ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter und hatte einen Wagen mit belgischem Kennzeichen angemietet, der in der Nähe des "Bataclan" gefunden wurde. Stunden nach dem Anschlag geriet er nahe der belgischen Grenze in einem anderen Auto mit zwei Mitreisenden in eine Routinekontrolle, die Polizei ließ ihn aber weiterfahren.

Frankreich Paris Terroranschläge Fahndungsfoto Abdeslam Salah

Der 26-jährige Abdeslam Salah soll an den Pariser Anschlägen beteilgt gewesen sein und wird weltweit gesucht

Fragen wirft noch die Leiche eines fünften Attentäters auf, der am Stade de France ums Leben kam und bei dem ein syrischer Pass gefunden wurde. Der 25-Jährige namens Ahmed al-Mohammed wurde laut griechischen Behörden am 3. Oktober auf Insel Leros als Flüchtling registriert und soll am 7. Oktober in Serbien eingetroffen sein. Ob der Attentäter tatsächlich als Flüchtling getarnt von Syrien aus in die EU gelangte, steht noch nicht zweifelsfrei fest, da die Echtheit des Passes noch nicht bestätigt werden konnte. Experten glauben bislang eher an eine bewusst gelegte falsche Fährte.

Vieles ist noch offen: Weder ist bekannt, wie viele Täter und Komplizen hinter dem Anschlag stecken, noch sind alle getöteten Terroristen zweifelsfrei identifiziert. Bei mehr als 170 Razzien der französischen Polizei am Wochenende wurden Waffen gefunden und 23 Personen festgenommen. Auch in Belgien kam es zu sieben Festnahmen von Verdächtigen. Fünf von ihnen wurden inzwischen wieder freigelassen, gegen die restlichen zwei hat die belgische Justiz Strafverfahren wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an den Attentaten eröffnet.

Brüssel Belgien Molenbeek Razzia Anti Terror Einsatz

Im Fokus der Ermittlungen: Der Brüsseler Stadtteil Molenbeek gilt als Islamistenhochburg

Rätsel gibt derweil immer noch ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Unklar ist auch die Rolle eines nach den Anschlägen im Sauerland festgenommenen Algeriers. Er soll gegenüber Mitbewohnern in einer Flüchtlingsunterkunft geäußert haben, dass in Paris etwas passieren werde.

Als Drahtzieher der Pariser Anschläge gilt der 28-jährige Abdelhamid Abaaoud, der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gekämpft haben. Schon am Samstag hatte sich der IS in einer Erklärung zu den Anschlägen in Paris bekannt.

Wer sind die Opfer?

129 Menschen kamen bei den Anschlägen in Paris ums Leben, darunter mehr als 80 im "Bataclan". 352 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Die Opfer stammten aus insgesamt 19 Ländern, erklärte Frankreichs Präsident François Hollande vor dem Kongress in Versailles. Unter den Getöteten befinden sich auch zwei deutsche Staatsangehörige. Einer sei 32 Jahre alt, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Bei dem anderen handele es sich um einen 28-Jährigen aus Bayern, der schon länger in Paris lebte. Ob unter den Verletzten auch Deutsche sind, ist nicht bekannt.

Was passiert jetzt?

Frankreich antwortete auf die Terroranschläge bereits am Sonntag mit massiven Luftangriffen auf IS-Stellungen im syrischen Rakka. Die französische Regierung schließe im "Krieg" gegen den Terror "keine Lösung" aus, so Frankreichs Premierminister Manuel Valls.

Deutschland hatte schon unmittelbar nach der Terrorwelle in Paris eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen beschlossen, etwa verstärkte Polizeipräsenz and Flughäfen und Bahnhöfen sowie intensivere Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze. Laut Bundesjustizminister Heiko Maas würden Islamisten nun verstärkt durch die deutschen Geheimdienste überwacht. Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigte unterdessen am Rande des G20-Gipfels an, das Personal der britischen Sicherheits- und Geheimdienste um 15 Prozent aufstocken zu wollen.

Infografik Karte Anschläge in Paris Artikelbild Deutsch

Die Anschläge fanden koordiniert an sechs Tatorten in Paris und im Vorort Saint-Denis statt

Am Montag drohte der IS in einem Video mit weiteren Anschlägen gegen Länder, die sich an Luftangriffen auf die Extremistenmiliz in Syrien beteiligten. Die USA wurden explizit als potentielles Angriffsziel genannt. Vor dem Kongress kündigte Frankreichs Präsident François Hollande weitere Militäroperationen gegen die Terrormiliz an. Frankreich hat seine EU-Partner zu einem entschiedeneren Engagement gegen den Terrorismus ausgerufen. Dies beinhalte etwa eine bessere Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Geheimdiensten sowie schärfere Waffengesetze, sagte Europaminister Harlem Désir in Brüssel.

hk/qu (dpa, afp, rtr)