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Hintergrund

Papstreise endet mit Messe in Freiburg

Zum Abschluss seines viertägigen Deutschlandbesuches hat Benedikt XVI. in Freiburg eine festliche Messe mit 100.000 Teilnehmern zelebriert. Aus Süddeutschland, Frankreich und Italien kamen die Pilger.

Papst Benedikt während der Heiligen Messe (Foto: dpa)

Papst Benedikt während der Heiligen Messe

Der Gastgeber des Papstes, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sagte zum Auftakt der Messe, es seien auch Besucher aus Peru angereist. Das sei ein Ausdruck der Weltkirche, der weltumspannenden katholischen Gemeinschaft mit rund einer Milliarde Gläubigen, so Zollitsch. 20 Fernsehsender übertrugen die Messe vom Flugplatz vor den Toren Freiburgs in alle Welt. Es war auch ein Besucher aus dem Emirat Quatar bei den Anmeldungen registriert.

Michael Heil ist aus Münster 500 Kilometer nach Freiburg gereist, um die Messe mitzufeiern. Er findet die besondere Atmosphäre einer Papstmesse mit ihren riesigen Chören und den schneeweißen haushohen Altarbauten toll und anregend. "Wenn der Chef kommt, dann muss ich auch kommen,“ erzählt er lachend. Denn Michael Heil ist Mitglied des "Ordens vom Heiligen Gral von Jerusalem“, dem auch Joseph Ratzinger, der Papst, angehört. Auf einer groben Holzbank sitzend, lauscht Michael Heil der Predigt des Papstes über die Allmacht Gottes und die Kraft der Kirche. "Die Art des Papstes die Dinge auf den Punkt zu bringen, die Frage, die der Papst immer wieder aufgeworfen hat während dieser Reise, nämlich 'Wie finde ich zu Gott?', das gibt mir Hoffung“, sagt Michael Heil.

Von dem Besuch der Messe geht für den Pilger aus Münster, Ermutigung und Bestärkung aus. Die ist wohl auch nötig, denn nach Heils Beobachtung wenden sich viele Katholiken von ihrer Kirche ab. Der Papst spricht Michael Heil aus dem Herzen als er in seiner Predigt sagt: "Die Kirche in Deutschland wird Sauerteig des Herrn bleiben, aus den Neues wächst, wenn Priester und Laien zusammen arbeiten und die Fackel des reinen Glauben hoch halten. Die deutsche Kirche wird für die Welt ein Segen sein, wenn sie treu den Aposteln folgt und sich von der Glaubensfreude anderer junger Kirchen in der Welt anstecken lässt.“

"Einmal dabei sein"

Die Pilger Michael Heil (rechts) und Klaus Waroschek (Foto: DW/Bernd Riegert)

Die Pilger Michael Heil (rechts) und Klaus Waroschek

Klaus Wawroschek ist ebenfalls aus Münster nach Freiburg gereist. Er ist in der katholischen Hilfsorganisation der Malteser als ehrenamtlicher Helfer engagiert. "Bei der Deutschen Einheit habe ich einen Fehler gemacht. Bei den historischen Ereignis habe ich vor dem Fernseher gesessen“, erzählt Wawroschek. „Das soll mir nicht noch einmal passieren. Der Papstbesuch in Freiburg ist ein historisches Ereignis, dass nur alle 1000 Jahre stattfindet. Da will ich dabei sein.“

Während der Messfeier kämpfen die ganz in orange gekleideten Helfer mit den Tücken der Organisation. Pilger suchen ihren zugewiesenen Zuschauer-Block. Wo sind die Toiletten? Wo bekomme ich Wasser? Messdiener suchen die Organisatoren für die Ausgabe der Hostien. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Einer der Priester ermahnt die Besucher, andächtiger zu sein, nicht zu klatschen und keine Fähnchen zu schwenken, um die Würde der Feier zu wahren. Rund 100.000 Menschen sind schwer in den Griff zu bekommen. Vor der Messe dreht der Papst bei herrlichem Sonnenschein wie üblich eine Platzrunde mit dem verglasten Papamobil, um das Bedürfnis der Menschen nach Nähe zu erfüllen. Handys und Kameras werden zu Tausenden hochgehalten. Es wird fotografiert, was die Akkus hergeben. "Ich war dabei, aber gesehen, habe ich eigentlich nichts“, seufzt einer der Pilger, der sich aus Getränkenkisten einen wackeligen Podest gebaut hat, um einen Blick auf Benedikt XVI. zu erhaschen. "Aber es ist doch ergreifender als vor dem Fernseher“, ergänzt er. Eine junge Frau sagt nach der Messe eher skeptisch: "Der Papst hat Charisma, ist ein starkes Symbol. Er kann junge Leute begeistern, aber hilft das dem Glauben am Ende? Das ist doch die Frage.“

Dialog mit den Laien

Privataudienz mit Benedikt XVI., Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter (Foto: dpa)

Privataudienz mit Altkanzler Helmut Kohl und seiner zweiten Frau

Der Papst hatte sich am Samstag (24.09.2011) mit Vertretern der katholischen Laien getroffen, um mit Ihnen über die Lage der Kirche in Deutschland zu sprechen. Der Papst forderte das Zentralkomitee der Katholiken auf, die Kirche von innen zu erneuern und die Hoffnung nicht aufzugeben. Die Kirche müsse sich treu bleiben. "Nicht die Feinde von außen, sondern die lauen Christen in der Kirche bedrohen sie“, hatte Benedikt XVI. in seiner Predigt bei einer abendlichen Andacht mit 29.000 Jugendlichen in den Freiburger Messehallen gesagt.

Ebenfalls am Samstag hatte Papst Benedikt in einer halbstündigen Privataudienz den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und dessen zweite Frau Maike empfangen. Über das private Treffen mit dem 81-jährigen Altbundeskanzler gab es keine Presse-Erklärungen. Der Vatikan hatte aber zuvor deutlich gemacht, dass das Treffen auf den ausdrücklichen Wunsch des Papstes stattfand. Der Papst wollte die Verdienste Kohls um den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik 1990 würdigen. In Erfurt hatte der Papst die Rolle der Christen bei der Überwindung der kommunistischen Diktatur in der DDR hervorgehoben. Sie hätten die gottlosen roten und braunen Diktaturen in Deutschland überstanden und mutig ihren Glauben bewahrt.

Am Nachmittag wird Benedikt XVI. im Konzerthaus von Freiburg noch eine Rede halten, die sich ausdrücklich an die Menschen in Deutschland richtet. Erwartet werden Aussagen zur Lage der Katholiken in Deutschland, die durch den Missbrauchsskandal, Kirchenaustritte und Nachwuchsmangel in der Priesterschaft schwer verunsichert sind. Danach wird der Papst am Abend nach Rom zurück fliegen, und zwar in einem Lufthansa-Airbus, der den Namen Regensburg trägt. In Regensburg war Joseph Ratzinger Universitätsprofessor, bevor er in der Kurie im Vatikan Karriere machte.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Annamaria Sigrist

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