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Kultur

Papstbuch gegen einen "Mythos" rund um Jesus

Benedikt XVI. verteidigt in seinem neuen Buch über Geburt und Kindheit Jesu den Glauben an Gottes Eingreifen in die Materie. Er schreibt aber auch über das Gott-Sein Gottes und setzt sich von moderner Theologie ab.

"Endlich..." – Papst Benedikt XVI. beginnt den abschließenden Teil seiner Jesus-Trilogie mit demselben Wort, mit dem er bereits in den zweiten Band eingestiegen war. "Endlich kann ich das lang versprochene kleine Buch über die Kindheitsgeschichten Jesu den Leserinnen und Lesern in die Hand legen", schreibt er. Damit macht er, bewusst oder unbewusst, deutlich, wie wichtig ihm die theologische Arbeit am Schreibtisch ist und wie sehr sie ihm fehlen mag. Denn auch nach siebeneinhalb Jahren an der Spitze der katholischen Kirche ist Joseph Ratzinger Theologe und Autor geblieben. Nun legt er sein Verständnis der bei den beiden Evangelisten Lukas und Matthäus überlieferten Kindheitsgeschichte Jesu vor.

Gegen symbolische Deutung

Jungfrauengeburt und Herbergssuche in Bethlehem, die Botschaft der Engel an die Hirten und der Besuch der Magier aus dem Morgenland – die biblischen Berichte über die Geburt Jesu sind auch über kirchliche Milieus hinaus noch vielen Menschen bekannt. Sie sind Gegenstand frommen Glaubens, romantische Ausgestaltung des Weihnachtsfestes oder auch Legende. Doch der Papst wendet sich gegen symbolische Deutungen und wirbt für ein wörtliches Verständnis. "Jesus ist nicht im Irgendwann des Mythos geboren und aufgetreten. Er gehört einer genau datierbaren Zeit und einem genau bezeichneten geographischen Raum zu: Das Universale und das Konkrete berühren einander", betont Benedikt.

RECROPPED VERSION OF LES102 ** Pope Benedict XVI waves during the farewell ceremony at Cologne airport, western Germany, Sunday, Aug. 21, 2005. Pope Benedict XVI was on his first foreign trip as pontiff and took part in the World Youth Day 2005 in Cologne. (AP PHOTO/Eckehard Schulz)

Papst Benedikt XVI.

So formuliert er ein Plädoyer gerade für jene Punkte, die heutigen Lesern und Leserinnen kaum glaubhaft scheinen. In einer der Kernaussagen kommt er dabei, unter Verweis auf den großen evangelischen Theologen Karl Barth (1886-1968), auf die Geburt aus der Jungfrau und die Auferstehung: "Diese beiden Punkte sind ein Skandal für den modernen Geist. … Aber hier geht es nicht um Unvernünftiges und Widersprüchliches, sondern gerade um das Positive – um Gottes schöpferische Macht, die das ganze Sein umfängt. Insofern sind diese beiden Punkte - Jungfrauengeburt und wirkliche Auferstehung aus dem Grab – Prüfsteine des Glaubens. Wenn Gott nicht auch Macht über die Materie hat, dann ist er eben nicht Gott." Das sei vielleicht ein Skandal für modernes Denken, aber fundamental für die christliche Hoffnung.

Summe eines Glaubenslebens

Der Papst rührt an den Kern des christlichen Glaubens, vielleicht an den Kern und Ernst von religiöser Überzeugung überhaupt. Er ermuntert dazu, Jesus wirklich als wahren Menschen und wahren Gott zu sehen und die Texte entsprechend zu lesen. Die rund 130 Seiten Text in dem insgesamt 170-seitigen Werk sind, mit den beiden ersten Bänden, die Summe eines 85-jährigen Glaubenslebens.

Wie auch in den ersten beiden Bänden setzt sich Benedikt wiederholt von fachtheologischen Positionen ab. Das ist durchaus ambivalent bei einem Werk, auf dessen Titel zunächst der bürgerliche Name "Joseph Ratzinger" und dann der päpstliche, "Benedikt XVI.", steht. Mal nennt er Hypothesen über offensichtliche Widersprüche zwischen den Evangelisten Matthäus und Lukas "überflüssig".

das Cover des neuen Papstbuchs zu sehen. Diese Fotos hat uns der herausgebende Herder Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt

Die deutsche Fassung des neuen Papst-Buchs

Mal kommt er auf die Exegese, die wissenschaftliche Arbeit mit dem biblischen Text, zu sprechen: Sie habe eine zeitgeschichtliche Deutung "mit großer Akribie und mit allen Möglichkeiten der historischen Gelehrsamkeit" versucht – und sei "gescheitert". Am schroffsten klingt diese Anspielung auf die Theologen, als Benedikt das Unvermögen der Hohepriester und Schriftgelehrte angesichts der Magier aus dem Osten behandelt, die bei Herodes in Jerusalem Rat suchen: "Soll man vielleicht darin das Bild einer Theologie erblicken, die sich im akademischen Disput erschöpft?"

Diese Kritik prägt den neuen "Jesus"-Band nicht, aber sie fällt erneut auf. Und sie passt eher zum Kurienkardinal denn zum Papst. Im Vorwort des ersten Bandes, den Benedikt ja bereits im Jahr 2003 begonnen hatte, thematisierte er die Kluft zwischen Lehramt und Theologie ausführlicher. Und sie zieht sich durch seine "Jesus"-Darstellung – diese setzt er dagegen als Ermutigung, dem Bericht der Evangelien zu trauen und Widersprüche auszuhalten.

Passend für den Gabentisch

Auf jeden Fall wird die Abhandlung über die Kindheitsgeschichte – ganz passend zur Vorweihnachtszeit – wieder zu einem Verkaufsschlager werden. Vom 2007 erschienenen ersten Band der deutschen Ausgabe verkaufte der Freiburger Herder-Verlag nach eigenen Angaben bislang mehr als 500.000 Exemplare. Beim zweiten Band von März 2011, den es bislang noch nicht als Taschenbuch gibt, liegt die Zahl bereits bei über 150.000. Der Herder-Verlag beginnt nun den dritten Teil mit einer Auflage von 100.000 Büchern. Weltweit startet das Buch in 50 Ländern und neun Sprachen mit einer Gesamtauflage von einer Million.