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Aktuell Europa

Papst Franziskus: Menschenwürdige Arbeit statt grenzenloser Profitgier

Eigentlich ist Papst Franziskus in Turin um das berühmte Grabtuch Jesu Christi zu besichtigen. Doch seinen Besuch nutzt das Kirchenoberhaupt, um mehr Menschlichkeit in der Arbeitswelt anzumahnen.

Papst Franziskus hat seinen Besuch in Turin mit einem Aufruf zu mehr sozialer Gerechtigkeit begonnen. In einer Ansprache vor dem Turiner Dom beklagte er wachsende Ungleichheit als Folge der andauernden Wirtschaftskrise. Das heutige Wirtschaftsleben sei geprägt von Massenarbeitslosigkeit, Korruption und Profitgier. Dabei müssten sich die Menschen vermehrt dafür einsetzen, dass es nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch menschenwürdige Arbeit für alle gebe, betonte Franziskus. "Das erfordert ein Wirtschaftsmodell, das nicht dem Kapital dient, sondern dem Allgemeinwohl."

Recht auf Arbeit

Allein in Turin lebten etwa ein Zehntel der Bevölkerung in absoluter Armut, beklagte der Papst. Die norditalienische Industriestadt leidet besonders schwer unter den Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise. In seiner Rede vor dem Dom erinnerte Franziskus daher an das Menschenrecht auf Arbeit: "Die Arbeit ist nicht nur für die Wirtschaft notwendig, sondern für die menschliche Person selbst, für seine Würde, für seine staatliche Teilhabe und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt." Besonders Frauen, die einen Großteil der Belastung durch die Versorgung der Familie trügen, würden in der Arbeitswelt weiterhin massiv diskriminiert.

Angesichts wachsender Flüchtlingszahlen in Italien warnte das Oberhaupt der katholischen Kirche jedoch davor, Migranten für den Mangel an Arbeitsplätzen verantwortlich zu machen. "Migranten sind selbst Opfer von Ungleichheit, Wegwerf-Wirtschaft und Krieg", mahnte Franziskus.

Zuhörer bei der Ansprache Papst Franziskus' vor dem Turiner Dom (Foto: Reuters)

Tausende verfolgten die Ansprache Papst Franziskus' vor dem Turiner Dom

La sacra Sindone

Eigentlicher Anlass des Papstbesuches ist die Ausstellung des Turiner Grabtuchs, das vielen Gläubigen als das Leichentuch gilt, in das Jesus nach seiner Kreuzigung gehüllt wurde. "La sacra Sindone", wie das Relikt auf Italienisch genannt wird, ist nur alle paar Jahre öffentlich zugänglich, zuletzt 2010. In diesem Jahr ist es seit Mitte April und bis zum kommenden Mittwoch zu sehen. Seinen zweitägigen Besuch in Turin nutzt der Papst neben seinen religiösen Pflichten auch dazu, sich mit jugendlichen Häftlingen, Obdachlosen und Migranten zu treffen.

nin/uh (dpa, kna, epd)