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Kultur

Papst will nicht im Mittelpunkt stehen

Es darf auch gelacht werden: Bei seiner ersten Begegnung mit der Presse erzählt Papst Franziskus Anekdoten und wie er seinen Namen ausgesucht hat. Die meisten Journalisten hoffen auf einen offenen Pontifex.

Papst Franziskus spricht in der großen Audienzhalle im Vatikan zur Internationalen Presse am 16.03.2013. (Foto: DW/B. Riegert)

Rom Audienz Presse Papst Franziskus

"Am schlimmsten sind die Italiener", stöhnt eine Journalistin, selbst Italienerin, als zu Beginn des Presseempfangs in der Audienzhalle alle nach vorne drängen, auf die kleinen Holzstühle steigen und Kameras, Handys und Tabletcomputer in die Höhe halten, um aus viel zu großer Entfernung ein Erinnerungsfoto zu schießen. Mehrere Stunden hatten die Korrespondenten und Kamerateams aus aller Welt am Tor des Vatikans ausgeharrt. Etwa 4000 Journalisten bevölkern schließlich die nicht ganz gefüllte große Audienzhalle.

Als der Papst erscheint und sich auf der riesigen Bühne aus Marmor auf seinen großen gelben Lehnstuhl setzt, brandet Applaus auf. Viele Italiener und Südamerikaner rufen "Es lebe der Papst!". Solche Gefühlsausbrüche sind bei Pressekonferenzen eigentlich nicht üblich. Nur einige eher traditionsbewusste Korrespondenten katholischer Medien wundern sich über den Papst. "Der kommt mit schwarzen Hosen unter der weißen Soutane und schwarzen Schuhen. Das Kreuz aus Eisen. Das sieht eher aus wie ein Karnevalskostüm", ereifert sich einer.

Ben Wedeman, Italien-Korrespondent CNN (Foto: DW/B. Riegert)

Hat schon viel gesehen: CNN-Korrespondent Wedeman

Den vielgereisten Korrespondenten des US-Nachrichtensenders CNN, Ben Wedeman, kann das nicht beeindrucken. "Wie ich das sehe, ist das keine wirkliche Pressekonferenz. Das ist nur einfach ein Empfang, wo er uns für die Arbeit segnen wird, die wir getan haben", sagt Ben Wedeman mit leichtem Grinsen. Tatsächlich spricht Papst Franziskus etwa 15 Minuten. Fragen sind nicht vorgesehen. Dann schüttelt der Papst unter dem Applaus der Kolleginnen und Kollegen die Hände von verdienten Vaticanisti, also den hauptamtlichen Korrespondenten, die über die Kirche berichten. Er tätschelt einen Blindenhund, winkt, lächelt schüchtern, umarmt Mitarbeiter und ist schon wieder weg.

"Mein Name ist Programm: Die Kirche ist arm"

Franziskus spricht die Journalisten mit "liebe Freunde" an. Dann redet er davon, dass die Kirche und die Medien ja der Wahrheit verpflichtet seien, jeder auf seine Weise. Er betont, die Kirche werde sich auf das Spirituelle beschränken. Sie habe keine politische Natur. Auf jeglichen Prunk will der Pontifex aus Argentinien offenbar verzichten. Der Fischerring des Papstes, das Zeichen seiner Würde und Macht, soll nicht aus Gold, sondern aus Silber sein. Bei seiner Amtseinführung am kommenden Dienstag will der Papst ein Gewand aus Kunstfaser tragen, nicht aus Seide wie bislang üblich.

