Papst Franziskus und die Internationale | Welt | DW | 20.05.2018
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Katholische Kirche

Papst Franziskus und die Internationale

Papst Franziskus treibt die Internationalisierung des Kardinalskollegiums weiter voran. Nie zuvor waren so viele Länder im Kreis der Kardinäle vertreten, die an einer Papstwahl teilnehmen dürften.


Niemand aus dem deutschen Sprachraum, niemand aus dem nördlichen Westeuropa. Kein US-Amerikaner, kein Kanadier. Papst Franziskus hat am Sonntag die Ernennung von vierzehn neuen Kardinälen aus elf Ländern angekündigt. Elf der neuen Purpurträger sind noch keine 80 Jahre alt und dürften an einem künftigen Konklave teilnehmen. Die offizielle Ernennung der Kardinäle steht am 29. Juni an, dem Fest Petri.

Danach gibt es aus 66 Ländern 125 Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Nie zuvor waren so viele Länder im Kreis der Kardinäle vertreten, die an einer Papstwahl teilnehmen dürften. Zum Vergleich: An der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Nachfolger von Papst Benedikt XVI. im März 2013 nahmen 115 Kardinäle aus 48 Ländern teil. Seitdem arbeitet Franziskus daran, mehr Länder in den höchsten Senat der Kirche einzubeziehen. Das Konsistorium im November 2016 erreichte erstmals die Zahl von 60 Ländern. Nun, bei der fünften Kardinals-Erhebung von Franziskus werden es 66 Länder sein.

Franziskus-Kardinäle künftig die Mehrheit

Und von den 125 Kardinälen, die ab Ende Juni Papstwahl-berechtigt sein werden, hat Franziskus 63 "gemacht" (wie man auch sagt). Damit stellen die Franziskus-Kardinäle erstmals die absolute Mehrheit. Aber weil sie aus Dutzenden von Ländern stammen, teilen Sie vielleicht ähnliche Ideen, aber nicht theologische Schulen oder kirchliche Seilschaften.

So viel Internationalisierung war nie. So global wollte sich die alte, europäisch-italienische Weltkirche nie geben. Noch Benedikt XVI. hatte bei seinem letzten Konsistorium die Präsenz der Europäer gestärkt. Nun, unter Franziskus, sind es einzelne Vertreter vieler Länder gerade aus Afrika, Asien, Lateinamerika.

Italian Bischof Giuseppe Petrocchi (picture-alliance/NurPhoto/A. Masiello)

Giuseppe Petrocchi wird neuer Kardinal



Bedrohte Kirchenleute

Sie stehen für Kirche in bedrängter Situation oder in pastoraler Herausforderung. Weder der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako, der im irakischen Bagdad residiert, noch der Erzbischof von Karachi in Pakistan, Joseph Coutts, werden sich im Alltag ohne Leibwächter bewegen können.

Ein Musterbeispiel für einen Kardinal unter Franziskus ist der Erzbischof von Toamosina auf Madagaskar, Desire Tsarahazana. Der Anteil Unterernährter an der Bevölkerung des Inselstaats ist höher als in den meisten Ländern der Erde. Die Kirche ist entsprechend sozialer aktiv. Der bald 64-Jährige war übrigens, ebenso wie der Patriarch aus Bagdad, bei der Familiensynode im Vatikan 2015 dabei. Auch in Italien erlaubt sich Franziskus wieder einen eigenen Akzent. Da wird kein Anwärter aus den großen Metropolen, der sich das gewiss zugetraut hätte, neuer Kardinal, sondern Giuseppe Petrocchi. Franziskus machte, kaum drei Monate im Amt, den heute 69-Jährigen zum Erzbischof von Aquila. Die Provinzstadt, gut 100 Kilometer nordöstlich von Rom, wurde bei einem Erdbeben im April 2009 schwer beschädigt, über 300 Menschen starben. Wie seitdem die Schäden beseitigt oder Provisorien verewigt wurden, das ist ein italienisches Trauerspiel eigener Art. Und Petrocchi wird als Geistlicher nicht müde, die Menschen zum Zusammenhalt und zum Bleiben zu ermutigen und Hilfen zu organisieren.

Luis Francisco Ladaria Ferrer (picture alliance/AP/R. De Luca)

Erzbischof Luis Ladaria: Er ist Präfekt der Glaubenskongregation



Ein Jesuit an der Seite des Jesuiten-Papstes

Mehrere künftige Kardinäle arbeiten im direkten Umfeld des Papstes im Vatikan. Da ist Erzbischof Luis Ladaria, der Präfekt der Glaubenskongregation; der spanische Jesuit ist ein enger Vertrauter von Franziskus. Oder Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, einer der wichtigsten Diplomaten im vatikanischen Staatssekretariat, vor allem räumt Becciu beim Malteserorden auf, bei dem es vor knapp zwei Jahren beinahe einen Putsch konservativerer Angelsachsen gegen die etablierte Leitung gab. Und Franziskus ehrt den Leiter seines Almosenamts, den aus Polen stammenden Erzbischof Konrad Krajewski. Er setzt oft das um, was der Papst an konkreter Sozialarbeit in der Nähe des Vatikan wünscht: Duschen für Obdachlose oder Suppenküchen. Und wenn in Wintertagen jemand auf Roms Straßen erfriert, sorgt Krajewski für eine richtige Beerdigung und ein ordentliches Grab.

Wie üblich ehrt Franziskus auch wieder einige Geistliche, die bereits die 80 Lebensjahre überschritten haben, die er aber persönlich würdigen will. Neben einem pensionierten Erzbischof aus Mexiko zählen dazu ein bolivianischer Prälat und ein spanischer Ordensmann.
 

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