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Kultur

Papst: Menschenrechte sind unteilbar

Papst Benedikt XVI. hat in einer Rede vor den Vereinten Nationen (UN) in New York eine Stärkung der Menschenrechte sowie mehr vorbeugende Konfliktlösung gefordert.

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Papst Benedikt XVI. vor der UN-Vollversammlung

"Das Einstehen für Menschenrechte ist nach wie vor der beste Weg, um Ungleichheiten zwischen Ländern und gesellschaftlichen Gruppen abzubauen und für mehr Sicherheit zu sorgen", sagte der Papst am Freitag (18.04.2008) vor der UN-Generalversammlung. Eindringlich mahnte er zu Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Solidarität mit der Dritten Welt, äußerte sich allerdings nicht direkt zu konkreten Konflikten wie etwa den Irakkrieg oder Nahost.

Die Rede vor den UN galt als politischer Höhepunkt der sechstägigen USA-Reise Benedikts. Eindringlich trat Benedikt für das Recht auf Einmischung der internationalen Gemeinschaft bei Konflikten ein. "Jeder Staat hat die vorrangige Pflicht, seine eigene Bevölkerung zu schützen", sagte der Papst. Doch "wenn Länder nicht in der Lage sind, diesen Schutz zu gewährleisten, muss die internationale Gemeinschaft mit den in der Charta der Vereinten Nationen vorgesehenen Rechtsmitteln und mit anderen internationalen Instrumenten eingreifen". Es dürfe keine Untätigkeit und Gleichgültigkeit geben. "Im Gegenteil: Indifferenz und Nicht-Handeln ist das, was wirklich Schaden anrichtet."

"Kollektive Aktionen" nicht ausgeschlossen

Zur vorbeugenden Konfliktregelung sagte Benedikt vor den Vereinten Nationen, alle diplomatischen Mittel und "selbst die geringfügigsten Zeichen" von Dialogbereitschaft müssten genutzt werden. Zugleich schloss Benedikt aber "kollektive Aktionen der internationalen Gemeinschaft" nicht aus. Der Papst hielt seine Rede teilweise auf Französisch, der traditionellen Diplomatensprache, und auf Englisch.

Bereits zuvor hatte der Vatikan signalisiert, dass Benedikt "nicht auf einzelne Konfliktherde" in der Welt eingeht. Ausdrücklich wandte sich der Papst den Themen Unterentwicklung in der Dritten Welt, Umwelt- und Klimaschutz zu. Diese Herausforderungen verlangten gemeinsames Handeln der Internationalen Gemeinschaft und "Solidarität mit den schwächsten Regionen der Welt". Afrika und andere Entwicklungsländer liefen heute immer mehr Gefahr, "nur die negativen Seiten der Globalisierung zu erleben".

Ethische Fragen

Zugleich ging das Oberhaupt der Katholiken auf aktuelle ethische Fragen ein. Mit Blick auf Gentechnologie am Menschen und Stammzellenforschung warnte der Papst vor "Verletzung der Schöpfungsordnung". Moderne Forschung und Technologie dürften nicht im Gegensatz zum "heiligen Charakter des Lebens" stehen.

In einer unerwarteten Geste der Versöhnung hatte Benedikt bereits am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington eine Gruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische US-Priester empfangen. Der Missbrauchs-Skandal, der die US-Kirche seit Jahren erschüttert, hat den Papstbesuch in den USA über weite Strecken beherrscht und überschattet. Dreimal nahm Benedikt dazu öffentlich Stellung, US-Medien berichteten in ungewöhnlich großer Aufmachung. Benedikt sagte, er sei "tief beschämt". (wga)

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