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Aktuell Welt

Papst geißelt wirtschaftliche Ausbeutung und maßlose Manager

Der Papst hat den Karfreitag für eine Generalabrechnung mit den Auswüchsen des Kapitalismus genutzt. Dabei bediente er sich der Hilfe zweier Brüder im Geiste - eines mafiakritischen Bischofs und seines Hauspredigers.

Papst Franziskus hat beim traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom für die Opfer wirtschaftlicher Ausbeutung gebetet. Das 77-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche verurteilte am Karfreitag unter anderem das "schwere Kreuz der Arbeitswelt" und "das Gewicht aller Ungerechtigkeiten, die durch die Wirtschaftskrise mit ihren sozialen Folgen verursacht wurden". Er nannte unter anderem Arbeitslosigkeit, Entlassungen, Finanzspekulationen und Korruption.

Bischof Giancarlo Bregantini (Foto: picture alliance/ROPI)

Bischof Giancarlo Bregantini

Gegen die Mafia, für die Arbeitslosen

Die Meditationen der 14 Stationen wurden in diesem Jahr von dem italienischen Bischof Giancarlo Maria Bregantini verfasst, der für seine mutigen Äußerungen gegen die Mafia bekannt ist und sich sehr für Arbeitslose engagiert. Zahlreiche Gläubige beteten gemeinsam mit dem Papst den Kreuzweg. Wie im vergangenen Jahr saß Franziskus unter einem Baldachin, während das Kolosseum von zehntausenden Kerzen erleuchtet wurde. Der Papst, der das Kreuz nicht selbst trug, wirkte bei der von etlichen Fernsehsendern in die ganze Welt übertragenen Zeremonie sehr ernst. Gemeinsam mit Franziskus beteten rund 40.000 Gläubige.

Zuvor hatte der Papst vor Hunderten Gläubigen im Petersdom die traditionelle Liturgie geleitet. Der Hausprediger von Franziskus prangerte dabei überhöhte Managergehälter an. Es sei ein Skandal, dass manche Menschen Gehälter und Pensionen bezögen, "die hundertmal größer sind als die derer, die für sie arbeiten", sagte Raniero Cantalamessa in dem Gottesdienst. Empörend sei auch, dass ausgerechnet diese Menschen sofort protestierten, "wenn sich am Horizont auch nur die Möglichkeit abzeichnet, zugunsten einer größeren sozialen Gerechtigkeit auf etwas verzichten zu müssen", so der italienische Kapuzinerpater. Schuld daran sei die Geldgier. Geld sei "der Anti-Gott". Hinter Prostitution, organisiertem Verbrechen, politischer Korruption, sowie dem Handel mit Waffen und Organen stehe letztlich stets die Geldgier.

Ein mit Lichtern versehenes großes Kreuz am Kolosseum in Rom (Foto: Reuters)

Karfreitagabend 2014 am Kolosseum in Rom

Auf der Via Dolorosa in Jerusalem nahmen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen große Menschenmengen an der traditionellen Prozession teil. Viele von ihnen trugen Holzkreuze. Einer der Teilnehmer war als Jesus Christus verkleidet. Er trug eine Dornenkrone und seine Brust war mit Blut verschmiert. In den engen Gassen der Altstadt kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Teilnehmern der Prozession und israelischen Militärpolizisten, die viele Durchgänge abgesperrt hatten. Junge Muslime wurden daran gehindert, zum Gebet auf den Tempelberg in Jerusalems Altstadt zu gehen.

Gegen einen Rückfall in den Kalten Krieg

Die Oberhäupter der christlichen Konfessionen riefen in ihrer Osterbotschaft zum Gebet für den Frieden auf. Man hoffe auf einen erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern, hieß es darin. "Trotz all der gegenwärtigen Schwierigkeiten rufen wir die Parteien dazu auf, diese historische Gelegenheit zu ergreifen." In der Osterwoche, die in diesem Jahr mit dem jüdischen Pessach-Fest zusammenfällt, werden rund 125.000 ausländische Besucher im Heiligen Land erwartet.

In Deutschland mahnten evangelische und katholische Bischöfe zum Frieden und menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, warnte in seiner Karfreitagspredigt angesichts des Ukraine-Konflikts vor einer Neuauflage des Kalten Krieges.

sti/SC (afp, dpa, epd, kna)