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Kultur

Paradies mit Schönheitsfehlern

Es könnte ein Geheimtipp für die Extremsport-Liebhaber der Fun-Generation werden: Gulmar im Himalaya. Hier gibt es, anders als in den herkömmlichen Skigebieten, Wintersport mit dem wirklich ultimativen Kick.

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Kaschmir im Winter

Ringsum frischer, meterhoher Pulverschnee auf steilen Hängen. Über der friedlichen, traumhaften Winterlandschaft prangt ein stahlblauer Himmel. "Das indische Ski-Resort Gulmar hat gute Standards, freundlichen Service und lächerlich billige Preise", lobt das Onlineportal "GoSki.com".

Ein Risiko gibt's immer

Nur: die Schneesicherheit ist in diesem Teil des Himalaya auch wirklich die einzige Sicherheit. Hier liegen Paradies und Hölle näher beieinander als anderswo. "Der einzige wirkliche Nachteil ist die Gefahr, von Separatisten aus Kaschmir entführt und ermordet zu werden", heißt es auf der Webseite lakonisch. Genau deshalb hat es der in gut 4000 Metern Höhe gelegene indische Wintersport-Ort Gulmarg schwer, in die erste Liga der internationalen Szene alpiner Abfahrer aufzusteigen.

Denn Gulmarg liegt im indischen Teil Kaschmirs, nervenaufreibend nah an der Linie, an der sich die Atommächte Indien und Pakistan seit einiger Zeit wieder bedrohlich gegenüberstehen. Nur 15 Kilometer entfernt verläuft die umkämpfte Demarkationslinie. Gelegentlich zischen sogar raketengetriebene Granaten aus Pakistan durch das pittoreske Tal, weil hier auch die indische Schule für alpine Kriegführung eingerichtet ist. Immerhin sei nach vier Jahren hier erstmals wieder richtig viel Schnee gefallen, freut sich Farooq Ahmed, der Manager der örtlichen Liftbetreiber-Gesellschaft. "Endlich kommt wieder Leben in den Ort."

Spektakuläre Gondelbahn

Schon unter der britischen Kolonialherrschaft standen im frühen 20. Jahrhundert Sportbegeisterte in Gulmarg auf den Skiern. 1973 wurde das Resort eröffnet. Sogleich zog es Schnee-Abenteurer an, die ihre Fähigkeiten auf einigen der extremsten Pisten der Welt messen wollten. Die anhaltende Popularität trotzte den Spannungen mit dem Nachbarn Pakistan, und in den 80er Jahren zog eine spektakuläre Gondelbahn aus französischer Fabrikation zehntausende Touristen an.

Gulmarg

Auf dem Weg zu einer Rodelpartie in Gulmarg

Das änderte sich schlagartig, als Kaschmir wieder als möglicher Kriegsschauplatz in die Schlagzeilen rückte. Das war nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht tragisch. Ski-Experten schwärmen von Gulmarg als einem der besten Plätze weltweit für "Heli-Skiing": Dabei werden die Fahrer aus Hubschraubern abgesetzt und jagen unberührte Hänge herunter. Der kleine Ski-Ort in Kaschmir gilt hierfür laut "GoSki.com" als eine der preiswertesten Gelegenheiten. Tausende solcher Adrenalin-Abfahrten seien allein oberhalb von 2000 Metern möglich, schwärmt der Online-Dienst.

10 $ pro Tag - all inclusive

Nun kehren vorsichtig die ersten Gäste wieder nach Gulmarg zurück, das nach eigenen Angaben auch über einen der höchsten Golfplätze der Welt verfügt. Ein neuer Lift ist bereits in Betrieb, und indische Schulkinder üben auf den glänzenden Pisten fleißig Schussfahrten, Wedeln und Slalom. Das Skigebiet träumt jedoch davon, endlich auch wieder ausländische Touristen anzuziehen, wie Mohammad Ashraf von der Tourismusverwaltung in Kaschmir erzählt. Gerade mal gut zehn Dollar (elf Euro) müsse der Alpinist pro Tag hinblättern. "Da ist alles drin: Der Skifahrer bekommt dafür die komplette Ausrüstung, Verpflegung und Unterkunft." Und, wie gesagt, den womöglich ultimativen Kick. (wga)

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