Papst Franziskus bei seiner Audienz für die Presse, Vatikan, 16.03.2013 (Foto: Getty Images)

Fragen nicht erlaubt: Franziskus segnet die Presse

Die Kirche müsse arm sein, hatte schon das Vorbild des Papstes, Franz von Assisi, im 13. Jahrhundert gepredigt und sich damit nicht nur Freunde gemacht. Der bescheidene Papst erzählt, er habe sich den Namen Franziskus spontan überlegt, als im Konklave klar wurde, dass die Wahl wohl ihn treffen werde. "Mein guter Freund, Kardinal Hummes aus Brasilien, hat mich umarmt, getröstet und gesagt, ich möge die Armen nicht vergessen. Da kam mir Franz von Assisi in den Sinn", so der Papst. Er, der Jesuitenpater, hätte auch den Namen Clemens XV. annehmen können, um es Papst Clemens XIV. heimzuzahlen. Der hatte 1773 den Jesuiten-Orden unterdrückt. "Aber dann fiel mir Franziskus ein. Mir gefällt eine Kirche, die arm ist und für die Armen da ist." Einige Berater hätten auch Adriano vorgeschlagen, weil dieser Papst für Reformen in der Kirche stand. "Das hat mir aber nicht so gefallen", so der Papst. Nicht der Nachfolger auf dem Stuhl Petri, also der Papst, stehe im Mittelpunkt der Kirche, sondern Jesus Christus. Daran wolle er die Medien erinnern, so Franziskus.

"Er ist einer von unserem Kontinent"

Der Eindruck, den viele Journalisten und Reporter vom Papst haben, ist durchaus positiv. Er scheine ein bescheidener Mann zu sein, der aber trotzdem etwas Positives ausstrahle, sagt Eliana Loza, Korrespondentin der Zeitung "El Universal" aus Venezuela: "Alle Kollegen aus Lateinamerika sind natürlich furchtbar aufgeregt und glücklich, weil der Papst von unserem Kontinent kommt." Sie hat bereits die zweite Papstwahl in Rom erlebt. Das Medienaufgebot war bei der Wahl Joseph Ratzingers vor acht Jahren noch größer, glaubt sie. "Und dann war die Aufmerksamkeit der Medien sehr hoch, als Benedikt zurückgetreten ist, weil das etwas ganz Neues war." Während des Konklaves war das Interesse zweigeteilt, sagt die Journalistin aus Venezuela, denn in Italien gebe es ja immer noch die politische Krise, über die die Korrespondenten berichten müssten. Jetzt aber wollten alle etwas über "den neuen Papst aus einer neuen Welt" erfahren.

"Von Medien hält er nicht viel"

Eliana Loza, Korrespondentin der Zeitung El Universal aus Venezuela, bei der ersten Audienz von Papst Franziskus für die internationale Presse im Vatikan, 16.03.2013. (Foto: DW/B. Riegert)

Seit 12 Jahren in Rom: Eliana Loza von "El Universal"

Zu Audienzen für die Presse haben auch die Vorgänger von Franziskus geladen. Der abgedankte Papst Benedikt XVI. hatte sogar der Deutschen Welle gemeinsam mit anderen deutschen Fernsehsendern und Radio Vatikan ein Interview gegeben. Auch während seiner Auslandsreisen hatte Benedikt im Flugzeug direkt mit Journalisten gesprochen. Ob Franziskus das auch so halten werde, müsse man abwarten, meint Korrespondentin Eliana Loza. "Jeder sagt, dass dieser Papst, als er noch Kardinal war, nicht viel von den Medien gehalten hat. Er war immer sehr zurückhaltend, hat kaum Interviews gegeben. Natürlich gibt er jetzt als Papst keine Interviews oder kurzen Statements ab. Aber das Presseamt war bislang eigentlich ganz gut, ich hoffe, das bleibt so." Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, wie der Papst ein Jesuit, bleibt vorläufig im Amt. Das hat Franziskus bereits entschieden.

Wirklich Neues gab es während der Audienz nicht zu erfahren, aber wann trifft man schon einmal einen Papst? Dabeisein ist alles. "So nah komme ich ihm sobald nicht wieder", sagt ein Tontechniker, der noch schnell ein paar wackelige Handy-Fotos nach Hause verschickt.

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