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Filme

Paranoia-Thriller: "Die drei Tage des Condor"

Robert Redford glänzte 1975 in einem Film über die gefährlichen Machenschaften der CIA. Der Film von Regisseur Sydney Pollack hat über vier Jahrzehnte auf dem Buckel - doch wie aktuell er ist, zeigen jüngste Skandale.

Wenn der Staat in der Demokratie zum eigentlichen Feind wird. Wenn Sicherheitsbehörden sich krakenhaft ausbreiten und innerhalb demokratischer Systeme außer Kontrolle geraten. Wenn Überwachung den eigentlichen Sinn und Zweck missachtet und zum Problem wird. Das sind die Themen, die in den sogenannten "Paranoia-Filmen" des "New Hollywood"-Kinos der 1970er Jahre behandelt wurden.

Eine neue Regiegeneration am Ruder

Nach der Watergate-Affäre von 1972 griffen Filmemacher wie Francis Ford Coppola, Alan Pakula oder eben auch Sydney Pollack diese Sujets auf und schufen eine ganze Reihe aufregender politisch brisanter Filme. Robert Redford spielte in einigen dieser Paranoia-Filme mit, in denen das Misstrauen gegen eben jene staatliche Organe, die eigentlich für die Sicherheit der US-Bürger sorgen sollten, thematisiert wurde.

Filmszene aus dem US-Thriller Die drei Tage des Condor mit Robert Redford und Faye Dunaway (Foto: Studiocanal)

Ein Mann wird gejagt: Robert Reford in "Die drei Tage des Condor"

Ein Film wie "Die drei Tage des Condor" ist beim Wiedersehen nach vier Jahrzehnten kaum gealtert. Die Ausspähung von Politikern, Wirtschaftsinstitutionen und Privatleuten durch die NSA und deren Folgen, auch auf internationaler Ebene, hat in jüngster Zeit zu massiven Verwerfungen und einem Vertrauensbruch sogar zwischen befreundeten Staaten geführt.

Klassiker des politischen Kinos - aktueller denn je

Dass der Staat bei der Verbrechensbekämpfung zu Mitteln greift, die nicht nur am Rande der Legalität, sondern auch außerhalb dieser liegen, lässt sich aber auch hierzulande, in Deutschland, beobachten. Die zwiespältige Rolle des Verfassungsschutzes bei der NSU-Mordserie wird gerade erst mühsam aufgearbeitet.

Filmszene aus dem US-Thriller Die drei Tage des Condor mit Robert Redford und Faye Dunaway (Foto: Studiocanal)

Eine von Faye Dunaway gespielte Fotografin wird zufällig in das Geschehen hineingezogen

Der inzwischen als Klassiker des Politthrillers geltende Film "Die drei Tage des Condor" hat 1975 nicht nur auf das damals aktuelle Geschehen reagiert, er hat auch - das wird heute deutlich - vieles vorweggenommen.

Unter dem Deckmantel der Literatur

Joseph Turner (Robert Redford) arbeitet in "Die drei Tage des Condor" in einem CIA-Büro in New York. Seine völlig anonym arbeitende Spezialeinheit, die unter dem Decknamen "American Literary Historical Society" operiert, hat die Aufgabe, Literatur zu sichten und im Hinblick auf politische und verbrecherische Strategien zu untersuchen.

Genreklassiker: ein unschuldiger Held auf der Flucht

Turner, der unter dem Decknamen "Condor" agiert, verlässt eines Morgens kurz das Büro, um seine Mitarbeiter mit Lunch zu versorgen. Bei seiner Rückkehr findet er seine Kollegen bestialisch ermordet wieder. Sehr schnell wird klar, dass auch Condor auf der Liste der unbekannten Mörder steht. Doch wer steckt hinter der Tat? Wer ist für den siebenfachen Mord an CIA-Mitarbeitern mitten im Herzen New Yorks verantwortlich?

