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Politik

Paraguay vor historischem Wechsel?

Die Präsidentschaftswahl in Paraguay könnte am Sonntag zu einem historischen Ereignis für das südamerikanische Land werden. Der seit sechs Jahrzehnten regierenden konservativen Colorado-Partei droht der Machtverlust.

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Fernando Lugo: Ex-Bischof, bald Präsident?

Die Colorado-Kandidatin Blanca Olevar, von 2002 bis 2007 Bildungsministerin unter dem scheidenden Staatschef Nicanor Duarte, liegt jüngsten Umfragen zufolge nur auf dem dritten Platz. Favorit für die Wahl am Sonntag (20.04.2008) ist der vom Vatikan suspendierte ehemalige Bischof und Befreiungstheologe Fernando Lugo mit 34 Prozent, gefolgt vom rechtsgerichteten General Lino Oviedo mit 29 Prozent.

Paraguay Wahlen Plakat mit Pferd

Trügerische Ruhe: Wahlplakat für Blanca Olevar in Asunción

Der Wahlkampf wurde mit harten Bandagen und mit zahlreichen Schlägen unter die Gürtellinie ausgetragen. Dabei tat sich unter anderen die Colorado-Partei hervor, die ihre Macht nach den Worten ihres aussichtsreichen Kontrahenten Lugo "um jeden Preis" verteidigen will. Die 50-jährige Olevar, die sich als erste Frau in der Geschichte des Landes um das höchste Staatsamt bewirbt, versicherte jedoch, sie werde eine Niederlage annehmen - auch wenn sie "nur eine einzige Stimme" zurückliegen sollte.

Beispielllose Schlammschlacht

Dessen ungeachtet rechnen Lugo und der frühere Armeechef Oviedo, der 1989 zum Sturz des Diktators Alfredo Stroessner beitrug, mit massivem Wahlbetrug und schließen auch gewaltsame Zusammenstöße in einem Land nicht aus, das zu den korruptesten der Welt gezählt wird. Der frühere kolumbianische Präsidenten Andrés Pastrana, Leiter der internationalen Wahlbeobachtungsdelegation, forderte die Kontrahenten auf, ihre Schlammschlacht zu beenden.

Der Appell stieß bei manchen jedoch auf taube Ohren. Am Donnerstag sah sich Lugo veranlasst, seine Rivalen bei einer Fernsehdebatte im Lokalsender Canal 4 zu versetzen, weil die "politischen Bedingungen dafür derzeit nicht gegeben" seien. Während die Kamera Lugos leeren Stuhl zeigte, beschimpfte der Moderator den Geistlichen als "Betrüger", "Feigling" und "Possenreißer". Duarte, der in Lugo ein "U-Boot" des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez sieht, rief bei der abschließenden Wahlveranstaltung der von ihm gegen zahlreiche innerparteiliche Widerstände durchgesetzten Kandidatin Olevar: "Dieser gottlose Pater hat seine Kirche verraten, er wird auch das Volk verraten!"

Kampf gegen Armut und Korruption

Paraguay Wahlen Kandidat Lino Cesar Oviedo

General, Putschist, Kandidat: Lino Cesar Oviedo

Duarte hatte vergeblich versucht, sich mittels einer Verfassungsänderung selbst erneut für fünf Jahre zur Wahl zu stellen. Den Protest dagegen hatte 2006 Lugo angeführt. Der Ex-Bischof wechselte noch im gleichen Jahr in die Politik und tritt zu der Wahl als Kandidat der Patriotischen Allianz für den Wandel an. In seinem Programm sagt der 56-Jährige - wie seine Mitbewerber - Armut und Korruption den Kampf an und verspricht, für mehr soziale Gerechtigkeit und eine unabhängige Justiz zu sorgen.

Der 64-jährige Oviedo ist erst im Juli 2007 aus dem Gefängnis entlassen worden. Er war unter anderem wegen eines Putschversuchs im Jahr 1996 inhaftiert. Der Oberste Gerichtshof setze ihn überraschend auf freien Fuß - nach Meinung von Beobachtern mit dem einzigen Ziel, die um Lugo zusammengeschlossene Opposition zu schwächen. (wga)

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