Papstaudienz: Ein Friedensengel für Erdogan | Aktuell Welt | DW | 05.02.2018
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Vatikanbesuch

Papstaudienz: Ein Friedensengel für Erdogan

Über was Papst Franziskus mit dem türkischen Präsidenten Erdogan bei ihrem Treffen im Vatikan gesprochen hat, ist nicht bekannt. Doch manchmal sagen kleine Gastgeschenke mehr als tausend Worte.

Papst Franziskus hat dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Medaille mit einem Friedensengel geschenkt. "Das ist ein Friedensengel, der den Dämon des Krieges besiegt. Er ist Symbol einer Welt, die auf Frieden und Gerechtigkeit basiert", erklärte Franziskus dazu, wie beobachtende Journalisten nach der privaten Begegnung  berichteten. Das Vier-Augen-Gespräch dauerte mit rund 50 Minuten eine halbe Stunde länger als üblich. Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt; Erdogan hatte aber zuvor angekündigt, besonders die Jerusalem-Frage mit Franziskus besprechen zu wollen.

Lange Liste möglicher Gesprächsthemen

Es war der erste Empfang eines türkischen Präsidenten oder Regierungschefs im Vatikan seit 59 Jahren. 1960 hatten der Vatikan und die Türkei volle diplomatische Beziehungen aufgenommen. In Ankara hatte Erdogan Franziskus bei dessen Türkei-Besuch 2014 empfangen.

Erdogan dankte Franziskus zu Beginn der jüngsten Begegnung für dessen Interesse. Die Atmosphäre des Treffens beschrieben die beobachtenden Journalisten als höflich und frohgestimmt. Der türkische Präsident hatte zuvor angekündigt, er wolle mit dem Kirchenoberhaupt auch über Terrorismusbekämpfung und Syrien sprechen. Der Vatikan sieht die türkische Militäraktion gegen kurdische Einheiten im syrischen Afrin mit Sorge. Der Papstbotschafter in Syrien, Kardinal Mario Zenari, forderte immer wieder ein Ende der Gewalt. Beobachter gehen davon aus, dass Franziskus das Thema Menschenrechte angesprochen haben dürfte, ebenso den Schutz der christlichen Minderheit in der Türkei und die Probleme bei der Anerkennung kirchlichen Eigentums.

Proteste gegen Erdogan-Besuch

Erdogan war am Morgen im Vatikan angekommen. Der Konvoi bestand aus etwa 30 Wagen sowie einer großen türkischen Motorrad-Eskorte. Der Staatsbesuch in Rom und im Vatikan wurde von Protesten begleitet. In einer Kirche in Turin hatten Aktivisten am Sonntag die türkische "Operation Olivenzweig" im Nordwesten Syriens gegen syrische Kurden kritisiert. Erdogan missbrauche den Olivenzweig, das christliche Symbol für den Frieden, um eine Kriegsaktion zu verdecken, so die Demonstranten.

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Erdogan trifft Papst Franziskus: Julia Hahn aus Istanbul

Menschenrechtler und Journalisten demonstrierten zudem gegen die massiv eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei und die Inhaftierung von etwa 150 bis 170 Journalisten. Auch der deutsche Reporter Deniz Yücel ist dort immer noch in Haft. Kurden in Italien hatten zudem Demonstrationen im Bereich der Engelsburg unweit des Vatikan angekündigt. Rom verhängte für den Bereich zwischen Petersplatz und Quirinalspalast ein 24-stündiges Demonstrationsverbot. Im gesamten Gebiet galten hohe Sicherheitsvorkehrungen.

bri/kle (kna, dpa)

 

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