Filmszene aus dem US-Thriller Die drei Tage des Condor mit Robert Redford und Faye Dunaway (Foto: Studiocanal)

In den 1970er Jahren war der Film ein Kassenhit

Was nun folgt, ist die klassische Geschichte eines zu Unrecht verfolgten Helden auf der Flucht - Alfred Hitchcock lässt grüßen. Turner/Redford ist alles andere als ein typischer CIA-Agent. Redford spielt einen leicht vergeistigt wirkenden Bücherwurm, der sich mit Geschick, Glück und Mut vor seinen Verfolgern retten kann und ungeahnte Action-Qualitäten entwickelt. Viele Szenen wurden im 2001 zerstörten World Trade Center gedreht.

"Ich bin jetzt 75 und in diesem Land groß geworden", so Robert Redford bei einem Interview anlässlich eines Deutschland-Besuches vor drei Jahren. Er habe den Zweiten Weltkrieg als Kind erlebt, die McCarthy-Zeit mit der Kommunistenhetze, die Ermordung von Präsident Kennedy, den Watergate-Skandal unter Nixon, die Iran-Contra-Affäre unter Reagan, später dann "George W. Bush und die acht Jahre Verwüstung, die er über unser Land gebracht hat." Das seien Schocks für das Wertesystem der USA gewesen.

Filmszene aus dem US-Thriller Die drei Tage des Condor mit Robert Redford und Faye Dunaway (Foto: Studiocanal)

Eine seiner besten Rollen: Redford in "Die drei Tage des Condor"

Redford: "Es geht mir um die amerikanischen Werte"

"Es ging mir immer um die amerikanischen Werte und um das, was diese Werte bedrohte", so Redford in dem Interview. Das seien immer schon die Geschichten gewesen, die er habe erzählen wollen: "Schon vor 40 Jahren: Ob es 'Der Kandidat' ist, der die Verflachung der Politik zeigt. Oder 'Die Unbestechlichen' über die Watergate-Affäre, 'Die drei Tage des Condor' über die Geheimdienst-Paranoia."

Eben jene Geheimdienste machen sich in Pollacks Film selbständig, arbeiten eigenmächtig ohne Kontrolle und Wissen des Staates. Was Pollack/Redford daraus gemacht haben, ist auch heute noch mitreißend anzusehendes Polit-Kino, in dem der Einzelne zum Gegenspieler einer diffusen Bedrohung durch staatliche Institutionen wird. "In einer Welt, in der er sich auf nichts mehr verlassen kann, wird sein eigenes Handeln zum einzigen Maßstab", beschrieb der Filmkritiker Michael Althen die Rolle des Helden Condor/Redford in dem Film.

Eine Studie in Sachen Einsamkeit

"Die drei Tage des Condor" ist alles andere als verkopftes Polit-Kino. Der Film ist auch eine Studie in Sachen Einsamkeit. Hans Schifferle schrieb anlässlich der Berlinale-Retrospektive "New Hollywood" 2004: "Selbst in einem Gegenwartsfilm wie 'Die drei Tage des Condor' ist die Suche nach dem entschwundenen Glück spürbar. Da macht Faye Dunaway Schwarzweißfotos, die Robert Redford als spätherbstlich bezeichnet, Fotos von verlassenen Parks, von leeren Straßen. Dieses Vakuum ist noch schwerer zu ertragen, als die undefinierbare Bedrohung, die über New York liegt (…). Redford verkörpert wie kein anderer Akteur eine amerikanische Ursprünglichkeit, die Pollack bewundert, aber auch immer wieder hinterfragt."

So ist "Die drei Tage des Condor" noch nach so vielen Jahren ein sehenswerter Film - ein Politthriller mit einer Vielzahl aktueller Bezüge, aber auch ein melancholischer Abgesang auf ein Amerika der 70er Jahre. Ein Film, der kaum gealtert ist.

Sydney Pollack: Die drei Tage des Condor, USA 1975, mit Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow u.a., 117 Minuten, beim Anbieter Studiocanal innerhalb der Reihe "Thriller Collection" neu auf Blu-ray und DVD erschienen.

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