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Afrika

Paris gibt Akten zu Völkermord in Ruanda frei

Welche Rolle spielte Frankreich bei dem Völkermord in Ruanda? Bisher unter Verschluss gehaltene Archivakten könnten ein neues Licht auf diese Frage werfen. Der Elysée-Palast hat der Freigabe der Dokumente nun zugestimmt.

Ein Besucher geht in der Genozid-Gedenkstätte Gisozi nahe Kigali in Ruanda durch das Museum des Völkermordes zwischen den Tutsi und Hutus im Jahr 1994. (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Ein Raum der Genozid-Gedenkstätte Gisozi nahe Kigali in Ruanda

Genau 21 Jahre nach dem Beginn des Völkermordes hat die französische Präsidentschaft Archivakten aus dieser Zeit freigegeben. Der Generalsekretär des Elysée-Palastes habe die Freigabe am Dienstag in Paris unterzeichnet, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld von Präsident Francois Hollande.

Die Entscheidung betrifft demnach französische Akten zu Ruanda aus den Jahren 1990 bis 1995. Künftig sollen Wissenschaftler und Opferorganisationen Zugang zu den Akten bekommen, zu denen beispielsweise Protokolle von Ministertreffen gehören. Die Sperrung der Dokumente wurde bislang mit dem "secret-défense" gerechtfertigt, einer mit militärpolitischen Erfordernissen begründeter Geheimhaltungsstufe.

Belastetes Verhältnis zwischen Ruanda und Frankreich

Die Archivakten könnten ein neues Licht auf die Rolle Frankreichs im Ruanda-Konflikt werfen. Dem Völkermord waren rund 800.000 Menschen zum Opfer gefallen. Die meisten gehörten der Minderheit der Tutsi an. Die mehrheitliche Bevölkerungsgruppe der Hutu hatte nach dem tödlichen Anschlag auf Präsident Juvenal Habyarimana am 6. April 1994 einen wochenlangen Rachefeldzug gegen die Tutsi gestartet.

Der Völkermord belastet die Beziehungen zwischen Frankreich und Ruanda seit Jahren. Ruandas amtierender Präsident Paul Kagame, dessen politischer Aufstieg nach dem Ende des Massakers begann, wirft Frankreich und Belgien vor, bei der politischen Vorbereitung der Massenmorde in der ehemaligen belgischen Kolonie eine direkte Rolle gespielt zu haben. Die französischen Soldaten, die zur Zeit des Genozids in Ruanda stationiert waren, seien "Komplizen" der Mordtaten gewesen, so Kagame. Die französische Regierung weist die Vorwürfe seit jeher zurück.

sp/fab (afp, dpa)