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Katholische Kirche

Papst: "Ich bin Sünder und fehlbar"

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hat jeder Art von Papst-Kult eine Absage erteilt und sich als ganz normalen Menschen dargestellt. Auch er kenne Glaubenskrisen, sagte Franziskus in einem Interview.

Rom Papst bei einem Besuch der anglikanischen Allerheiligen-Kirche (Reuters/A. Bianchi)

Franziskus im Februar beim Besuch der anglikanischen Allerheiligen-Kirche in Rom

Erstmals hat Papst Franziskus einer deutschen Zeitung ein Interview gegeben und dabei klargestellt, dass er nichts davon hält als Vorbild hingestellt zu werden. "Ich bin Sünder und bin fehlbar, und wir dürfen nicht vergessen, dass die Idealisierung eines Menschen stets auch eine unterschwellige Art der Aggression ist. Wenn ich idealisiert werde, fühle ich mich angegriffen", sagte Franziskus in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".

Bekenntnis zu Glaubenskrisen

Er sehe sich als nichts Besonderes. "Ich bin - ich will nicht sagen: 'ein armer Teufel', aber ich bin ein ganz normaler Mensch, der tut, was er kann." Es gebe durchaus dunkle Momente, in denen er sage: "Herr, das begreife ich nicht! Und das sind nicht nur Momente innerer Dunkelheit, sondern Bedrängnisse, die ich mir selbst eingebrockt habe, durch meine Schuld." Er selbst kenne auch Zweifel am Glauben, räumte der Argentinier ein. Franziskus sprach auch - ohne es näher zu konkretisieren - von einer "Verlobten", die er in der Jugendzeit gehabt habe. "Aber ich war nicht dabei zu heiraten", fügte er hinzu.

Kritik bereichernd

Franziskus erklärte, Kritik an seiner Person gelassen zu nehmen. "Ich kann verstehen, wenn meine Art, die Dinge anzugehen, manchen nicht gefällt, das ist völlig in Ordnung. Jeder darf seine Meinung haben. Das ist legitim und menschlich und bereichernd." Eine Plakataktion in Rom, bei der Kritiker seinen Modernisierungskurs angriffen, nannte Franziskus "großartig". Im Februar hatten Unbekannte in Rom Plakate in römischem Dialekt aufgehängt und den Papst darauf scharf kritisiert.

Italien Protest gegen Papst in Rom (picture-alliance/Zuma Press/E. Inetti)

Plakate mit griesgrämigen Papst Franziskus. Darunter im Text auch die Frage: "Wo ist deine Barmherzigkeit?"

"Dritter Weltkrieg stückchenweise"

An Autorität mangele es ihm nicht, betonte Franziskus in dem Interview. "Ich habe schon so viele Male 'Basta!' gesagt. (...) Das ist angekommen." Sorge bereite ihm der Populismus in Europa. "Populismus ist böse und endet schlecht, wie das vergangene Jahrhundert gezeigt hat", so der Papst. Die ganze Welt befinde sich im Krieg. Er spreche von einem "Dritten Weltkrieg, der sich stückchenweise ausbreitet".

Wohl kein Deutschlandbesuch im Reformationsjahr

Franziskus enttäuschte in dem Interview mit "Der Zeit" Erwartungen, dass er im Reformationsjahr nach Deutschland komme. "Das wird schwierig dieses Jahr, es sind so viele Reisen geplant", sagte der 80-Jährige. Der Pontifex war anlässlich des Gedenkens der Reformation vor 500 Jahren, die zur Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche führte, von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie von der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland eingeladen worden.

qu/stu (dpa, kna)