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Vatikan

Papst feiert Messe mit mehr als 1000 Gefangenen

Franziskus ist nicht wie seine Vorgänger. Oft geht er ungewöhliche Wege und hält Zeremonien ab, die bislang einmalig sind. So hat er nun zahlreiche Gefängnisinsassen nach Rom zum Gottesdienst eingeladen.

Zu dem besonderen Ereignis im Petersdom waren nach Angaben des Vatikans unter anderem 35 Gefangene aus Spanien eingeflogen worden. Auch italienische, britische, lettische, mexikanische, niederländische, südafrikanische sowie US-amerikanische Insassen italienischer Gefängnisse hätten an der Messe zum Heiligen Jahr der römisch-katholischen Kirche teilgenommen, das am 20. November zu Ende geht.

Integration in die Gesellschaft

In seiner Predigt prangerte das Oberhaupt der katholischen Kirche Vorurteile und Scheinheiligkeit im Umgang mit Häftlingen an. Viele Menschen hätten wenig Vertrauen in die Möglichkeit, ehemalige Häftlinge wieder in die Gesellschaft zu integrieren. "So vergisst man, dass wir alle Sünder sind und häufig auch Gefangene, ohne uns dessen bewusst zu sein", sagte der Papst. Wer in den eigenen Vorurteilen gefangen sei oder Sklave der Idole eines vermeintlichen Wohlergehens, sei ebenso in den engen Zellenwänden des Individualismus oder der Selbstgerechtigkeit gefangen. Auch wer sich im Rahmen ideologischer Strukturen bewege oder unterdrückende Marktgesetze absolut setze, sei ein Gefangener seiner selbst, sagte der Papst.

Die Messe im Petersdom wurde vom Gefangenenchor "Papageno" aus der Haftanstalt Bologna begleitet. An dem Gottesdienst nahmen auch Familienangehörige, Mitarbeiter von Haftanstalten und Gefängnisseelsorger teil.

Gefangene aus aller Welt feierten mit Papst Franziskus (REUTERS/T. Gentile)

Gefangene aus aller Welt feierten mit Papst Franziskus

Seine Hörer, die Franziskus mit "Brüder und Schwestern Sträflinge" anredete, ermutigte er, sich nicht in der Vergangenheit einzuschließen. Wer aus seinen Fehlern lerne, könne ein neues Kapitel im Leben aufschlagen. Franziskus warnte vor der "Versuchung zu glauben, dass keine Vergebung möglich sei".

Freiheitsentzug nannte der Papst die schwerste Form der Strafe, weil sie den innersten Kern der Person treffe. "Eine Sache ist, was wir für das begangene Schlechte verdienen; eine andere Sache dagegen ist der Atem der Hoffnung, der von nichts und niemandem erstickt werden kann", sagte Franziskus.

Gegner der Todesstrafe

Franziskus besucht seit seinem Amtsantritt immer wieder Haftanstalten und wirbt für die gesellschaftliche Integration von Straffälligen. Bei der Messe im Petersdom benutzte er einen Kreuzstab aus Olivenholz, den eine Resozialisierungseinrichtung in San Remo vor zwei Jahren für ihn gefertigt hatte. Der Papst ist ein erklärter Gegner der Todesstrafe.

Die Gefangenen hatten demnach eine Sondererlaubnis zur Teilnahme an dem Ereignis erhalten. Franziskus hält regelmäßigen Kontakt mit zum Tode verurteilten Gefangenen, so Erzbischof Rino Fisichella. "Wir wissen, dass Gefangene dem Papst sehr wichtig sind. Auf seinen apostolischen Reisen hat er immer wieder Gefängnisse besucht, um den Insassen eine Botschaft der Solidarität und Hoffnung zu bringen."

cgn/wl (dpa, epd, kna)

 

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