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Aktuell Europa

Papst wünscht sich rebellische Jugend

Mit einem farbenfrohen Fest ist Franziskus auf dem Weltjugendtag im polnischen Krakau von Hunderttausenden Menschen willkommen geheißen worden. Der Papst rief die Jugend zur Rebellion und zu Barmherzigkeit auf.

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Papst Franziskus besucht den Weltjugendtag: Christoph Strack berichtet aus Krakau

"Habt Ihr die Kraft, Euch jenen entgegenzustellen, die nicht wollen, dass sich etwas ändert?", rief das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche den schätzungsweise 600.000 Besuchern des Weltjugendtages auf den Blonia-Wiesen in Krakau zu. In gesellschaftlichen Debatten engagierte junge Menschen nannte Franziskus "ein Geschenk des Himmels" und fuhr fort: "Es ist schön und es tröstet mein Herz, euch so rebellisch zu sehen." Der Papst fuhr in seinem Papamobil über das Gelände (Artikelbild).

Aufruf zu Barmherzigkeit

Er wolle niemandem zu nahe treten, sagte der Papst weiter. "Aber ich bin betrübt, wenn ich junge Leute sehe, die ein Gesicht machen, als wären sie im Vorruhestand." Sie wirkten auf ihn, als hätten sie "bereits das Handtuch geworfen", sie seien "gelangweilt und langweilig". In Anspielung auf die Flüchtlingsproblematik in Europa sagte der Papst wer barmherzig sei, werde jenem "Zuflucht" bieten, "der nie ein Haus hatte oder es verloren hat", er werde "den Flüchtling oder Migranten aufnehmen". "Die Barmherzigkeit hat immer ein junges Gesicht", betonte Franziskus.

Das Treffen im weitläufigen Blonia-Park nahe der Krakauer Altstadt war die erste große Begegnung des Papstes mit den Teilnehmern des Weltjugendtages, zu dem Menschen aus 187 Staaten nach Südpolen gekommen sind. Bis Sonntag will Franziskus noch mehrmals mit den jungen Katholiken zusammentreffen, die trotz Regen stundenlang auf dem Freigelände auf ihn gewartet und ihn dann frenetisch gefeiert hatten. Franziskus war mit der Straßenbahn zu dem Park gefahren.

Sturz in Tschenstochau

Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt bei seinem Abstecher in den Wallfahrtsort Tschenstochau für eine Schrecksekunde gesorgt. Zu Beginn einer Open-Air-Messe stolperte Franziskus - mit einem Weihrauchfass in der Hand - an einem Absatz und stürzte. Der 79-Jährige konnte sich jedoch mit Hilfe von zwei Begleitern rasch wieder aufrichten. Dem Papst gehe es gut, versicherte später ein Vatikansprecher.

Papst Franziskus stürzt bei Messe in Tschenstochau (Foto: Reuters)

Papst Franziskus stürzt bei Messe in Tschenstochau

In seiner Predigt warnte Franziskus Polen davor, sich international zu isolieren. Das Land dürfe nicht "der Versuchung nachgeben, sich abzuschotten". Der Papst spielte damit auf die Weigerung de nationalkonservativen Regierung in Warschau an, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Besuch in Auschwitz

Mit Spannung erwartet wird an diesem Freitag der Besuch des Papstes im ehemaligen NS-Konzentrationslager Auschwitz und dem Vernichtungslager Birkenau. Im Unterschied zu seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wird Franziskus dort keine Rede halten.

Statt dessen sollen Schweigen, Gebet und Mitgefühl im Vordergrund stehen, hatte der Vatikan angekündigt. In Birkenau will der Papst Holocaust-Überlebende treffen. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Nazis im deutsch besetzten Polen in dem Lagerkomplex Auschwitz-Birkenau rund 1,1 Millionen Menschen ermordet, davon eine Million Juden.

wl/qu (dpa, afp, epd, kna)

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