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Aktuell Europa

Papst Franziskus wäscht Asylbewerbern die Füße

Auf Knien vor Flüchtlingen: In der traditionellen Gründonnerstagsmesse hat Papst Franziskus zwölf Migranten in einer Asylbewerberunterkunft nahe Rom die Füße gewaschen. Ein Zeichen der Nächstenliebe und Versöhnung.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche kniete am Vorabend des Karfreitags in der Kleinstadt Castelnuovo di Porto vor elf Asylbewerbern und einer Mitarbeiterin der Einrichtung nieder, wusch und küsste ihnen die Füße. Bei der Abendmahlsmesse bezeichnete es der 79-Jährige als Zeichen brüderlichen und friedlichen Zusammenlebens, dass Gläubige im Angesicht von Krieg und Gewalt unterschiedlicher Religionen an der Feier teilnahmen.

"Ob Muslime, Hindus, Katholiken oder Kopten: Wir sind alle Brüder, wir sind alle Kinder desselben Gottes", sagte Franziskus bei der Messe unter freiem Himmel. "Wir sind alle Brüder und wollen in Frieden leben", fügte er hinzu. Die jüngsten Terroranschläge in Brüssel bezeichnete Franziskus als "Geste des Kriegs und der Zerstörung", begangenen von "Menschen, die nicht in Frieden leben wollen". "Hinter dieser Geste stecken Waffenschmuggler, die Krieg wollen, nicht Brüderlichkeit", sagte der Papst. In dem Asylbewerberheim nördlich von Rom leben mehr als 800 Menschen aus 26 Ländern.

Ausgewählt waren für das Ritual vier Katholiken aus Nigeria, drei Koptinnen aus Eritrea, drei Muslime aus Mali, Pakistan und Syrien, ein Hindu aus Indien sowie eine italienische Mitarbeiterin der Unterkunft. Die Tradition beruht auf der Überlieferung, der zufolge Jesus beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung seinen zwölf Aposteln die Füße wusch. Die von Geistlichen nach seinem Vorbild bei jener Messe vollzogene Fußwaschung symbolisiert die Aufgabe von Priestern, anderen in Demut zu dienen.

Kirchentraditionen geändert

Franziskus verfügte im vergangenen Januar, dass das Ritual auch an Frauen ausgeführt werden darf. Bereits in den vergangenen Jahren wusch er am Gründonnerstag bei der Abendmahlsmesse in Gefängnissen auch Frauen die Füße, darunter einer Muslimin. Damit brach der Argentinier mit althergebrachten Kirchentraditionen und brachte damit konservative Katholiken gegen sich auf.

Einige der ausgewählten Flüchtlinge hatten zuvor Briefe an das Kirchenoberhaupt geschrieben, die in Auszügen von italienischen Medien veröffentlicht wurden. Darin distanzierten sie sich deutlich von dem blutigen Terror in Paris und Brüssel. "Ich möchte dem Papst sagen, dass Moslems keine Terroristen sind und dass es mir leid tut, was in Frankreich und in Belgien passiert ist", schrieb der Senegalese Kamasso Guiro. "Ich habe mir schon lange gewünscht, den Papst zu treffen, auch wenn ich Moslem bin. Ich möchte ihm für all das danken, was er für die Armen und für den Frieden tut."

Am Karfreitag soll unter größten Sicherheitsvorkehrungen der Kreuzweg am Kolosseum stattfinden, bei dem der Leidensweg Christi nachvollzogen wird. Dabei wird auch der Papst sprechen. Zahlreiche Soldaten und Spürhunde seien im Einsatz, um die Besucher und das antike Amphitheater zu schützen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Auch der Petersdom werde an den Ostertagen streng gesichert.

kle/gri (epd, afp, dpa, kna)