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Europa

Paris: Tausend Fragen bleiben

Ein Konzert als Katharsis und eine parlamentarische Untersuchung – hilft das den Angehörigen der Terroropfer auf ihrem langen Weg zurück in die Normalität? Aus Paris berichtet Elizabeth Bryant.

Warum dauerte es zwei Stunden, bis die Polizei das Bataclan stürmte, während in dem Konzertsaal Verwundete neben den Toten lagen und langsam verbluteten? Eine von tausenden Fragen, die sich Angehörige der Opfer des Anschlags vom 13. November stellen. Allein im Bataclan starben an diesem Abend 90 Menschen, als islamistische Terroristen mit Kalaschnikows in die Menge schossen.

Warum waren die Leitungen besetzt, als sie versuchten, an Informationen über ihre Liebsten zu kommen? Noch eine Frage, die sich viele Familien der Opfer stellen. "Wir erwarten Antworten", sagt Georges Salines, der über Twitter vom Tod seiner Tochter Lola erfahren musste. Seine Aussage konnte er vor einer parlamentarischen Untersuchungskommission machen, die in dieser Woche in Paris ihre Arbeit aufgenommen hat.

Jedes Detail zählt

Dort beschrieb Caroline Langlade, die sich im Bataclan gemeinsam mit 40 anderen Geiseln in einem Nebenraum versteckte, wie sie mit ihrem Handy versuchte, die Polizei um Hilfe zu bitten. Man habe ihr gesagt, sie müsse lauter sprechen und, als sie versuchte, ihre Lage zu erklären, schließlich aufgelegt.

Georges Salines mit einem weiteren Mitglied der Gruppe 13 November: Brüderlichkeit und Wahrheit (Photo: Getty Images/AFP/D. Faget)

"13 November: Brüderlichkeit und Wahrheit": Georges Salines mit einem weiteren Mitglied der Gruppe

Die Kommission, von der konservativen Opposition angefordert, soll bis Juli ihren Bericht vorlegen. Für manche der Überlebenden und die Familien der Opfer ist es enorm wichtig, jedes Detail der Anschläge zu kennen. Dies kann ein wichtiger Schritt im Heilungsprozess sein.

Ein kleiner Teil Wahrheit

"Ich glaube nicht, dass wir die ganze Wahrheit erfahren werden", aber vielleicht einen kleinen Teil der Wahrheit", sagte der 29-jährige Emmanuel Domenach, der den Anschlag im Bataclan überlebte. Die Menschen wollen wissen, was mit ihrem Sohn, Bruder oder Vater geschehen ist. Und wie junge Franzosen und Belgier dazu kommen konnten, andere junge Menschen zu töten."

Konzert der Eagles of Death Metal in Paris (Photo: Getty Images/AFP/J. Saget)

Wieder in Paris auf der Bühne: Die "Eagles of Death Metal"

Mehrere Opferverbände wurden in den vergangenen Wochen gegründet, darunter "13 November: Brüderlichkeit und Wahrheit", ein Netzwerk, das Angehörige von Opfern und Überlebenden verbindet. Georges Salines, ein Arzt, steht der Vereinigung vor. Sie hilft den Mitgliedern, sich im Dickicht der Bürokratie zur Erlangung von staatlicher Hilfe zu Recht zu finden. Der Verein möchte auch als juristische Person bei einem Prozess auftreten, um so mehr Informationen zu erlangen.

Rückkehr der "Eagles of Death Metal"

Für einige Angehörige und Überlebende war die Rückkehr der Band "Eagles of Death Metal" ein entscheidender Moment. Sie spielte nicht im Bataclan, das noch nicht wieder geöffnet hat, sondern in der Olympiahalle, wo viel Sicherheitspersonal den Auftritt schützte.

Emmanuel Domenach, der im November mithilfe eines Türstehers aus dem Bataclan entkommen konnte, war nun bei der Neuauflage des Konzerts dabei. "Vorher hatte ich die Befürchtung, dass das Konzert zu traurig werden würde, dass es zu sehr um den 13. November gehen würde. Aber die Band hat uns zweieinhalb Stunden lang eine richtig gute Show geboten."

Ein symbolischer Moment

"Ich habe den Moment genossen", sagte Domenach, der in der Rechtsabteilung der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF arbeitet. "obwohl ich immer wieder an ein Mädchen denken musste, das im Bataclan direkt neben mir getanzt hat und jetzt tot ist."

Seit dem Anschlag kämpft Domenach mit Depressionen. Er fürchtet sich manchmal davor, die U-Bahn zu benutzen oder ins Kino zu gehen. Seit Neuestem gehe es ihm aber besser, so sagt er. Wie Salines gehört er zur Gruppe "13 November: Brüderlichkeit und Wahrheit".

Auch Salines war zum erneuten Konzert der Band gekommen, obwohl die "Eagles of Death Metal", so sagt er, "nicht so mein Ding" sind. "Ich wollte dort sein und dieses Konzert mit abschließen, wie es Bandleader Jesse Hughes ausgedrückt hat. Es war ein symbolischer Moment." Seine Familie halte stark zusammen und erfahre viel Unterstützung, sagt Salines. "Wir werden den Verlust überwinden, aber es ist nicht leicht."