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Aktuell Nahost

Papst: "Nein zur Rache"

Am zweiten Tag seines Besuchs im Libanon traf Papst Benedikt XVI. unter anderen führende Muslime des Landes. Dabei sprach er sich gegen Rache und für Vergebung aus.

Der Past im Papamobil (Foto: Reuters)

Der Papst in Beirut

Papst Benedikt XVI. hat eine Friedenskultur der Religionen im Nahen Osten und ein neues Modell der Brüderlichkeit gefordert. Vor libanesischen Vertretern von Politik, Gesellschaft und Kultur sagte Benedikt in Beirut, Christen und Muslime lebten seit Jahrhunderten im Libanon, nicht selten gebe es Familien mit beiden Religionen.

Warum das nicht in der ganzen Gesellschaft möglich sein sollte, fragte der Papst. Eine pluralistische Gesellschaft gebe es "nicht ohne gegenseitigen Respekt, nicht ohne den Wunsch, den anderen zu kennen, und den ständigen Dialog". Es gehe darum, "nein zur Rache zu sagen, eigene Fehler einzugestehen" und schließlich zu vergeben, sagte er im Palast des libanesischen Präsidenten Michel Suleiman.

Höhepunkt am Sonntag

Per Twitter hatte der Staatschef die Bürger des Landes aufgerufen, Papst Benedikt XVI. vor dem Präsidentenpalast willkommen zu heißen. Und bestellt oder nicht: Tausende säumten die Straßen in Beirut, um das katholische Kirchenoberhaupt auf seiner Fahrt im Papamobil zum Palast des Präsidenten jubelnd zu begrüßen. Sie schwenkten Fähnchen in den Landesfarben wie auch in denen des Vatikans.

Video ansehen 01:26

Libanon: Papst wirbt für Dialog der Religionen

Nach dem Treffen mit Suleiman, einem maronitischen Christen, standen auch kurze Treffen des Papstes mit Parlamentspräsident Nabih Berri und Ministerpräsident Nadschib Mikati auf dem Programm. Am Abend sagte der Papst in Bkerké am Sitz des maronitischen Patriarchats vor jungen Gläubigen, Christen und Muslime könnten gemeinsam eine freie und menschliche Zukunft aufbauen. Eine Sonntagsmesse in Beirut ist Höhepunkt des dreitägigen Papstbesuches in der von Konflikten geprägten Region.

Zu Beginn seines Libanon-Besuchs hatte Benedikt am Freitag zum Frieden in der Arabischen Welt aufgerufen. Ausdrücklich betonte er in Beirut die Gemeinsamkeiten der Menschen unabhängig von ihren Religionen.

Angriffe überschatten die Reise

Überschattet wurde die Reise - neben dem andauernden Bürgerkrieg im benachbarten Syrien - von Protesten, massiven Ausschreitungen und Angriffen auf westliche Botschaften in muslimischen Ländern. Der Zorn richtete sich gegen ein islamfeindliches Video, das Islamgegner in den USA ins Internet gestellt hatten. Auch der Libanon wurde davon erfasst. In der Stadt Tripoli griff eine aufgebrachte Menge zwei Schnellrestaurants an, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Einer der Angreifer wurde getötet, mindestens 25 Menschen wurden verletzt, darunter 18 Polizisten.

Der dreitägige Besuch des Papstes läuft unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab. Der 85-Jährige erklärte, er habe nie erwogen, die Reise aus Sicherheitsgründen abzusagen. Zugleich verurteilte er religiösen Fundamentalismus als "Fälschung von Religion".

Benedikt ist nach Paul VI. 1964 und Johannes Paul II. 1997 das dritte Oberhaupt der katholischen Kirche, das den Libanon besucht. Das Land hat mit fast 40 Prozent seiner vier Millionen Einwohner den größten Bevölkerungsanteil von Christen im Nahen Osten.

hp/gd (kna, dpa, dapd)

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